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Ostkreis Waldkindergarten könnte 2021 eine zweite Gruppe bekommen
Landkreis Ostkreis Waldkindergarten könnte 2021 eine zweite Gruppe bekommen
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15:58 25.11.2020
Gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Groll wirbt eine Elterninitiative für weitere Anmeldungen, um eine zweite Gruppe einrichten zu können – hier bei einem Treffen im Sommer.  Quelle: Michael Rinde
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Neustadt

Frische Luft, kreative Spiele in der Natur und ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit: Weil sich das viele Eltern für ihre Kinder wünschen, wird der Neustädter Waldkindergarten immer beliebter. „Wir können nicht allen Kindern, die im Sommer in den Waldkindergarten gehen wollen, diesen Wunsch erfüllen“, schildert Bürgermeister Thomas Groll (CDU) die aktuelle Situation. Die Kinder könnten zwar in anderen Neustädter Kindergärten unterkommen. Doch eine Initiative von 25 Eltern hofft, dass im Waldkindergarten eine zweite Gruppe eingerichtet wird.

Dieser Wunsch könnte ab August 2021 Wirklichkeit werden – wenn bis dahin noch mindestens zwei Kinder angemeldet werden. Das berichten Vertreterinnen der Initiative und Bürgermeister Groll. Ihr gemeinsames Ziel: Weitere Familien für den Waldkindergarten begeistern, damit die geplante Mindest-Gruppengröße erreicht wird. Dabei denken sie auch an Kinder aus den Nachbarkommunen. Für das besondere Angebot des Waldkindergartens könnten sich sicherlich manche Eltern vorstellen, ein paar Kilometer zu fahren, meint Groll.

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„Die Kinder haben sehr viel Freispiel-Zeit, bekommen frische Luft und erleben das Wetter“, zählt Merve Hamel Vorteile des Waldkindergartens auf. Sie hat mit ihren beiden größeren Kindern gute Erfahrungen mit dem Konzept gemacht und hofft, dass nächstes Jahr auch die zweijährige Inga in den Waldkindergarten aufgenommen wird. Denn im Wald könnten die Kinder mit unterschiedlichen Materialien vielfältig spielen. Das sei gut für den Tastsinn, die Fantasie und die Sprachentwicklung, sagt Hamel. Und was viele Eltern sich nur schwer vorstellen könnten: „Die Kinder interessiert nicht so sehr, ob es regnet, schneit oder kalt ist. Die sind im Winter genauso glücklich wie im Sommer.“

Stadt und Initiative hoffen auf Anmeldungen bis Ende Januar

20 Kinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen derzeit den Waldkindergarten, darunter ein Integrationskind. Nach jetzigem Stand kann der Waldkindergarten im Sommer zehn angemeldete Kinder nicht aufnehmen – sieben aus Neustadt und drei aus Nachbarkommunen. Aus Sicht der Stadt wäre die Einrichtung einer zweiten Gruppe ab zwölf Kindern sinnvoll. Als Stichtag hatte Bürgermeister Groll im Sommer den 1. Oktober angegeben. Damals ging die Stadt davon aus, dass lediglich zwei angemeldete Kinder nicht in den Waldkindergarten können. Inzwischen hat die vor einem Jahr gegründete Elterninitiative kräftig die Werbetrommel gerührt, unter anderem bei einer Infoveranstaltung Ende August, zu der 40 Teilnehmer kamen. Weil die „magische Zahl zwölf“ jetzt fast erreicht ist, verlängert die Stadt die Anmeldefrist bis Ende Januar – in der Hoffnung, dass die zweite Waldkindergarten-Gruppe dann zum Kindergartenjahr 2021/2022 starten kann.

„Wir sind optimistisch, dass wir die zwei Anmeldungen noch erzielen können“, sagt Yasmin Klumbies von der Elterninitiative und verweist darauf, dass es seit Ende 2019 insgesamt schon 17 Neuanmeldungen gab. Das Waldkindergarten-Konzept sei „auf einem aufsteigenden Ast“, sagt auch Mirjam Martin. „Viele junge Familien sind der Meinung, dass ihren Kindern ökologische Werte vermittelt werden sollen.“ Was den Mitgliedern der Elterninitiative Hoffnung auf weitere Anmeldungen macht: Häufig würden Eltern sich erst relativ kurzfristig für den Waldkindergarten entscheiden. Allgemein melden viele Eltern ihr Kind oft direkt nach der Geburt für einen Kindergartenplatz an. Der Gedanke, dass es sich im Waldkindergarten wohlfühlen würde, komme vielen erst ein oder zwei Jahre später, wenn sie ihr Kind draußen spielen sehen. Stadt und Initiative wollen deshalb auch Eltern ansprechen, deren Kind bereits in einen anderen Kindergarten geht. „Aus pädagogischer Sicht ist ein Wechsel nicht negativ, das Kind bekommt neue Sinneseindrücke und Erfahrungen“, sagt Klumbies.

Bürgermeister: Wir haben dasselbe Ziel

Die Stadt begrüßt das Engagement der Elterninitiative ausdrücklich. „Wir haben dasselbe Ziel, wir ziehen an einem Seil in dieselbe Richtung“, stellt Groll klar. Wenn Eltern selbst erzählten, wie es ihren Kindern im Waldkindergarten geht, habe das eine stärkere Wirkung, als wenn nur die Stadt darüber informiert. Sollte die Einrichtung der zweiten Gruppe klappen, könnte die Stadt einen weiteren Schutzraum für die Kinder zur Verfügung stellen – sie hat Pavillons von der Waldschule angemietet. Die bisherige Wald-Kindergruppe hat zudem eine so genannte Mobilstation, eine Art Bauwagen. Die Einrichtung einer zweiten Mobilstation müsse natürlich mit den Fachbehörden abgestimmt werden, sagt Groll, unter anderem aus Naturschutz-Gründen.

Eine „kleine Klippe“ sieht der Bürgermeister noch bei der Suche nach zusätzlichem Personal, das die Stadt für die zweite Gruppe bräuchte. Der Waldkindergarten habe einen leicht höheren Betreuungsschlüssel als andere Kindergärten. „Aber es geht im Bereich Kindergärten nicht nur um Finanzen“, betont Groll.

Interessierte Eltern können bei Marianne Dippel, Telefon 06692/8918, E-Mail: dippel@neustadt-hessen.de, Informationen zum Waldkindergarten bekommen und ihre Kinder anmelden.

Von Stefan Dietrich