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Ostkreis Versuchter Mord in zwei Fällen?
Landkreis Ostkreis Versuchter Mord in zwei Fällen?
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20:59 13.04.2021
Um an die Glutnester im Dachboden zu kommen, spritzten Feuerwehrleute im September 2020 die Ziegel vom Dach eines Doppelhauses in Kirchhain.
Um an die Glutnester im Dachboden zu kommen, spritzten Feuerwehrleute im September 2020 die Ziegel vom Dach eines Doppelhauses in Kirchhain. Quelle: Götz Schaub/Archivfoto
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Kirchhain

Ein Mann muss sich seit dieser Woche vor dem Marburger Landgericht verantworten: Ihm werden versuchter Mord in zwei Fällen, gefährliche Körperverletzung und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen.

Im Mittelpunkt steht dabei ein Feuer, dass der Angeklagte im September 2020 im Kirchhainer „Dörfchen“ gelegt haben soll. Der Brand einer Doppelhaushälfte führte seinerzeit zu einem großen Feuerwehreinsatz mit mehr als 140 Kräften und in der Folge zu intensiven Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Damals hatte es unmittelbar nach dem Löschen des Feuers den Verdacht gegeben, dass es sich um Brandstiftung handeln könnte. Einen Monat später erließ die Marburger Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen einen Mann. Der Vorwurf gegen ihn wiegt schwer: Der Haftbefehl sei wegen versuchten Mordes und wegen vorsätzlicher schwerer Brandstiftung ergangen, erläutert Timo Ide, der Sprecher der Marburger Staatsanwaltschaft damals.

Feuer griff auf Nebengebäude über

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der nun Angeklagte nicht nur für das Feuer in dem Doppelhaus verantwortlich ist: Zunächst soll er in erwähntem Haus ein Sofa in Brand gesetzt haben, um das Gebäude – in dem sich noch eine Person befand – niederzubrennen. Das Feuer griff auch noch auf das Nebengebäude über.

Im Anschluss – also ebenfalls an jenem 26. September – soll der Mann auf dem Fahrradweg bei Anzefahr auch noch einem anderen Mann einen Stich in den Oberarm zugefügt haben. Anschließend sei der verletzte Mann in ein Gebäude geflüchtet – in dem der Angeklagte dann auch noch eine Wohnungstür in Brand gesetzt habe. Dieses kleine Feuer wurde allerdings gelöscht, ehe Schlimmeres passieren konnte. Auch dort befanden sich noch Personen im Haus.

Mögliches Tatmotiv noch offen

Der Täter habe billigend in Kauf genommen, dass Menschen bei den Bränden sterben könnten, sagt Ide. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft werden auch die Merkmale „Heimtücke“ und Einsatz von „gemeingefährlichen Mitteln“ erfüllt, wodurch von „versuchtem Mord“ gesprochen werden könne. In den Häusern hätten sich arg- und wehrlose Menschen befunden, die nicht mit Lebensgefahr gerechnet hätten, sagt Ide und ergänzt, dass ein Feuer als gemeingefährliches Mittel bewertbar sei.

Ob der Messerstich in den Arm eines Opfers im Anschluss an den ersten Tatvorwurf in Verbindung mit selbigem stehe, müsse im Rahmen des Verfahrens geklärt werden, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das gelte auch für das Tatmotiv, das noch offen ist.

Dem Mann wird außerdem Handel mit Betäubungsmitteln zur Last gelegt: Er soll im September 2020 (bis zum 6. Oktober) in Neustadt und Umgebung Handel mit Cannabis betrieben haben, um Geld zu verdienen. Dabei soll er mehrfach eine minderjährige Mitangeklagte beauftragt haben, für ihn Cannabis zu verkaufen, was diese auch getan habe – so heißt es in der Anklage.

24 Zeugen sind geladen

Die Verhandlung, die Richter Gernot Christ führt, ist für mehrere Tage angesetzt. Insgesamt sind 24 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Am ersten Verhandlungstag wurden, wie Landgerichtssprecher Dr. Marcus Wilhelm berichtet, der Angeklagte und vier Zeugen gehört sowie die Ergebnisse von Telefonkommunikationsüberwachung, Lichtbilder und Urkunden eingeführt. Die Verhandlung dauerte den gesamten Tag.

Der Angeklagte wies die Vorwürfe gegen ihn weder von sich, noch räumte er sie ein: Er zog es vor, zu schweigen. Die Verhandlung wird am Freitag, 23. April, um 9 Uhr in Raum 104 des Marburger Landgerichtes fortgesetzt.

Von Florian Lerchbacher