Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Die Wege in den Herrenwald sind dicht
Landkreis Ostkreis Die Wege in den Herrenwald sind dicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 13.12.2021
Bürgermeister Christian Somogyi (von links) übernahm die Unterschriftenlisten von Michael Goetz, dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden, gemeinsam mit Stadtverordneten-vorsteherin Ilona Schaub. Im Hintergrund stehen Unterstützer der Unterschriftenaktion. Schaub zeigt das Buch der A-49-Gegnerin Linda Seim, das sie bei der Übergabe geschenkt bekam.
Bürgermeister Christian Somogyi (von links) übernahm die Unterschriftenlisten von Michael Goetz, dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden, gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteherin Ilona Schaub. Im Hintergrund stehen Unterstützer der Unterschriftenaktion. Schaub zeigt das Buch der A-49-Gegnerin Linda Seim, das sie bei der Übergabe geschenkt bekam. Quelle: Michael Rinde
Anzeige
Stadtallendorf

Für Spaziergänger und Radfahrer aus Stadtallendorf und Umgebung ist das Naherholungsgebiet Herrenwald auf unabsehbare Zeit dicht. An den Eingängen zu den bekannten Wald- und Forstwegen stehen unübersehbar Absperrbaken und Sperrschilder, außerdem der Hinweis „Baustelle – Betreten verboten“. Der Forster Weg, ein beliebter, ehrenamtlich seinerzeit ausgeschilderter Wanderweg mit historischem Hintergrund ist im Herrenwald zumindest ebenfalls zerschnitten.

Baufirmen prüfen Möglichkeiten

Besonders betroffen ist die Rohrborn-Siedlung. „Ob sie noch einmal einen Zugang zum Wald bekommt, ist nicht abzusehen“, merkt Michael Goetz an. Er ist Fraktionsvorsitzender der Stadtparlaments-Fraktion von B90/Die Grünen. Vor Beginn der jüngsten Stadtparlamentssitzung übergab Goetz gemeinsam mit Unterstützern Unterschriftenlisten mit den Namen von genau 297 Bürgern. Mit ihrer Unterschrift fordern die Bürger Stadtallendorfs Gremien dazu auf, alles dafür zu tun, um den Wald wieder zugänglich zu machen. Spontan unterzeichneten bei der Übergabe auch zwei weitere Stadtallendorfer, Bürgermeister Christian Somogyi und Stadtverordnetenvorsteherin Ilona Schaub. „Dafür zu sorgen, dass der Wald wieder zugänglich wird, ist auch für uns ein Anliegen“, begründete Somogyi. Ilona Schaub sah dies genauso.

Doch dabei wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis es wieder legale Zugangsmöglichkeiten zum Herrenwald gibt. Denn: Die Sperrung des gesamten Herrenwalds sei aus Sicherheitsgründen wegen des Baustellenverkehrs erfolgt, antwortet der Magistrat auf eine große Anfrage der Grünenfraktion schriftlich. Eine Aufhebung könne erst nach einem Abschluss des Abschnitts „Herrenwald“ erfolgen. Doch das kann dauern, unter Umständen gar bis zum Herbst 2024, dem angepeilten Gesamtfertigstellungstermin für die A49-Abschnitte von Schwalmstadt über Stadtallendorf bis Gemünden (Felda).

Eine Nachfrage der OP bei der A49-Autobahngesellschaft macht aber ein klein wenig Hoffnung, dass vorher noch etwas geschehen könne beim Zugang zum Herrenwald: Die Bau-Arbeitsgemeinschaft sei dabei, zu überprüfen, ob im Rahmen der geplanten Bauausführung Wegeöffnungen an einzelnen Stellen außerhalb des Baufeldes möglich seien, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Die gute Nachricht: Bisher gab es innerhalb des Baufeldes im Herrenwald keinerlei Vorfälle mit Spaziergängern, so Sprecherin Melanie Syring. Also halten sich bisher zumindest alle an das Betretungsverbot auf den einzelnen Bauabschnitten.

Im Herrenwald und im Raum Stadtallendorf gibt es zahlreiche Brückenbauwerke im Zusammenhang mit der Autobahn 49. Wenn sie das vorhandene Wegenetz zerschneiden, so gibt es im geschaffenen Baurecht, dem Planfeststellungsbeschluss, Festlegungen zur künftigen Wegeführung Diese Wege müssen – so ist es verfügt – dann auch genauso hergestellt werden, wie im Feststellungsbeschluss vorgesehen.

Freizeitkarte ist überholt

Bei anderen Wegeführungen nicht nur im Herrenwald ist das aber nicht so. Dort gilt es jetzt, das Flurbereinigungsverfahren zu durchlaufen, was bereits im Gange ist. Innerhalb dieses Verfahrens werden Wegebeziehungen neu geordnet. Das Stichwort lautet „Wege- und Gewässerplan“, der dann neu erstellt werden muss. Ein Verfahren, das Jahre in Anspruch nimmt. Doch Somogyi will darauf dringen, dass dieser Teil zumindest sehr frühzeitig angegangen wird. Ob die Stadt jedoch Einfluss auf die unabhängige Flurbereinigungsbehörde nehmen kann, bleibt abzuwarten. „Klar ist, das Wegenetz wird dann ein anderes sein“, so Somogyi.

Michael Goetz nutzte in der Stadtparlamentssitzung die Möglichkeit, Position zu beziehen. Noch sei vieles ungeklärt. An mancher Stelle gebe es auch immer noch Schilder, die auf Wege hinwiesen, die es gar nicht mehr gebe, bedauerte Goetz. Um dann noch einen Seitenhieb in Richtung Stadt zu führen, die kürzlich eine neue Freizeitkarte verschickt hatte. „Darauf gibt es Wege, die so nicht mehr da sein werden“, merkte Goetz an. Und fragte sich, warum die Karte so aufgelegt worden ist. Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärt Bürgermeister Somogyi, dass auch die Stadt manchmal von Entwicklungen überholt werde. „Und die Freizeitkarte enthält schließlich auch noch andere Naherholungsgebiete“, ergänzt er.

Von Michael Rinde