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Ostkreis Die Feldbetten bleiben stehen
Landkreis Ostkreis Die Feldbetten bleiben stehen
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14:00 28.04.2022
Feuerwehrleute bauten im Erksdorfer Bürgerhaus Feldbetten auf, falls weitere Notquartiere gebraucht werden.
Feuerwehrleute bauten im Erksdorfer Bürgerhaus Feldbetten auf, falls weitere Notquartiere gebraucht werden. Quelle: Michael Rinde
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Erksdorf

Neben jedem Feldbett steht ein Stuhl im großen Saal und im Anbau. Am Bürgerhaus Erksdorf ist ein Sanitärcontainer aus den Beständen der Stadt aufgestellt. Alles ist bereit für die Ankunft von Menschen, die vor den Folgen des brutalen russischen Angriffskrieges in der Ukraine fliehen mussten. Seit Ende März ist das so, und es wird auch noch so bleiben, wie Bürgermeister Christian Somogyi der OP auf Nachfrage erläuterte. „Ich gehe davon aus, dass wir das Bürgerhaus in Erksdorf zumindest bis Ende Mai bereithalten“, sagt er.

Die Stadt Stadtallendorf hatte sich als erste Kommune im Landkreis entschieden, Vorsorge zu treffen. Deshalb aktivierte die Stadt ihre 50 Betreuungsplätze, die sie wie alle anderen Städte und Gemeinden für Notsituationen bereithalten muss. Darunter fallen zum Beispiel die Folgen von Naturkatastrophen oder andere Unglücke, bei denen Menschen ihre Bleibe verlassen müssen, sprich evakuiert werden und nicht gleich wieder zurückkönnen. In Stadtallendorf ist das Bürgerhaus Erksdorf für diesen Fall ausgewählt worden – auch, weil es über eine entsprechende Kücheneinrichtung und Räume verfügt (die OP berichtete).

Bürgerhaus für weitere Wochen nicht nutzbar

Dass das Bürgerhaus nun weitere Wochen nicht zur Verfügung steht, ist für Erksdorfs Ortsvorsteher Udo Krebs kein Problem. Denn ein wichtiges Anliegen von drei Vereinen habe ganz kurzfristig gelöst werden können, berichtet Krebs. Die Vereine hatten bei ihm angefragt, ob sie zumindest den Saal im Anbau nutzen könnten. In Absprache mit der Stadtverwaltung habe man die Feldbettenaufstellung fotografiert und die Betten anschließend in den großen Saal geräumt. „Seit dieser Woche können die Vereine den Raum wieder für ihre Proben zum Beispiel nutzen“, sagt Krebs. Und bei Bedarf seien die Betten auch im Anbau schnell wieder aufgestellt.

Bei der Planung im März war die Stadt davon ausgegangen, dass die Flüchtlinge von Ehrenamtlichen aus Erksdorf versorgt und zum Teil auch betreut werden könnten. Inzwischen ist klar, dass das bei Bedarf tatsächlich machbar ist. Ortsvorsteher Krebs hatte die Federführung bei der Organisation übernommen.

Nutzung scheint eher unwahrscheinlich

Bei einem Treffen mit Interessierten seien 25 Helferinnen und Helfer zusammengekommen, sodass auch ein Betrieb in mehreren Schichten organisierbar wäre. Krebs freut sich riesig über die Resonanz aus dem Dorf. „Da ist eine starke Truppe zusammengekommen“, stellt er stolz fest. Es habe sich sogar ein gelernter Koch gemeldet, der jederzeit bereit wäre, bei der Essenszubereitung zu unterstützen. Schön ist für Krebs zudem, dass sich auch Erksdorfer gemeldet haben, die bisher noch gar nicht ehrenamtlich tätig gewesen sind, ein positiver Effekt für den Ort. „Wenn wir gebraucht werden, dann stehen wir bereit“, unterstreicht Krebs noch einmal.

Das freut auch Stadtallendorfs Bürgermeister. „Der Einsatz unter den Erksdorfern ist enorm“, betont er und rechtfertigt noch einmal die seinerzeitige Entscheidung, das vorsorgliche Notquartier zu schaffen. „Wir wollen vorbereitet sein, wenn es die Situation erfordert, und nicht erst anfangen, etwas zu organisieren, wenn zwei Stunden später schon die ersten Menschen bei uns ankommen“, erläutert Somogyi. Dass es so weit kommen könnte, ist aus Sicht von Vizelandrat Marian Zachow allerdings „im Moment unwahrscheinlich“, wie er erklärt. Er hebt hervor, dass es bisher dank der enormen Unterstützung der Bürger im Landkreis gelungen sei, alle ankommenden Flüchtlinge aus der Ukraine in Wohnungen oder Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen – abgesehen natürlich von den Notunterkünften der Erstaufnahme wie etwa in Marburg. Auch andere Kommunen im Kreis hatten vorsorglich Notquartiere vorbereitet. Zachow begrüßt das. „Die dort eingerichteten Notunterkünfte sind als stille Reserve wichtig, da sich die Situation durch Veränderungen im Kriegsgeschehen jederzeit und sehr schnell zuspitzen kann.“ Auch wenn Unterkünfte kurzzeitig ausfielen, sei es gut, wenn für solche Fälle Ausweichquartiere bereitstünden.

Von Michael Rinde

27.04.2022
27.04.2022