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Ostkreis Wehrmachtsmunition liegt an der Wohra
Landkreis Ostkreis Wehrmachtsmunition liegt an der Wohra
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15:58 17.12.2020
An der Wohra lässt die Stadt Kirchhain derzeit Munition aus dem Zweiten Weltkrieg räumen.  Quelle: Stadt Kirchhain
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Kirchhain

Es war ein Zufallsfund an der Wohra, der zu dieser besonderen Baustelle unweit der Papiermühle geführt hat. Ein Spaziergänger bemerkte offenbar ein blinkendes Stück Metall, wie Bürgermeister Olaf Hausmann der OP berichtet. Dabei handelte es sich bei genauem Hinsehen um Munition, ein Gewehr- oder Pistolengeschoss.

Er meldete den Fund umgehend und löste damit Untersuchungen und letztlich eine Bergungsaktion durch eine Fachfirma für Kampfmittel aus. Denn dort an der Wohra liegt noch deutlich mehr Weltkriegsmunition der damaligen deutschen Wehrmacht, wie sich mittlerweile herausgestellt hat.

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Kampfmittelräumdienst wurde kontaktiert

„Nach Angaben der Firma findet sich dort mehr als bei vergleichbaren Fundstellen“, sagt Hausmann. An einem der ersten Tage habe die Firma allein 51 Kilo Munition gefunden und entsorgt. Bei dem Munitionsfund hatte die Stadt Kirchhain zuerst den beim Regierungspräsidium Darmstadt angesiedelten Kampfmittelräumdienst kontaktiert, der die ersten Schritte einleitete. Die Bergung der Munition liegt nun in Händen eines zertifizierten Unternehmens.

Der Verdacht steht im Raum, dass die Munition von Wehrmachtssoldaten im März 1945 dort auf dem Rückzug vor näherkommenden amerikanischen Truppen abgeladen wurde.

Am 29. März 1945 war es zu schweren Kämpfen in und um Kirchhain gekommen. Geklärt ist die Herkunft der Munition und wie sie an die Wohra kam laut Hausmann aber noch nicht. Die Baustelle an der Wohra wird die Stadt angesichts der gefundenen Mengen wohl noch einige Zeit beschäftigen, so die Befürchtung. Bisher gibt es nur eine Suche direkt am Ufer der Wohra. Um aber auf Nummer sicher zu gehen, muss wohl auch der Grund der Wohra näher untersucht werden. Und das erfordert großen Aufwand. „Sollte es notwendig werden, dann müsste die Mühlenwohra wohl kurzzeitig trockengelegt werden“, schildert Hausmann ein denkbares Szenario. Für diesen Fall hat die Stadt bereits Vorgespräche mit der unteren Naturschutzbehörde geführt. Ob es dazu kommt, dürfte sich Anfang nächsten Jahres entscheiden.

Eine unmittelbare Gefahr bestehe nicht

Die Stadt betont: Eine unmittelbare Gefahr geht von der gefundenen Munition nicht aus, auf irgendwelche Umweltschäden gibt es bisher keinerlei Hinweis. Die Baustelle ist entsprechend abgesichert. Angesichts der Mengen, die sich schon bei Erkundungen gefunden hatten, hatte die Stadt aus Gründen der Gefahrenabwehr unmittelbar gehandelt und die Räumung beauftragt. Deshalb muss sie bei den erheblichen Kosten jetzt erst einmal in Vorleistung gehen. Zwischenzeitlich hat sich die Auftragssumme schon erhöht.

Räumungskosten betragen mindestens 90 000 Euro

Aktuell geht die Stadt von Räumungskosten von mindestens 90 000 Euro aus. Dieses Geld erhält die Stadt Kirchhain aber erstattet, eben weil es sich um Wehrmachtsmunition handelt. Am Ende dürfte der Bund bezahlen, so die aktuellen Informationen der Stadtverwaltung.

Es ist nicht der erste größere Munitionsfund in der jüngeren Kirchhainer Stadtgeschichte. Vor zehn Jahren, im März 2010, fanden sich größere Mengen Granaten im Abbaugelände des Niederwälder Kieswerks.

Seinerzeit gab es Vermutungen, dass diese Flak-Granaten aus einem Munitionszug der Wehrmacht gestammt haben können.

Von Michael Rinde