Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Vom Wunsch nach einem Ort der Ruhe
Landkreis Ostkreis Vom Wunsch nach einem Ort der Ruhe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 14.01.2021
Aus dem ehemaligen Friedhof wurde der Stiftsgarten – in diesem Jahr soll auch die daran anschließende Friedhofshalle umgestaltet werden. Das hoffen der Verein Amöneburg 13Hundert und die Mitglieder zweier Fraktionen. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
Anzeige
Amöneburg

Die Kälte in der Mehrzweckhalle in Roßdorf war das unangenehmste an der ganzen Sitzung – eine Aussage, die sowohl Bürgermeister Michael Plettenberg und CDU-Fraktionsvorsitzender Jan-Gernot Wichert tätigten und bei Haushaltsberatungen in Amöneburg absoluten Seltenheitswert hat. Die Gespräche seien sehr konstruktiv gewesen, stellte der Rathauschef heraus. Der Schwerpunkt habe auf der Analyse des Ergebnishaushalts gelegen. Explizites Lob sprach er dabei Reinhard Franke, dem Vorsitzenden des Ausschusses aus, der sich sehr intensiv mit dem Finanzplanungsentwurf beschäftigt und die Sitzung sehr gut vorbereitet habe.

Doch auch die Stadt gehe große Schritte auf dem Weg der Modernisierung, betonte er: So werde es in der anstehenden zweiten Sitzung am Montag möglich sein, aus der Mehrzweckhalle auf Netzwerk und Finanzsoftware der Stadt zuzugreifen und die Auswirkungen eventueller Änderungswünsche auf das Finanzwerk sofort ablesen zu können. „Allerdings enthält der Haushalt auch nicht viel Sprengstoff. Die Rahmenbedingungen sind aber auch schwierig“, sagte Plettenberg und ergänzte, er rechne nicht mit „riesigen Änderungswünschen“. Der „Sparhaushalt“ endet bisher mit einem Plus von rund 80 000 Euro, die größten Investitionen sind für den Ausbau der Kinderbetreuung vorgesehen.

Anzeige

Der Haushaltsplanentwurf enthalte das Nötigste, pflichtet ihm Wichert bei: „Wunschträume sind derzeit nicht erfüllbar. Es gibt aber auch nichts im Haushaltsplan, von dem wir zwingend sagen würden, dass dies gestrichen werden müsse.“ Allerdings bemängelt der Christdemokrat auch, dass viele Punkte auftauchen würden, die schon in Vorgänger-Haushalten gestanden hätten: das Dach des Jugendraums Mardorf und andere Instandsetzungsarbeiten nennt er als Beispiele.

„Jahrelang wurden wir mit der Forderung nach Steuererhöhungen konfrontiert – aber derer bedurfte es ohnehin nicht, wenn immer so viel Geld übrig bleibt“, moniert Wichert. Er hoffe, dass nun, da weniger im Entwurf stehe, diese Punkte auch abgearbeitet werden. Seine Fraktion möchte noch – wie auch schon in der vergangenen Stadtverordnetenversammlung angekündigt – Ladepunkte für Elektrofahrzeuge in allen Stadtteilen beantragen. Außerdem gebe es vonseiten des Vereins „Amöneburg 13Hundert“ den Wunsch, die alte Leichenhalle in der Kernstadt zu einem Ort der Stille umzubauen – und quasi die Umgestaltung der vorgelagerten Fläche nun auch innen fortzusetzen.

Diesen Wunsch will auch die SPD einbringen, wie Fraktionsvorsitzender Winfried Nau berichtet. Außerdem wolle er anregen, dass die rund 220 000 aus der Hessenkasse verbliebenen Euro in den Endausbau von Amöneburgs Straßen fließen.

In diesem Zusammenhang kritisiert er, dass rund 900 000 Euro aus diesem Topf in „kleinere Projekte“ wie Sanierungsarbeiten geflossen seien: „Alles Dinge, die unter dem Motto Haushaltsausgleich standen, weil sie in den Ergebnishaushalt einflossen.“ Außerdem ärgert sich auch Nau, dass erneut zahlreiche geplante Projekte im Jahr 2020 nicht umgesetzt wurden – ihm stößt besonders auf, dass es nicht geschafft worden sei, vor dem Festjahr „1300 Jahre Amöneburg“ die Friedhofsmauer fertigzustellen oder die Fassade der Bürgerstube zu reinigen.

Und so hofft er, dass diese Projekte möglichst früh im Jahr 2021 erledigt werden und zudem finanzieller Spielraum für die Weiterentwicklung des „Ensembles Rathaus, Sparkasse, Museum“ eingeräumt wird. Gut findet er, dass der Bürgermeister in Sachen Erddeponie eine Nachforderung an die beauftragte Firma in Sachen Endabrechnung in den Haushaltsplanentwurf eingestellt habe – auf Druck der Fraktions- und der Ausschussvorsitzenden, wie er herausstellt.

Er bedauere allerdings, dass Mittel aus der Hessenkasse für die Beendigung der Rekultivierungsarbeiten an dem Gelände eingeplant seien: „Subventionsmittel des Landes für ein Gelände, das eigentlich viel Geld in unsere Kassen spülen sollte – das sieht sehr unschön aus.“

Die FWG will derweil erst noch beraten, was für Änderungswünsche sie am kommenden Montag während der zweiten „Lesung“ im Haupt- und Finanzausschuss einbringen möchte. „Für uns ist wichtig, dass wir auch in Corona-Zeiten die Investitionen weiter fortführen“, sagt Fraktionsvorsitzender Karl Jennemann. Ein Thema, das den Freien Wählern sehr am Herzen liege, sei der Goldene Stern in Roßdorf, beziehungsweise dessen Nachnutzung (im Anschluss an den Auszug der Tagespflegeeinrichtung Aura).

Er sehe in dem Gebäude eine „riesige Chance“ für Roßdorf. Er könne sich das Haus in unmittelbarer Nähe der Kirche gut als Zentrum für die Gemeinschaft des Dorfes vorstellen. Insofern wünscht sich Jennemann für den Goldenen Stern etwas finanziellen Spielraum, um „etwas machen“ oder auf Entwicklungen reagieren zu können.

Von Florian Lerchbacher

14.01.2021
13.01.2021