Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Wegkreuz bleibt noch einmal stehen
Landkreis Ostkreis Wegkreuz bleibt noch einmal stehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:58 27.07.2021
Protest am „Jesus Point“: Autobahngegner zeigten dort gestern Flagge.
Protest am „Jesus Point“: Autobahngegner zeigten dort gestern Flagge. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
Anzeige
Niederklein

Eigentlich sollten am Montagmorgen bereits um 8 Uhr Steinmetze und Restauratoren am Wegkreuz hinter dem Ortsausgang Niederklein in Richtung Stadtallendorf ihre Arbeiten beginnen. Eigentlich. Denn es kam anders. Autobahngegner versammelten sich rund um das Kreuz, zogen ein Absperrband darum und zeigten ihren Protest gegen das Gesamtprojekt. „Was wir hier tun, hat eigentlich nicht direkt mit dem Wegkreuz zu tun“, sagt Helmut Weick aus Südhessen, unter anderem bei „Wald statt Asphalt“ engagiert, wie er berichtet.

Den Autobahngegnern aus der Region und aus dem weiteren Umfeld ging es gestern vor allem um die Regenüberlaufbecken, die für die A 49 entstehen werden, auch dort, wo sich jetzt noch das mehr als 100 Jahre alte Wegkreuz befindet. Zu diesem historischen Wegkreuz hatten A-49-Gegner seit langem einen engen Bezug: Während der Fällarbeiten an dieser Stelle hatten sie das Wegkreuz auf den Namen „Jesus Point“ getauft.

Von „Räumung“ des Geländes war gestern nur auf einem Twitter-Kanal von A-49-Gegnern die Rede, vor Ort rechnete zunächst keiner wirklich damit. Die Polizei suchte immer wieder das Gespräch mit den Menschen hinter dem Absperrband und am Wegkreuz, Aktionen gab es dabei aber nicht. Schon am Morgen war offenbar klar, dass aus dem Abtransport des in der Region verehrten Kreuzes am Montag nichts mehr werden wird. Der Termin ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

Den Protestierern ging es gestern vor allem darum, auf die Gesamtproblematik aus ihrer Sicht hinzuweisen. Die Autobahn 49 wird in Teilen durch die Wasserschutzzone II und IIIa gebaut. A-49-Gegner Helmut Weick nennt die Berechnungen für die Regenrückhaltebecken und die Oberflächenwasser-Ableitungen „fragwürdig“. Er fordert vor allem angesichts von Klimawandel und der Flutkatastrophe mit ihren extremen Regenfällen jetzt mehr denn je einen Baustopp, ein Moratorium für die A 49. Vehement forderten die Autobahngegner gestern ein Gespräch mit Vertretern des Regierungspräsidiums Gießen, das die Planfeststellungsunterlagen seinerzeit mitgeprüft hatte.

Reinhard Forst aus Amöneburg, seit Jahrzehnten Autobahngegner, hält den Planfeststellungsbeschluss für diesen Teil der A 49 für überholt angesichts der Regenfälle in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Angesichts des jüngsten Urteils des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz sieht Forst einen weiteren, starken Grund für einen Baustopp und die Abkehr vom Autobahn-Weiterbau. Für alle Bauvorbereitungen ist die Projektmanagementgesellschaft Deges verantwortlich. Sie übernimmt auch die Kosten der Umsetzung und Restaurierung des Wegkreuzes. Das historische Kreuz soll in einer Entfernung von etwa 300 Metern seinen neuen Standort erhalten (die OP berichtete). Dies ist mit Stadt und Kirchengemeinde abgestimmt. „An der Notwendigkeit, das Kreuz zu versetzen, weil am bisherigen Standort ein Regenrückhaltebecken für die A 49 gebaut wird, hat sich nichts geändert“, erklärt Deges-Sprecher Michael Zarth gegenüber der OP. Der Termin werde nun neu mit dem Auftragnehmer abgestimmt.

Das Volumen des Regenrückhaltebeckens wird knapp 12 000 betragen. Das Becken sei damit für eine sehr geringe Überlastungswahrscheinlichkeit von einmal in 100 Jahren ausgelegt, erklärt Deges auf Nachfrage der OP.

Von Michael Rinde

26.07.2021
26.07.2021
26.07.2021