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Ostkreis Munitionssuche dauert doppelt so lange
Landkreis Ostkreis Munitionssuche dauert doppelt so lange
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21:00 19.12.2021
Ein Teil der Mühlenwohra ist trockengelegt. Dort suchen Experten nach Munition aus dem Zweiten Weltkrieg.
Ein Teil der Mühlenwohra ist trockengelegt. Dort suchen Experten nach Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Kirchhain

Eine wirklich schlechte Nachricht gab es unter dem Tagesordnungspunkt „Mitteilungen“ bei der jüngsten Stadtparlamentssitzung in Kirchhain: Die Munitionssuche in einem etwa 120 Meter langen Teil der Mühlenwohra sollte ursprünglich rund 40 Arbeitstage dauern.

Doch das reicht bei Weitem nicht aus, wie Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) erläutert. „Wir werden nach jetzigem Stand geschätzt noch einmal so viele Tage brauchen“, sagte er. Also zieht sich die Suche nach der Weltkriegshinterlassenschaft wohl bis weit in das nächste Jahr hinein.

Die Kampfmittelexperten der Firma Tauber aus Süddeutschland finden weit mehr Munition als bei Beginn vermutet, und die Suche dauert länger. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist der Umstand, dass die Metalldetektoren in dem trockengelegten Teil der Wohra ständig anschlagen.

Denn: „Dort findet sich Basalt, auf den die Detektoren ansprechen“, so Hausmann gegenüber der OP. Deshalb muss streckenweise mit der Hand nach Munition und Metall gesucht werden. In der Mühlenwohra hatten sich zum Beispiel auch alte Wehrmachtshelme gefunden.

Jene Suche ist nur dank der Trockenlegung des Abschnittes der Mühlenwohra möglich. Mit riesigen Sandsäcken und zwei großen Pumpen wird das Wasser umgeleitet.

Probleme mit den Pumpen

Nur so kann die Räumfirma dort arbeiten. Aber auch dabei hat es Probleme gegeben. Denn am Wochenende vom 3. Dezember passierte das, was eigentlich ausgeschlossen sein sollte. Beide Pumpen fielen komplett aus, das Wasser suchte sich seinen Weg zurück in das Flussbett und hat möglicherweise Munition in den schon gereinigten Teil geschwemmt. So weit, so schlecht.

Jetzt müsse auch dieser Teilabschnitt noch einmal überprüft werden, bedauert Hausmann. Die Stadt ist mit der Firma im Gespräch, die für die Wasserrückhaltung verantwortlich ist. Sie hat die großen Pumpen ihrerseits bei einer anderen Fachfirma geliehen. Hausmann geht von Regressforderungen an das oder die Unternehmen aus, sollte es nicht in Gesprächen zu einer Einigung kommen.

Täglich fänden die Kampfmittelexperten eine große Kiste voller Munition, die entsorgt werden müsse, berichtet Hausmann. Auch für die Firma Tauber seien die Mengen der gefundenen Munition außergewöhnlich.

Nicht alles, was die Munitionsspezialisten finden, ist dabei transportfähig. Es gab im Umfeld der Mühlenwohra bisher sechs kleinere Sprengungen. Ansonsten werden alle Funde an anderer Stelle gesammelt und dort vernichtet.

Klar ist, dass das gesamte Sanierungsvorhaben deutlich teurer wird als erwartet. Beide Firmen haben schon Nachträge bei der Stadtverwaltung gestellt. Bisher sind die Arbeiten mit 280 000 Euro veranschlagt, es gibt noch einen kleinen Puffer bei diesem Haushaltsposten. Denn die Ausschreibungsergebnisse lagen unter den Erwartungen. Die Stadt Kirchhain muss für den Bund in Vorlage treten, das Verfahren für eine Erstattung braucht Zeit.

Wie viel die Arbeiten noch kosten werden, lässt sich nicht abschließend errechnen, noch laufen auch die Abstimmungsgespräche. Zudem ist auch das Zeitfenster für die Mühlenwohra-Trockenlegung nicht endlos groß. „Es gibt eine befristete wasserrechtliche Genehmigung“, erklärt Hausmann.

Von Michael Rinde

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