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Ostkreis Eine große Wehr zieht um
Landkreis Ostkreis Eine große Wehr zieht um
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12:00 06.01.2022
Stadtallendorfer Feuerwehrleute haben bereits einen Aktionstag in Sachen Umzug ihrer Wache hinter sich. 
Stadtallendorfer Feuerwehrleute haben bereits einen Aktionstag in Sachen Umzug ihrer Wache hinter sich.  Quelle: Feuerwehr Stadtallendorf
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Stadtallendorf

Jeder Umzug ist eine Herausforderung. Je größer die Wohnung oder das Haus, desto größer ist die Organisation und umso mehr Arbeit fällt an. Bei einer Feuerwehr, zumal bei der zweitgrößten Wehr im Landkreis, kommen noch mehr Herausforderungen und Arbeit hinzu – verteilt auf viele Schultern. An diesem Samstag treffen sich Angehörige der Feuerwehr Stadtallendorf wieder an ihrem 30 Jahre alten Gerätehaus, um es auszuräumen, Kisten zu packen und Paletten zu füllen. Beim ersten Arbeitseinsatz dieser Art im vergangenen Dezember kamen, verteilt auf die teilnehmenden Feuerwehrleute, rund 125 Arbeitsstunden zusammen. Dieses Mal könnten es ähnlich viele Stunden werden.

Für die Arbeitseinsätze hat sich Stadtallendorfs Stadtbrandinspektor Patrick Schulz eigens eine Sondererlaubnis geben lassen. Ansonsten beschränkt sich der Feuerwehrdienst im Moment nämlich nur auf die Einsätze. Auch in Stadtallendorf ruht, den Empfehlungen des Kreises entsprechend, der Übungsbetrieb komplett. Schuld sind die Corona-Pandemie und die drohende Dominanz der hochansteckenden Omikron-Variante. Im Inneren werden die arbeitenden Feuerwehrleute am Samstag deshalb Maske tragen, außer natürlich im Freien oder in der Fahrzeughalle bei geöffneten Toren. „Das ist körperlich schon anstrengend, gerade wenn schwerere Teile getragen werden müssen“, sagt Schulz.

Bis 31. Januar ist das Haus leer

Dieser Umzug ist natürlich langfristig vorbereitet, die Feuerwehr hat eine eigene Arbeitsgruppe dafür gebildet. Bei Weitem nicht alles, was im jetzigen Gebäude lagert, kann in das provisorische Quartier umziehen, weil dort einfach weniger Platz zur Verfügung steht. Für mindestens zwei Jahre hat die Feuerwehr Stadtallendorf voraussichtlich ab Ende des Monats ihr Zentrum und ihre Bleibe auf einem Teil des Parkplatzes am Herrenwaldstadion. „Der 31. Januar ist unsere Deadline, bis dahin haben wir das alte Gebäude übergeben“, erklärt Patrick Schulz.

Stadt und Feuerwehr hatten sich im Vorfeld darauf verständigt, dass die Wehr ihren Umzug in eigener Regie organisiert und durchzieht und nicht auf ein Spezialunternehmen zurückgreift. Das spart nicht zuletzt auch Geld. „Auf diese Leistung bin ich wirklich stolz“, sagt denn auch Bürgermeister Christian Somogyi im Gespräch mit der OP.

Stadtallendorfer Feuerwehrleute haben bereits einen Aktionstag in Sachen Umzug ihrer Wache hinter sich.  Quelle: Feuerwehr Stadtallendorf

Die Feuerwehr wisse am besten, was sie wo brauche und was für die verschiedenen Einsätze immer greifbar sein müsse. Auf die Feuerwehr könne sich die Stadt eben stets verlassen. „Und das alles im Ehrenamt“, betont der Stadtallendorfer Rathauschef. Was für das Einsatzgeschehen wirklich gebraucht wird, kommt in die Halle oder in die eigens von der Stadt angemieteten 13 Container.

Die Feuerwehr verfügt über eine eigene Zufahrt und abgetrennte Parkflächen, um jederzeit einsatzfähig zu sein. Schulz lobt seinerseits die Qualität des Übergangsquartiers. „Wir haben bekommen, was wir brauchen, und sind damit wirklich zufrieden“, sagt er. In den Containern befinden sich Umkleiden, Büros, aber auch beispielsweise Werkstätten und Lagerkapazitäten für Material und Geräte.

Es ist auch ein Abschied mit Wehmut

Von den Einsatzfahrzeugen her passt alles in die Halle, die beim Unternehmen Ferrero schon im Einsatz war, als deren Werkfeuerwehr ein Provisorium brauchte. Die Stadt konnte die Halle übernehmen. Teilweise werden Fahrzeuge hintereinander in den Boxen stehen. „Sie sind aber so angeordnet, dass die Fahrzeuge, die sofort einsatzbereit sein müssen, jederzeit als Erste die Halle verlassen können“, sagt Stadtallendorfs Stadtbrandinspektor.

Was nicht unmittelbar benötigt wird, kommt in einen Lagerraum im früheren Postgebäude oder in das ehemalige Erksdorfer Gerätehaus. Außerdem verfügt die Stadtallendorfer Feuerwehr über ein weiteres Lager im früheren Treibstoffdepot, wo jederzeit Einsatzmaterial nachgeholt werden kann, wie zum Beispiel Ölbindemittel.

Am Samstag werden die Büros der Feuerwehr umziehen, aber auch beispielsweise die eigene Funkzentrale. Dann wird wieder Karton für Karton gepackt, versehen mit Inventarliste und genau beschriftet.

Ja, es werde sicher auch Wehmut geben, wenn sich die Kameraden demnächst vom alten Gebäude endgültig verabschiedeten, ist sich Patrick Schulz sicher. „Wir haben hier doch sehr viele Stunden zugebracht, auch nach belastenden Einsätzen wie tödlichen Unfällen zum Beispiel“, sagt er.

Aber: „Hier freuen sich alle sehr auf den Neubau.“ Auf den hofft die Feuerwehr Stadtallendorf ja schon lange, der Bedarf ist unbestritten. Aktuell hat die Feuerwehr Stadtallendorf-Mitte 54 Mitglieder in der Einsatzabteilung, bei allen Wehren im Stadtgebiet insgesamt sind es 191.

Zahlen und Fakten

Das Übergangsquartier der Stadtallendorfer Feuerwehr kostet die Stadt rund 300 000 Euro. Es ist eine etwa 600 Quadratmeter große Halle für die Fahrzeuge entstanden, die Container umfassen noch einmal etwa 180 Quadratmeter Fläche. Für den Neubau sind rund 12,2 Millionen Euro insgesamt veranschlagt.

Von Michael Rinde

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