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Ostkreis Gezielte Störaktionen verzögern das Fällen
Landkreis Ostkreis Gezielte Störaktionen verzögern das Fällen
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20:56 14.10.2020
Ein Harvester fällt in der Nähe der „alten Wache“ Bäume auf der A-49-Trasse. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Eigentlich lief gestern Morgen alles wie geplant – eigentlich. Baumfällmaschinen, sogenannte Harvester, verrichteten Baum für Baum ihre Arbeit, dieses Mal in Nähe der Niederrheinischen Straße, nur wenige Meter Luftlinie von der „alten Wache“ entfernt. Inzwischen ist dort bereits eine große Schneise entstanden. Die Harvester entfernen auch die Äste und zerlegen gefällte Bäume in transportierbare Stücke.

Bis kurz nach 11 Uhr fiel so ein Baum nach dem anderen. Die Harvester arbeiteten an verschiedenen Stellen gleichzeitig. Bis Unruhe an der Polizeiabsperrung entstand. Aus dem Waldstück in Nähe der „alten Wache“ liefen mehrere A-49-Gegner auf die Straße und die Polizeibeamten zu. Diese Protestierer scheiterten. Gleichzeitig liefen mitten im Fällgebiet weitere Autobahngegner aus dem Wald heraus. Sie schafften es, den Harvester zu stoppen. Einer von ihnen kletterte auf das Führerhaus der Maschine und blieb dort sitzen. Andere verschwanden im Herrenwald. Zwei kletterten mitten im Sicherheitsbereich auf Bäume. Wieder war gestern Morgen das Höhenrettungsteam eines Spezialeinsatzkommandos gefordert. Dieses Mal waren keine Hebebühnen erforderlich. Trotzdem bedurfte es einer längeren Vorbereitung, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Sprecherin Sylvia Frech betonte abermals, dass Sicherheit den Vorrang vor Zügigkeit habe. Nach dem Anbringen mehrerer Sicherheitsleinen an benachbarten Bäumen nutzten die Spezialisten eine Baggerkralle, um sich auf Höhe der Baumbesetzer bringen zu lassen. Dann dauerte es nur wenige Minuten, bis die Beamten die beiden Personen sicher und vorsichtig wieder auf den Boden gebracht hatten. Beide wurden von Polizisten weggetragen.

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Die Besetzung des Harvesters war vorher zu Ende gegangen. Polizeibeamte hatten die Maschine erklettert und den A-49-Gegner behutsam wieder auf den Waldboden gebracht und ebenfalls abgeführt.

Straßensperrungen weiter möglich

Bevor die Polizei einschritt, gab es wieder mehrfache Aufforderungen an Aktivisten, freiwillig aufzugeben. Jedes Mal gab es den Verweis auf Verstöße gegen die Verfügungen des Landkreises und des Forstamtes. Der Kreis hatte eine Allgemeinverfügung speziell gegen errichtete Baumhäuser auf der Trasse erlassen, die Forstverwaltung hat den Aufenthalt in Rodungsgebieten vor allem aus Sicherheitsgründen untersagt. Bei Verstößen können Autobahngegnern Ordnungsgelder drohen, meist stellt die Polizei die Personalien der beteiligten Personen fest.

Wieder war die Kreisstraße 12, die Niederrheinische Straße, gestern gesperrt. In Richtung Neustadt etwa ab dem Wertstoffhof in Richtung Stadtallendorf bereits ab der Einmündung von der B454. Mit kurzfristigen Straßensperrungen werden Autofahrer in und rund um Stadtallendorf auch in den nächsten Tagen leben müssen. Die Polizei verweist auf Sicherheitsgründe während der Fällarbeiten in der Nähe von Straßen. Auch die Bundesstraße 454 war wiederum ab der Kreuzung Hauptstraße/Bahnhofstraße zumindest zeitweise dicht.

Deges, das für die Bauvorbereitungen verantwortlich ist, erklärte gestern, zum Zeitrahmen aufgrund der Unwägbarkeiten, die die Fällarbeiten begleiteten, keine Aussagen treffen zu können. „Wir gehen weiterhin davon aus, die Fällarbeiten bis Ende Februar 2021 abschließen zu können“, erklärte Sprecher Michael Zarth.

Von Michael Rinde