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Ostkreis Vier Ortsvorsteher werben für „Lückenschluss“
Landkreis Ostkreis Vier Ortsvorsteher werben für „Lückenschluss“
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15:03 26.08.2021
Impressionen einer möglichen Wegstrecke für einen Hatzbachtal-Radweg.
Impressionen einer möglichen Wegstrecke für einen Hatzbachtal-Radweg. Quelle: Privatfoto
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Ostkreis

Wer mit dem Fahrrad über die Landesstraße 3071 von Hatzbach nach Wolferode fährt, hat es nicht leicht. Er teilt sich die enge Fahrbahn mit Lastwagen, Pkw und landwirtschaftlichen Maschinen. Über eine Radwegeverbindung wird schon viele Jahre diskutiert. Sie war auch Wahlkampfthema vor zehn Jahren bei der Bürgermeisterwahl.

Vier Ortsvorsteher aus Hatzbach, Wolferode, Erksdorf und Ernsthausen wollen, dass sich jetzt bald etwas an der Situation verändert, dass geplant und letztlich dann auch gebaut wird. Wolfgang Dippel (Hatzbach), Manfred Dönges (Wolferode), Udo Krebs (Erksdorf) und Norbert Dönges (Ernsthausen) haben sich zusammengeschlossen. „Wir wollen, dass der Stillstand bei diesem Thema nun endet“, sagt es Manfred Dönges frei heraus. Alle sind sich sicher, dass das Thema sehr viele Menschen in ihren Orten berührt und bewegt.

„Es gibt jetzt Fördergelder für Radwege vom Land. Jetzt müssen wir planen, damit wir auch noch zum Zuge kommen und es nicht noch viel länger dauert“, ergänzt Wolfgang Dippel. Im Blick hat er dabei die Aussagen von Verkehrsminister Tarik Al-Wazir vom vergangenen Juni. Damals hatte Al-Wazir erklärt, dass kein Radweg am Geld scheitere.

Kinder und Ältere wären sicherer unterwegs

Dippel denkt wie seine drei Kollegen vor allem auch an Schüler und ältere Menschen, die mit dem Rad von Ort zu Ort fahren wollen. Die drei Ortsvorsteher sähen eine durchgängige Radwegeverbindung bis nach Ernsthausen und zurück als einen Lückenschluss an. Der „Hatzbachtal-Radweg“, so haben ihn die Ortsbeiräte gemeinschaftlich getauft, wäre eine Verbindung der Fernradwege R 2 und R 6. Nach den Vorstellungen der drei Ortsvorsteher könnte der „Hatzbachtal-Radweg“ über bestehende Wirtschaftswege verlaufen – jenseits der Landesstraße 3071. Ein Teil der vorhandenen Wege müsste ausgebaut und entsprechend hergerichtet werden. Bei einem Teilabschnitt von etwa 600 Metern müsste eine entsprechende Asphaltdecke aufgebracht werden, natürlich mit dem nötigen Untergrund. „So wie dieses Stück jetzt aussieht, wäre es für Radfahrer, insbesondere mit Rennrädern, kaum zu nutzen“, sagt Dönges.

Außerdem müsste es Grunderwerb geben. Die vier Ortsvorsteher haben mit einigen der Eigentümer schon einmal Informationsgespräche geführt und dabei bisher kein Nein gehört, wie sie der OP berichten.

Hessen Mobil arbeitet an Prioritäten

Mitte Juli gab es ein gemeinsames Schreiben an Hessen Mobil, in dem die Orte ihre Idee vorgestellt haben. Dazu erklärt Hessen-Mobil-Sprecherin Sonja Lecher, dass eine Radwegeverbindung von Erksdorf/Hatzbach bis Ernsthausen bei der gerade laufenden neuen Priorisierung von Projekten einbezogen werde (siehe auch „Prioritäten beim Radwegebau“). Zum jetzigen Zeitpunkt seien aber noch keine Aussagen über die Realisierungschancen möglich. Einen Planungsauftrag gibt es, wie auch den Ortsvorstehern bewusst ist, aktuell noch nicht. Ob eine Radwegeplanung über Wirtschaftswege zum Zuge kommen könnte, lässt Hessen Mobil derzeit auch noch offen. Eine solche Radwegeführung ist die Ausnahme. Letztlich sei dies aber stets eine Frage bei der Variantenprüfung.

Außerdem hoffen die Ortsvorsteher auf Unterstützung von Stadt und Landkreis. Letzterer hatte sich in den vergangenen Jahren massiv bei der Radwegeplanung engagiert. Bürgermeister Christian Somogyi zeigt sich ebenso wie Stadtallendorfs Erster Stadtrat Otmar Bonacker offen und angetan vom gemeindeübergreifenden Vorschlag der Ortsbeiräte. Somogyi verweist auf das große Engagement, das es derzeit bei der Radwegeplanung in den Städten gebe, wovon auch Stadtallendorf profitiere. „Wir nehmen das auf und werden dann versuchen, mit Rauschenberg zusammen Fördermittel dafür zu bekommen“, sagt Somogyi zur Idee der Ortsvorsteher, die er unterstütze. Er hoffe darauf, dass es möglich sein werde, außerhalb des schon geplanten Gesamtkonzeptes für Radwege in der Kernstadt Fördergeld zu erhalten.

„Das ist eine gute Sache, das ist kommunalpolitisch zu unterstützen“, sagt auch Bonacker. Die Stadtteile müssten bei allen jetzt laufenden Radwegeplanungen mitberücksichtigt werden.

Aktuell erörtere der Kreis mit den beiden Kommunen Möglichkeiten, um die Ortsvorsteher zu unterstützen, heißt es zu dem Thema aus der Kreisverwaltung. Der fehlende Lückenschluss wurde bereits in den Radverkehrsentwicklungsplan des Kreises aufgenommen, der das Ziel hat, alle Orte im Kreisgebiet durch Wege zu verbinden.

Dass das alles nicht in kurzer Zeit geschafft werden kann, ist auch den Ortsvorstehern klar. „Wenn wir den Weg in vier Jahren hätten, dann wäre das gut“, sagt Wolfgang Dippel.

Von Michael Rinde