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Ostkreis Mistgabel-Attacke beschäftigt Justiz
Landkreis Ostkreis Mistgabel-Attacke beschäftigt Justiz
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12:53 15.02.2020
Was hat es mit der Mistgabel-Attacke in einem Dorf im Ostkreis auf sich?  Quelle: Katharina Kaufmann-Hirsch
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Marburg

Mit einem Komposthaufen hatte der Nachbarschaftsstreit zweier Männer aus dem Ostkreis im Jahr 2015 begonnen. Nun ist einer der beiden Männer angeklagt, da er den anderen mit einer Mistgabel angegriffen und versucht haben soll, ihn zu töten. Das wirft ihm zumindest die Anklage vor. Der Angeklagte soll vor fünf Jahren den Komposthaufen seines Nachbarn auf dessen Grundstück verteilt haben, da er ihn gestört hatte und der Nachbar sich weigerte, ihn zu versetzen.

Vor Gericht bekam der Angeklagte damals kein Recht. Laut Anklage ist der 68-Jährige dann im Mai 2018, nachdem er einen Brief vom Amtsgericht erhalten hatte, mit einer Mistgabel bewaffnet auf das Grundstück des Geschädigten gegangen. Dieser lag zu dem betreffenden Zeitpunkt in einem Liegestuhl im Garten.

„Ich hab‘ wieder Post vom Gericht, jetzt stech‘ ich dich ab“, habe der Angeklagte gesagt und mit der Forke in Richtung des Kopfes und Oberkörpers seines Nachbarn gestochen. Das Opfer rief zunächst seine Frau um Hilfe, die ihn aber nicht hörte, da sie im Haus schlief. Dann konnte er aber zunächst selbst die Zinken festhalten und den Angriff abwehren.

Verletzungen an mehreren Stellen

Der Liegestuhl kippte um, und als der Geschädigte am Boden lag, soll der Angeklagte erneut versucht haben, die Kontrolle über die Mistgabel zu gewinnen. Er soll darüber hinaus in Richtung der Schultern und des Rückens des am Boden Liegenden getreten haben. Das Opfer habe weiter um Hilfe geschrien, woraufhin mehrere Zeugen zum Tatort gelaufen seien. Erst als der Angeklagte gemerkt habe, dass er seinen Nachbarn nicht würde töten können, habe er von ihm abgelassen – so der Vorwurf, der nun im Raum steht.

Das Opfer erlitt Verletzungen an der linken Schulter, an Hals, Kinn, Wange und unter dem linken Auge. Der Angeklagte wurde festgenommen und saß in Untersuchungshaft (die OP berichtete). Nach einer Haftprüfung wurde der Haftbefehl ausgesetzt. Während des ersten Verhandlungstages schwieg der Angeklagte. Auch seine Frau, die zum Tatzeitpunkt im Urlaub war, machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. 

Von den Prozessbeteiligten wurden mehrere Anschauungsobjekte inspiziert, darunter das Tatwerkzeug und Gummischuhe, die der Angeklagte bei der Tat getragen haben soll. Auch wurde der Arztbrief des Geschädigten vorgelesen, aus dem hervorging, dass er von dem Angriff Schulter- und Thorax-Prellungen davon trug, bei der Untersuchung aber geh- und stehfähig und bei vollem Bewusstsein war.

"Ich werde ihn bekämpfen bis in den Tod"

Aus Unterlagen des Amtsgerichtes ergab sich zudem, dass der Angeklagte seinen Nachbarn seit mehreren Jahren verunglimpft und bedroht habe. So soll er gesagt haben: „Ich werde ihn bekämpfen bis in den Tod.“ Als erste Zeugen wurden die Polizisten vernommen, die am Tag des Geschehens zum Tatort gefahren waren. Sie beschrieben, dass die Wunden des Geschädigten beim Eintreffen der Polizei bereits ärztlich versorgt worden waren, der Angeklagte den Tatort bereits verlassen hatte und auf die Beamten ruhig und kooperativ gewirkt habe. Im weiteren Verlauf wurden die Nachbarn, die an dem Tag anwesend waren, vernommen.

Der erste Nachbar, der am Tatort eingetroffen war, erzählte, er sei durch ein Loch in der Hecke auf das Grundstück des Geschädigten gelangt. Dort sei er kurz stehengeblieben, habe zunächst nur gesehen, dass der Angeklagte im Garten stand und erst danach bemerkt, dass das Opfer auf dem Boden lag. Der Zeuge berichtete, die Mistgabel habe auf dem Boden gelegen und der Geschädigte habe „ganz leicht“ geblutet. Er habe keine Kampfhandlungen gesehen, berichtete aber, dass das Opfer sehr aufgebracht gewesen sei und gerufen habe, er solle Fotos machen und sei sein Zeuge. Das habe ihn verwundert. 

Erinnerungen haben nachgelassen

Die Nichte des Angeklagten sagte ebenfalls aus, der Angeklagte sei ruhig gewesen und er habe nach Fotos verlangt. Sie erklärte vor Gericht, er habe gewirkt, als wisse er, was er nun aus dem Vorfall machen könne. Ihrer Meinung nach hätten die Sanitäter beim Geschädigten nicht viel zu versorgen gehabt. Zudem erinnerte sie sich, der Geschädigte selbst habe die Mistgabel in der Hand gehalten, woraufhin sie diese ihm aus der Hand genommen und an die Hecke gelehnt habe. 

Mehrere Zeugen erklärten, dass sie sich an Details nicht mehr erinnern könnten, da die Tat schon länger zurück liege. Auch bezüglich des Ausmaßes der Verletzungen waren sie sich nicht sicher. Sie seien nicht genau zu beurteilen gewesen, da die Wunden von der Kleidung des Opfers bedeckt gewesen seien. Die Zeugen charakterisierten den Angeklagten als einen „eher ruhigeren Menschen“.

Ein Sachverständiger regte aufgrund der Zeugenaussagen an, die Mistgabel auf DNA-Spuren zu untersuchen. Dies war noch nicht geschehen, da es bisher unstreitig erschienen war, dass es einen Kontakt zwischen Mistgabel und dem Gesicht des Opfers gegeben hatte.

von Noa Pötter

Die Verhandlung wird am 26. und 27. Februar jeweils um 9 Uhr im Saal 101 im Landgerichtsgebäude fortgesetzt.