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Ostkreis So viel Normalität wie möglich
Landkreis Ostkreis So viel Normalität wie möglich
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11:58 16.12.2020
Nico (von links), Emilia und Mona basteln im Familienzentrum Gedankenspiel.  Quelle: Florian Lerchbacher
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Landkreis

Die Weihnachtszeit ist insbesondere für Kinder ein Fest. Jeden Tag warten die Türchen des Adventskalenders, der Nikolaus kommt, es gibt Plätzchen, Punsch und andere Leckereien, überall findet sich bunte Dekoration, die Verwandten kommen zu Besuch und am Ende steht der Besuch des Weihnachtsmanns, der zur Krönung auch noch Geschenke bringt.

Doch dieses Jahr ist vieles anders. Die Corona-Pandemie bringt viele Einschränkungen mit sich und nicht einmal an Weihnachten ist alles normal. Abstandsregelungen und Hygienevorschriften prägen das Leben – wie sieht es da eigentlich in den Kindertagesstätten mit den Adventsfeierlichkeiten und der Vorbereitung auf die Weihnachtsfeiertage aus? Die OP hat nachgefragt.

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„Wir versuchen, alles so normal wie möglich zu gestalten“, sagt zum Beispiel Sabrina Dippel, die stellvertretende Leiterin des katholischen Kindergartens Momberg-Mengsberg. Kinder und Erzieher hätten gemeinsam Weihnachtsdeko gebastelt, die Gruppen geschmückt, und das Öffnen des Adventskalender-Türchens sei weiter ein Höhepunkt des Tages. Sogar der Nikolaus kam zu Besuch – auch wenn er dieses Mal jede Gruppe einzeln besuchen und dann auch Abstand halten musste.

Gebastelte Weihnachtskarten werden im Ort verteilt

Das monatliche Frühstück sei passend gestaltet worden und natürlich hätten die Kinder weihnachtliche Geschichten und Musik zu hören bekommen und verschiedene Fingerspiele zum Thema gemacht, berichtet Dippel und betont: „Wir haben versucht, ein Stück Normalität zu leben.“ Entsprechend waren die Vorschulkinder in der sogenannten Weihnachtswerkstatt und bastelten Karten – die sie, ein neuer Ansatz im Kindergartenalltag, danach im Ort verteilten. Zu den Hauptadressaten gehörten Senioren. „In Zeiten sozialer Distanz sind die Menschen viel zu Hause. Gerade unsere älteren Mitbürger trifft das besonders hart. Deswegen wollten wir ein Zeichen setzen und gerade ihnen eine Freude machen.“

Ähnlich sieht es in den Kindertagesstätten Kirchhains aus, wo die Jungen und Mädchen – übrigens ebenso wie Grundschüler – für Senioren Bilder malen und mit Weihnachtsgrüßen versehen. Als Zeichen, dass das Miteinander trotz „social distancing“ immer noch in der Gesellschaft verankert ist. Insgesamt sei der Dezember aber weniger adventlich als in den Vorjahren gewesen, berichtet Katja Burk, Leiterin der Einrichtung „Am Steinweg“.

Die Kinder seien im Vergleich zur sonstigen Winterzeit mehr im Freien als im Gebäude, und auf beispielsweise das Backen von Plätzchen, den Besuch von Gottesdiensten und das Ausrichten von Adventsnachmittagen mit Eltern sei in diesem Jahr verzichtet worden.

Der Plan war, kurz vor Weihnachten in den beiden Gruppen gesondert kleine interne Weihnachtsfeiern auszurichten – diese verlegte die Einrichtung auf gestern, den letzten „normalen Tag“ vor dem Lockdown und der Notbetreuung. An Nikolaus machten sich die Kirchhainer die Umstände zu nutze: Da der 6. Dezember ein Sonntag war, hätten sie den Kindern montags erzählt, der Nikolaus sei tags zuvor vorbeigekommen und habe die Geschenke hinterlassen, erklärt Burk.

Ansonsten gelte auch bei ihr, so viel Normalität wie möglich zu leben – mit Adventskalender und -kränzen oder weihnachtlichen Geschichten und Fingerspielen. „Die Kinder nehmen die Veränderungen gut an“, resümiert die Leiterin und spricht der Stadt Lob aus, die den Familien einen digitalen Adventskalender zur Verfügung stellt – mit Vorschlägen, wie Weihnachten zuhause vorbereitet werden kann, beispielsweise durch Bastelarbeiten.

Der Nikolaus kam am

Sonntag – coronakonform

Am Basteln sind auch die Mädchen und Jungen im Familienzentrum „Gedankenspiel“ in Wehrda. Die Räume in der Diakonie, wo die Einrichtung während des Umbaus ihres eigentlichen Standorts untergebracht ist, sind weihnachtlich mit Adventskränzen, Baum und Lichterketten dekoriert. „Unser größtes Problem war, dass es für die vielen Lichterketten zu wenige Steckdosen gibt“, berichtet Leiterin Mara Meske lachend und ergänzt: „Zum Glück gibt es inzwischen auch batteriebetriebene Lichterketten.“ Und wenn Erzieher im Raum seien, werde auf den vornehmlich durch LED-Lichter erleuchteten Adventskränzen manchmal auch eine echte Kerze entzündet.

Auch die Wehrdaer nutzten aus, dass der Nikolaus-Tag ein Sonntag war – und die hinterlassenen Süßigkeiten und das Obst eben einen Tag lang in der Einrichtung auf die Kinder warten konnten. Der persönliche Besuch des Nikolaus’, der sonst in den größten Raum der Einrichtung kommt, zu jeder Gruppe etwas sagt und am Ende seine Geschenke überreicht, konnte entsprechend dieses Mal ausfallen, ohne dass große Erklärungsnöte entstanden. Ansonsten heißt es auch in Wehrda, so viel Normalität wie möglich zu vermitteln – dazu gehören eben auch dort Weihnachtsgeschichten oder das feierliche Öffnen des Kalenders. Die Jüngsten – die Krabbelkäfer – wollten die gesamte Woche dem Thema Weihnachte widmen.

Die sonst oftmals veranstaltete gemeinsame Weihnachtsfeier mit den Eltern fiel ebenso wie die Feier der Belegschaft aus. „Das ist schade für die Teamkultur“, sagt Meske und ergänzt: „Gerade in diesem Jahr, in dem alle noch härter arbeiten als sonst, wäre es gut gewesen, gemeinsam etwas Schönes zu unternehmen und einen guten Abschluss zu finden.“ Den bekamen zumindest die Kinder: Der Förderverein des Gedankenspiels mietete bei einem lokalen Anbieter ein Karussell, das gestern an der Kita stand. Gruppenweise wartete auf die Kinder also eine Attraktion, die für die ansonsten eingeschränkten Feierlichkeiten entschädigte. Natürlich unter Einhaltung der Corona-bedingten Vorschriften.

Von Florian Lerchbacher