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Ostkreis A49: Mehr Platz für alte Eichen
Landkreis Ostkreis A49: Mehr Platz für alte Eichen
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19:55 06.02.2020
Am Geiersberg sind alte Eichenbestände freigelegt worden, damit sich die Bäume entwickeln und Lebensraum für Tiere wie Fledermäuse und Greifvögel geben können. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Zahlreiche alte Eichen am Geiersberg haben jetzt mehr Platz, um ihre Baumkronen zu entwickeln und so zu wachsen, wie es die Natur möchte. Sie gehören zu einem Aufwertungsprojekt, einer der vorgesehenen Ausgleiche für die Eingriffe, die durch den Weiterbau der A 49 notwendig werden.

Das Bund-Länder-Unternehmen Deges präsentierte gestern verschiedene Ausgleichsmaßnahmen in der Region, die bereits fertig oder weit fortgeschritten sind. Eines davon ist die erwähnte Aufwertung alter Eichenbestände, die Forstarbeiter freigelegt haben. Bäume, die die Eichen zu verdrängen drohten, mussten weichen. In anderen Teilen dieser insgesamt 55 Hektar großen Aufwertungsflächen wurden und werden 600 neue Eichen gepflanzt.

Profitieren sollen nicht nur die Eichenbestände. Für Greifvögel wie den Rotmilan oder verschiedene Fledermaus- und Vogelarten sollen sich die Lebensbedingungen ebenfalls deutlich verbessern. Was für ein Ausgleich an welcher Stelle erfolgt, ist bereits Teil der Planfeststellungsbeschlüsse, des rechtskräftigen Baurechts also, aus dem Jahr 2012.

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Hier finden Sie alle Artikel zum Weiterbau der A49.

Nur wenige hundert Meter entfernt auf dem Geiersberg wachsen rund 35.000 junge Bäume. Sie sind Teil der Aufforstungen. Rund 85 Hektar Bäume fallen im Herbst auf der Trasse der A 49 – jeder einzelne muss ersetzt werden. Auf den Flächen am Geiersberg wurden unter anderem Hainbuchen und Eichen gepflanzt. Auf diesen Flächen stehen einzelne Stangen. Sie dienen Greifvögeln auf Mäusejagd als Anflughilfe. Auf die Greifvögel setzen die Planer im Kampf gegen die Wühlmäuse, ein Ersatz für Gift.

Rund sechs Jahre werde es dauern, bis die jungen Bäume so groß seien, dass sie wahrnehmbar seien. Also etwa sechs Meter hoch. Das erläuterte gestern Claus Rosenstein, Umwelt-Experte bei Deges vor Medienvertretern. Rosenstein betreut Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen rund um das Autobahn-Projekt (die OP berichtete). Er machte auch deutlich, dass sich die neuen Pflanzflächen inmitten der Wasserschutzzone II befinden und in der Vergangenheit einmal Ackerflächen waren und es jetzt eine trinkwasserschonendere neue Nutzung gebe.

Bürgermeister wirbt für Weiterbau

Bevor der Medientross gestern zum Geiersberg zog, gab es eine kurze Information im Stadtallendorfer Rathaus. Bürgermeister Christian Somogyi nutzte die Chance, für den schnellen Weiterbau der Autobahn zu werben. „Nach 40 Jahren Planungen und Diskussion gibt es bei den Menschen bei uns in der Region kein Verständnis mehr dafür, dass es wieder neue Verzögerungen geben könnte“, so Somogyi. Damit spielte er auf das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht an.

Mitte Mai wird dort über eine BUND-Klage beraten. Mit dieser Klage wollen die Naturschützer über juristische Umwege versuchen, das A-49-Baurecht doch noch zu kippen. Zu den Ausgleichsmaßnahmen zählt im übrigen auch das Bekassinenloch in Amöneburg. Dort entstanden eine Flutmulde und mehrere kleine Teiche (Blänken). Am Ende sollen auf den dort entstandenen Ausgleichsflächen einmal Wasserbüffel weiden, wie mit den Behörden abgestimmt.

von Michael Rinde

Hintergrund

Etwa die Hälfe der 160 Ausgleichs- und Ergänzungs-maßnahmen sind im Gange. Nicht alle müssen zwingend vor einem Baubeginn erfolgen, einige hingegen sind unabdingbar, wie etwa die Umsiedlung von Zauneidechsen oder Kammmolchen. Den zweistelligen Millionenbetrag für die Ausgleichsmaßnahmen zahlt der Bund.