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Ostkreis Schaden geht in die Zehntausende
Landkreis Ostkreis Schaden geht in die Zehntausende
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19:58 19.11.2020
Unterwegs mit Hessen Forst im Herrenwald: Forstwirtschaftsmeister Jonas Mattheis (rechts) und Revierförster Alexander Wolf beseitigen einen zerstörten Hochsitz
Unterwegs mit Hessen Forst im Herrenwald: Forstwirtschaftsmeister Jonas Mattheis (rechts) und Revierförster Alexander Wolf beseitigen einen zerstörten Hochsitz. Quelle: Thorsten Richter
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Eine genaue Schadenssumme weiß Alexander Wolf noch nicht, aber nach einer ersten Aufnahme schätzt er, dass Hochsitze und Gatter im Wert von mehreren zehntausenden Euro zerstört wurden. „Der Verbiss durch das Wild ist da noch nicht einmal mit eingerechnet.“ Denn durch die zerstörten Wildzäune kann das Rehwild ungehindert in die Naturverjüngung und damit neu angepflanzten Wald wieder zerstören.

Für den Revierleiter aus Stadtallendorf ist es gerade eine schwere Zeit. Nicht nur, dass er 20 Hektar „seines Waldes“ verliert, nein, er muss den Bereich um die neue Trasse gerade neu strukturieren, was Rettungswege und dergleichen angeht. Und er muss das Chaos, das die A-49-Ausbaugegner bei ihren Protesten hinterlassen haben, beseitigen. „Die Umwege und Manpower fehlen natürlich an anderer Stelle. Denn eigentlich wollten wir weiter aufforsten auf den ehemaligen Fichtenflächen“, erklärt der 42-Jährige, der seit zehn Jahren das Revier betreut. Jede Stunde bekommt er an diesem Montag Bilder auf sein Smartphone geschickt. Seine Mitarbeiter sind im Herrenwald unterwegs und machen eine Aufnahme der Zerstörungen.

Jonas Mattheis zählte fast 30 zertrümmerte Hochsitze, „und ich bin noch nicht fertig“, so der Forstwirtschaftsmeister. Ein beweglicher Hochsitz, „den man nicht mal eben so einfach bewegt“, liegt kurz und klein geschlagen mitten im Wald. „Da war viel Wut mit dabei und sehr viel Kraft“, sagt der Revierförster.

Bei vier Gattern wurden ebenfalls Schäden festgestellt. Manche wurden nur geöffnet, bei anderen die Pfähle verbogen oder rausgezogen, um sie als Barrikaden zu verwenden. Gleiches passierte mit unzähligen Baumstämmen, die als Polter an den Wegrändern aufgestapelt waren. „Die liegen jetzt wie Mikado-Stäbchen auf den Wegen oder daneben. Mit einem Greifer sind sie nicht mehr aufzunehmen. Wir müssen sie wieder für den Abtransport fertigmachen“, so Alexander Wolf. Viele der Stämmen waren bereits verkauft. An anderer Stelle liegt ein kaputter Bollerwagen oder wurden die Erklär-Schilder samt Beton-Fundament aus dem Waldboden gerissen. „Die wurden mal für die Spaziergänger und Kinder aufgestellt, damit sie bei Spaziergängen mehr über den Wald erfahren können. Alles wurde zerstört“, sagt er kopfschüttelnd, während er mit dem Aufräumen beginnt.

Immer wieder findet er auch Müll wie Wasserkanister oder Plastikflaschen im Dickicht. In die Hütte des Bieneninstituts wurde eingebrochen, Verblendungen abgerissen, leere Kanister und andere Abfälle einfach hingeschmissen und liegengelassen. „Wir müssen das jetzt alles entsorgen und aufräumen“, ärgert sich Alexander Wolf und fragt sich: „Was sind das für Naturschützer?“

Rückblickend sagt Andreas Wolf, „dass wir etwas blauäugig waren. Wir sind davon ausgegangen, dass sich die Protestler im Bereich der Trasse aufhalten werden. Dass sie auch rundherum aktiv sind und solche Verwüstungen anrichten, damit haben wir nicht gerechnet. Die Polter stehen zu lassen, war aus heutiger Sicht ein Fehler. Das war ja bestes Material für die Barrikaden“, musste er feststellen.

Denn so schnell wie die Wege von der Polizei freigeräumt waren, so schnell waren sie auch wieder zugebaut. Manche Forst-Mitarbeiter haben sich geweigert weiter in den Herrenwald zu fahren, weil sie Angst um ihre Fahrzeuge und der Einkesselung hatten.

Wie lange dieses Chaos in seinem Revier noch anhält, das weiß Alexander Wolf nicht. Denn auch wenn derzeit der Dannenröder Forst der Protest-Hotspot der Ausbau-Gegner ist, so haben diese bereits weitere Proteste nach den Rodungen und mit Beginn des Autobahnbaus angekündigt.

Von Katja Peters