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Ostkreis Jagdpächter beklagen zerstörte Hochsitze
Landkreis Ostkreis Jagdpächter beklagen zerstörte Hochsitze
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19:58 31.07.2020
Sieben Hochsitze wurden im mittleren Teil des Dannenröder Forstes seit März zerstört. Quelle: Privatfoto
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Kirtorf

Curt-Ekkehard Freiherr Schenck zu Schweinsberg ist verzweifelt: „Wir haben doch mit der Autobahn 49 gar nichts zu tun – außer, dass sie bei uns durch den Wald führt.“ Er ist Jagdpächter im sogenannten äußeren Gerichtswald im Dannenroder Forst und hat durchaus unter der Belagerung des Waldgebietes zu leiden: Im Herbst habe er bereits eine Drückjagd absagen müssen – und auch in diesem Jahr sei es wegen der im Wald lebenden und umherlaufenden A-49-Gegner wahrscheinlich nicht möglich, das Schwarzwild zu bejagen. Ein Problem sei, dass sich so die jungen Bäume nicht vor Verbiss schützen ließen – doch eigentlich plagt ihn ein viel größeres Ärgernis.

Seit März dieses Jahres hätten Unbekannte sieben Hochsitze umgeworfen und das Material, aus dem sie bestehen, gestohlen (beziehungsweise einen Hochsitz aus Metall komplett entwendet). „Es wurden Anzeigen über Sachbeschädigungen und Diebstahl getätigt. Der Schaden beläuft sich auf 6 000 Euro“, ärgert er sich, berichtet von weiteren Diebstählen im benachbarten Jagdbezirk und äußert eine Vermutung, die sich aus Beobachtungen ergeben habe. Zum einen hätten im Wald aufgehängte Wildkameras immer wieder gezeigt, dass die A-49-Gegner aus den Baumhäusern nachts mit Taschenlampen unterwegs seien. Doch das sei nicht der Punkt: Er habe das Gespräch mit den Besetzern gesucht und dabei an zahlreichen Baumhäusern Material entdeckt, das von den Hochsitzen stamme: Die verwendete grüne Farbe sei einfach unverkennbar. Er habe sie also auch darauf angesprochen: „Aber es gibt eben die einen, mit denen man gut reden kann – und dann eben auch die anderen.“ Vor allem ärgere er sich auch, dass an einigen umgeworfenen Hochsitzen Graffiti aufgebracht wurden, die Jäger als Mörder bezeichnen.

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„Ich bestätige Ihnen das Vorliegen von mehreren Anzeigen wegen Sachbeschädigung von Hochsitzen. Tatort war dabei Kirtorf, sodass die Sachbearbeitung für dort festgestellte Straftaten die Polizei Osthessen führt“, sagt Polizeisprecher Martin Ahlich auf Anfrage dieser Zeitung. Ahlich ist zwar eigentlich in Marburg tätig, war aber vertretungsweise zum Zeitpunkt dieser Anfrage im Polizeipräsidium Mittelhessen tätig, wo alles rund um den Dannenroder Forst dieser Tage zusammenläuft. Da es sich um laufende Verfahren handele, könne er keine Angaben zum Ermittlungsstand und zum Ermittlungsvorgehen machen: „Ich versichere, dass die Polizei wie bei anderen Verfahren auch mit der gleichen Intensität ermittelt. Sollte es belastbare Hinweise auf Täter geben, wird dem nachgegangen.“

Außerdem gebe es Vernehmungen oder Anhörungen von Zeugen oder Hinweisgebern und gegebenenfalls ermittelten Tatverdächtigen „sofern die rechtlichen Voraussetzungen vorliegen“, wie er hervorhebt. Grundsätzlich ermittele die Polizei bei der Zerstörung oder Beschädigung von fremdem Eigentum wie im vorliegenden Fall wegen Sachbeschädigung. Die letztendliche rechtliche Einordnung einer Straftat obliege der Staatsanwaltschaft.

Mehrere Male versuchte diese Zeitung erfolglos, die Aktivisten im Dannenroder Forst für eine Stellungnahme zu erreichen. Letztendlich machten sie in ihrem Blog eine Aussage – garniert mit dem Hinweis, dass die „Waldbesetzung nicht aus einer homogenen Gruppe besteht, sondern ein loses Kollektiv aus Individuen mit unterschiedlichen Ansichten und Ideen ist“. Und so schrieben die Aktivisten: „Die Natur braucht Freiräume, in denen sie sich frei von menschlichem Handeln entwickeln kann, damit die ökologischen Probleme wie das Artensterben, das Waldsterben und der Klimawandel, die auch eine Bedrohung für uns als Menschen darstellen, eingedämmt werden können. Jagdsitze sind Teil einer Tötungsmaschinerie, sie zu zerstören kann ein Weg sein, um solche Freiräume zu schaffen und die Unterdrückung anderer Lebewesen zu verhindern. Zusätzlich können sie eine Quelle für Baumaterial sein, das benötigt wird, um die Autobahn zu verhindern und die Klimakatastrophe abzuwenden.“

Von Florian Lerchbacher

30.07.2020
30.07.2020