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Ostkreis Diebe räumen ihre Taten ein
Landkreis Ostkreis Diebe räumen ihre Taten ein
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16:00 19.06.2020
Ein "Einbrecher" hebelt mit einem Brecheisen eine Tür auf (gestellte Szene). Zwei 20-Jährige aus standen jetzt wegen Einbruchs vor dem Jugendschöffengericht in Marburg. Quelle: Silas Stein/dpa
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Ostkreis

Eigentlich hätten gestern vier Angeklagte in seinem Gerichtssaal sitzen sollen, um sich für Einbrüche, Diebstähle und Hehlerei verantworten zu sollen. Doch aufgrund der Corona-Beschränkungen sei dies nicht möglich und er habe eine Unterteilung vornehmen müssen, berichtete Richter Thomas Rohner am Dienstag während der Verhandlung mit nur zwei Angeklagten. Doch nicht einmal diesen Teil kann er nun zu den Akten legen: Die beiden Männer zeigten sich zwar geständig, doch aus unterschiedlichen Gründen müssen die Verfahren gegen sie fortgesetzt werden – und das auch noch in unterschiedlichen Verhandlungen, die Rohner auf die kommende Woche terminierte.

Die Männer räumten ein, für drei Einbruchdiebstähle verantwortlich zu sein – wobei sie die Beute anschließend größtenteils verkauften. Ein 20-Jähriger, der derzeit in Untersuchungshaft in Wiesbaden sitzt, gab zu, am 4. Mai 2019 gegen 2 Uhr morgens einen Kanaldeckel durch die Scheibe eines Einkaufsmarktes in Wohratal geworfen zu haben und anschließend eingestiegen zu sein, um 25 Mobiltelefone und vier Musikboxen zu stehlen. Wer sein bisher unbekannter Mittäter war, wollte der Mann indes nicht preisgeben. „Ich würde gerne antworten, aber dann würde ich mich selbst belasten“, erklärte er, woraufhin Richter Rohner verwundert antwortete: „Das haben Sie doch eh schon!?“ Der Angeklagte zog es aber dennoch vor, seinen Helfer nicht zu verraten.

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„Leute gefragt: Brauchst du ein Handy?“

Dafür gestand er, im Juli 2019 in eine Schule eingestiegen zu sein und unter anderem ein Dutzend iPads, einen Laptop und eine Geldkassette mit 200 Euro Inhalt gestohlen zu haben. Die Einbrüche habe er gemacht, weil er sich in einer finanziell schwierigen Lage befand und keinen Ausweg mehr wusste: „Ich habe gedealt und hatte 3 500 bis 4 000 Euro Drogenschulden.“ Ein Schöffe erkundigte sich noch, wie er das Diebesgut (das er teilweise in der Wohnung einer Freundin, die im Urlaub weilte, bunkerte) weiterverkauft habe: „Ich habe eben Leute gefragt: Brauchst Du ein Handy?“ Keiner seiner „Kunden“ habe dabei nachgefragt, wo die Ware herkommt.

Außerdem gab er an, während der Taten unter dem Einfluss von Kokain, Cannabis und Alkohol gestanden zu haben. Allerdings sei er inzwischen auf dem Weg der Besserung, da er – nach einer Verurteilung wegen Drogenhandels – in Haft an Suchtgruppen teilgenommen habe und dies auch fortsetzen wolle: „Ich bin eigentlich froh über die Haft, denn dadurch war ich von dem Zeug weg.“

Verhandlung wird am Dienstag (23. Juni) fortgesetzt

Die Verhandlung gegen ihn wird am kommenden Dienstag ab 14 Uhr fortgesetzt, denn das Gericht hat – wie Rohner einräumte – noch Probleme, das Diebesgut genau zuzuordnen. Daher sollen noch Zeugen geladen werden. Außerdem warf der Richter die Frage in den Raum, ob vielleicht noch ein Sachverständiger in Sachen Drogen benötigt werde. Die Antwort stand am Ende der Verhandlung aber noch aus.

Zuvor wurde aber noch ein weiteres Verbrechen besprochen: Ein 20 Jahre alter Stadtallendorfer gab zu, im Juni 2019 in Großseelheim ins Sportheim eingestiegen zu sein und eine Kompaktmusikanlage gestohlen und ein Fenster zerstört zu haben. Das Problem bei der Verhandlung gegen ihn: Es gab unterschiedliche Aussagen zu seinem Wohnort und entsprechend Unstimmigkeiten rund um einen Haftbefehl, der aus einer Verurteilung ebenfalls wegen Einbruchdiebstahls resultiert. Dieser stammt aus dem vergangenen Jahr, wurde aber außer Kraft gesetzt. Allerdings hätte der junge Mann bei seinem Bruder beziehungsweise seiner Mutter leben müssen – die Mutter gab vor Gericht an, das mache er, ein Polizist hatte jedoch berichtet, ihm sei ebenfalls von der Mutter noch vor wenigen Wochen ganz anderes gesagt worden.

Und so war der Haftbefehl wieder in Kraft gesetzt worden. Die Staatsanwältin fühlte daher der Mutter noch einmal auf den Zahn und erläuterte am Ende, dass die Lebenssituation für den Umgang mit dem Angeklagten essentiell sei. Außerdem wolle sie auch noch einen potenziellen Arbeitgeber des Mannes befragen, um herauszufinden, ob er sich wirklich auf dem Weg der Besserung befindet. Dabei geht es dann auch um die Frage, ob Jugendrecht zur Anwendung kommt. Diese Verhandlung wird am Mittwoch, 24. Juni, um 14 Uhr fortgesetzt. Da er keine Fluchtgefahr sehe und der 20-Jährige ja auch zur gestrigen Verhandlung erschienen war, setzte Richter Rohner den Haftbefehl wieder außer Vollzug.

von Florian Lerchbacher

19.06.2020
17.06.2020
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