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Ostkreis UV-Strahlen desinfizieren das Wasser
Landkreis Ostkreis UV-Strahlen desinfizieren das Wasser
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19:59 12.09.2019
Das ist die UV-Pilotanlage, die im Stadtallendorfer Wasserwerk läuft, ihr folgen vier weitere. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Für den neuen großen Metallzylinder, an dessen einer Seite die Einsätze für die UV-Röhren herausragen, waren einige Umbauten im Wasserwerk nötig.

Durch jenen „Zylinder“ fließen etwa 400 Kubikmeter Trinkwasser pro Stunde. Die UV-Strahlen töten dabei Keime ab.

Seit einer Woche läuft diese Anlage im Testbetrieb im Wasserwerk Stadtallendorf. Ihre Bauweise ist so in dieser Form einmalig, sie ist genau auf diese Begebenheiten vor Ort zugeschnitten.

Test dauert vier bis sechs Wochen

„Läuft sie technisch vier bis sechs Wochen so, wie wir uns das vorstellen, planen wir die nächsten Schritte und die vier weiteren Anlagen“, erklärt Dirk Ficht beim Ortstermin. Er ist Abteilungsleiter Wasserversorgung beim Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW).

Vier weitere UV-Anlagen sind nötig, weil es insgesamt fünf „Aufbereitungsstraßen“ im Wasserwerk Stadtallendorf gibt. Dort erfolgt die Reinigung des Wassers von Schwebteilchen ebenso wie letztlich die Filterung durch Aktivkohle am Schluss – oder jetzt eben die Desinfektion durch UV-Strahlen noch zusätzlich.

Chlormenge mit Behörden abgestimmt

Die neuen Anlagen sind etwa in der Mitte des Aufbereitungsprozesses eingesetzt. „Die Strahlen brauchen klares, ungetrübtes Wasser, um ihre volle Wirkung zu entfalten“, erläutert Marcus Schäfer, der das Projekt UV-Anlagen bei dem Wasserversorger betreut. Aktuell setzt der ZMW auf eine Schutzchlorung von 0,05 Milligramm pro Liter Wasser, streng abgestimmt mit den Gesundheitsbehörden.

Das Wort Schutzchlorung verdeutlicht bereits den Sinn: Das Chlordioxid wird vorsorglich zugesetzt, um Verkeimungen zu verhindern. Die Keime könnten beispielsweise über nach Unwettern verunreinigte Brunnen in das Trinkwasser gelangen.

Mini-Chlorung bannt 
bisher die Keimgefahr

Die Schutzchlorung funktioniert. „Wir hatten seitdem keine Probleme mehr mit Verkeimungen durch Starkregen“, sagt ZMW-Geschäftsführer Karl-Heinz Schäfer gegenüber der OP. Und dennoch will der Zweckverband die Schutzchlorung auf keinen Fall zum Dauerzustand werden lassen. „Wir wollen dem Wasser nicht auf Dauer etwas zusetzen müssen“, sagt Schäfer.

Nicht zuletzt gab es auch immer wieder Rückmeldungen von Verbrauchern, die einen leichten Chlorgeruch wahrnehmen, wenn sie den Wasserhahn aufdrehen, trotz der extrem niedrigen Dosis. Auch das will der ZMW ernstnehmen.

Zahlen und Fakten

  • 23 Brunnen in Stadtallendorf, Niederklein, Lehrbach und Amöneburg speisen allein das Wasserwerk Stadtallendorf. Maximal laufen 2.000 Kubikmeter Wasser pro Stunde durch die fünf Aufbereitungsstraßen.

  • Die UV-Röhren der Desinfektionsanlagen haben eine Lebensdauer von etwa 14.000 Betriebsstunden.

  • Um die Trinkwasserreinheit zu gewährleisten, nimmt allein der ZMW jährlich etwa rund 4.300 Wasserproben.     

Dafür nimmt der Verband auch Geld in die Hand. Etwa 90.000 bis 100.000 Euro kostet allein die ­Pilotanlage im Wasserwerk Stadtallendorf.

Bevor es zum Einbau der UV-Technik kam, hatte der Verband 
eine Machbarkeitsstudie durch das DVGW-Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe anfertigen lassen.

Schließlich war nicht von Anfang an absehbar, ob UV-Technik in den beiden Wasserwerken Stadtallendorf und Wohratal überhaupt möglich sein wird.

„Am Ende“, so schätzt es ZMW-Geschäftsführer Schäfer, „wird das einen mittleren bis hohen sechsstelligen Betrag kosten“.

Stadtwerke nutzen Verfahren

Es ist bereits absehbar, dass es mindestens bis zum Herbst, eher wohl bis Ende nächsten Jahres, dauert, bis beide Wasserwerke entsprechend mit UV-Technik ausgestattet sind. „Beim kleineren Wasserwerk Wohratal wird das aufgrund der Platzverhältnisse noch etwas komplizierter“, sagt Dirk Ficht. Alle Umbauarbeiten müssen im laufenden Betrieb der Wasserwerke stattfinden, was eine weitere Herausforderung darstellt.

Mit der „Bestrahlung“ hat nicht nur der Zweckverband schon gute Erfahrungen bei Brunnenanlagen gemacht. Auch die Stadtwerke Stadtallendorf setzen unter anderem auf deren Einsatz, wie etwa beim Brunnen Schweinsberg. „UV-Strahlen verändern weder Geschmack noch Zusammensetzung des Wassers. So stellen wir uns das als Versorger vor“, sagt der ZMW-Geschäfts­führer Schäfer.

von Michael Rinde