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Ostkreis Verwaltung kommt auf den Prüfstand
Landkreis Ostkreis Verwaltung kommt auf den Prüfstand
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14:58 10.04.2021
Holger Michel ist bei der Stadt Neustadt für die Digitalisierung zuständig – eins der großen Themen, mit denen sich die Verwaltung auseinandersetzt.
Holger Michel ist bei der Stadt Neustadt für die Digitalisierung zuständig – eins der großen Themen, mit denen sich die Verwaltung auseinandersetzt. Quelle: Archivfoto: Florian Lerchbacher
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Neustadt

Die Stadt Neustadt lässt einen „Blick von außen“ auf die Stadtverwaltung werfen: In den kommenden Monaten soll ein Büro für Kommunalberatung die Arbeit in Rathaus und Nebengebäude unter die Lupe nehmen und anschließend Vorschläge machen, wie sich unter anderem Strukturen und Prozesse optimieren lassen und was mit dem Personal ist. Derzeit gibt es in der Verwaltung 18 Vollzeit- und fünf Teilzeitstellen, außerdem sind dort zwei Auszubildende und natürlich Bürgermeister Thomas Groll tätig. Die „Zahl der Köpfe“ sei in den vergangenen Jahren zwar gewachsen, der „effektive Zuwachs“ belaufe sich aber nur auf eine Stelle, erklärt dieser. Das liege daran, dass einige junge Mütter ihre Stellen reduziert hätten.

„Wir wollen die Arbeitsweisen objektiv durchleuchten lassen“, sagt Groll und betont: „Normalerweise lautet das Motto in solchen Fällen: Kommt der Berater, gehen die Mitarbeiter – da meist schlankere Formen das Ziel sind. Darum geht es bei uns nicht. Wir wollen wirklich wissen, welche Abläufe gut sind, wo sich etwas verbessern muss, was für Änderungen sinnvoll wären.“ Die „kleine Verwaltungsmannschaft“ habe in den vergangenen Jahren viele Baustellen beackert und dabei „Großes geleistet“.

Förderanträge sind sehr aufwändig

Die Aufgaben einer Stadtverwaltung hätten sich in jüngerer Vergangenheit allerdings „eminent gewandelt“ und seien gewachsen. Bestes Beispiel sei das Onlinezugangsgesetz: Kommunen müssten immer mehr Service auch auf virtuellem Wege anbieten: „Wir streben aber nicht nur an, die entsprechenden Formulare zur Verfügung zu stellen, sondern wollen, dass ganze Vorgänge per Computer abgewickelt werden können.“

Es gibt aber auch noch andere Aufgaben, die Neustadt im Speziellen betreffen. An dieser Stelle hebt der Rathauschef die Förderkulissen aber auch das soziale Netzwerk der Stadt hervor. „Wir nutzen zahlreiche Förderprogramme – was mit einem großen Aufwand verbunden ist.“ Nicht nur das Verfassen eines entsprechenden Antrages sei bereits eine große Aufgabe, sondern auch nach dem Gewähren von Geldern stünden zahlreiche Punkte an, unter anderem müssten Zwischenberichte und Verwendungsnachweise geschrieben werden. „Wir verbauen 12 bis 13 Millionen Euro – doch das beschäftigt nicht nur Herrn Dickhaut (den Leiter des Fachbereichs Bauen, Planen, Umwelt – d. Red.), sondern zahlreiche weitere Mitarbeiter sind eingebunden. Oftmals auch aus beiden Fachbereichen.“

Manchmal würden sich die Aufgaben eben überlappen, manchmal hätten Mitarbeiter Aufgaben beispielsweise aufgrund guter Kontakte oder besonderen Detailwissens auch einfach „mitgenommen“.

Untersuchung soll bis zum Herbst abgeschlossen sein

Als weitere Besonderheit Neustadts bezeichnet Groll die sozialen Strukturen, die für eine Kommune dieser Größenordnung sehr gut – aber eben auch ungewöhnlich – seien. Außerdem gebe es Bereiche, mit denen sich Städte und Gemeinden stärker auseinandersetzen müssten: Klimaschutz und Mobilität, zählt der Bürgermeister in diesem Zusammenhang als zentrale Punkte auf: „Es ist dringend notwendig, dass wir nicht nur unsere Kommune insgesamt, sondern eben auch unsere Verwaltung fit für die Zukunft machen.“

Momentan liege die Auslastung insbesondere in „verantwortlichen Positionen“ bei 100 Prozent. „Es fallen auch Überstunden an. Wir müssen dringend prüfen, was sich wo und wie optimieren lässt und wie wir Verwaltungsstrukturen anders gestalten können, um auch die Zukunftsthemen abbilden zu können“, resümiert Groll. Die „Organisationsuntersuchung“ soll bis Herbst abgeschlossen werden, damit der Kämmerer die Möglichkeit hat, für eventuell anstehende Veränderungen die entsprechenden Mittel für das kommende Jahr in den Haushalt einzustellen.

Von Florian Lerchbacher