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Ostkreis Klappern gehört zum Handwerk
Landkreis Ostkreis Klappern gehört zum Handwerk
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13:04 11.04.2020
Colin Feldmann (von links), Jannis und Lena Villmeter sowie Sandro, Achim und Celine Schmitt haben beim Klappern vor der Haustüre wenigstens die Kirche im Hintergrund. Quelle: Florian Lerchbacher
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Momberg

Für manchen gehört das Klappern redensartlich zum Handwerk, für Mombergs Messdiener ist das Klappern an Ostern der Höhepunkt des Jahres. Natürlich hat Klappern an dieser Stelle eine ganz andere Bedeutung als in der Redensart, in der es ein Synonym für Werbung ist.

Aber gleichzeitig machen die Ministranten mit dem traditionellen Klappern an Ostern ebenfalls auf sich aufmerksam – spätestens am Karsamstagnachmittag, wenn sie eigentlich mit dem Bollerwagen durchs Dorf ziehen und kleine Spenden, sei es in Form von Geld oder Süßigkeiten, einsammeln.

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Dieser Gang durch Momberg fällt in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer, nicht jedoch das Klappern an sich, wie Daniela Schmittdiel – im Pfarrgemeinderat zuständig für die Kinder- und Jugendarbeit – verrät. Die Messdiener seien sehr enttäuscht gewesen, als sie hörten, dass das Klappern auf der Kippe steht.

Um 18 Uhr klappern auch Ehemalige mit

„Es geht dabei um die Gemeinschaft – aber die ist eben in ihrer eigentlichen Form nicht möglich“, betont Schmittdiel. Entsprechend machten sich die Momberger Gedanken, wie sie die Tradition trotz der Einschränkungen retten können: „Wir wollen ein Stück weit Normalität vermitteln und den Menschen trotzdem verdeutlichen: Es ist Ostern.“

Des Rätsels Lösung: Die Messdiener sollen zuhause vor der eigenen Türe klappern. Sie wohnen schließlich über das ganze Dorf verteilt und werden entsprechend überall zu hören sein. Und spätestens, wenn sich am Karsamstag um 18 Uhr auch die ehemaligen Ministranten am Klappern beteiligen, kommt jeder Momberger aus – soweit es derzeit eben möglich ist – nächster Nähe in den Genuss der Tradition, wie Schmittdiel herausstellt: „Die Menschen können von ihren Fenstern oder den Haustüren aus zuschauen und einen Moment innehalten. Das ist wichtig – auch, um die Tradition zu erhalten.“

Klappern werden knapp

Traditionell verstummen am Gründonnerstag nach dem Abendgebet (19.30 Uhr) die Glocken – dann herrscht sozusagen Grabesruhe, außerdem wird an die glockenlose Zeit der ersten Jahrhunderte erinnert. In Momberg greifen die Messdiener dann zu ihren Klappern, die früher stets weitervererbt wurden.

Da aber heutzutage auch immer mehr „Ehemalige“ mitklappern, müssen weitaus mehr dieser Geräte hergestellt werden als früher. In anderen (katholischen) Orten werden Rasseln, Schlagbretter und andere Holzwerkzeuge genutzt. Außerdem wird vielen Kindern erzählt, dass die Glocken nach Rom fliegen und eben Ersatz her muss.

Aktion am Karfreitag fiel aus

An Karfreitag um 6 Uhr wird dann eigentlich geklappert – ein Punkt, der dieses Jahr jedoch ausfiel. Das könne man Jugendlichen ja nicht zumuten, um die Uhrzeit aufzustehen und vor die Tür zu gehen, sagt Schmittdiel mit einem Schmunzeln. Sonst hätten sich die Messdiener auf dem Kirchplatz getroffen, dort gebetet, geklappert und dann gerufen: „Ihr Christen erhebt euch zum Herrn und betet den Engel des Herrn“.

Als nächster Termin auf der Liste stand Karfreitag, 12 Uhr. Die Messdiener klapperten und riefen zum „engelischen“ Gruße, ehe um 15 Uhr (zur Sterbestunde, ohne Ruf) und 18 Uhr weitere Klappertermine anstanden. Eigentlich wird an Ostern auch in die Kirche gerufen – auch dieser Teil der Tradition fällt jedoch den derzeitigen Gegebenheiten zum Opfer.

Ersatz für Spendengang in Planung

An diesem Karsamstag um 12 und um 18 Uhr greifen die Messdiener erneut zu ihren Holzgeräten. In welcher Form die Momberger Ersatz schaffen für den ausfallenden Gang durchs Dorf, bei dem es Spenden gibt, steht noch nicht fest. „Das besprechen wir noch mit dem Pfarrer, aber ich bin mir sicher, dass wir uns etwas einfallen lassen“, sagt Schmittdiel.

Eigentlich sagen die Messdiener dann immer den Spruch auf: „Wir haben gerufen zum Heiligen Grab und bitten um eine recht recht gute Gab’.“ Selbige haben sich die Messdiener aber natürlich auch in diesen Tagen verdient – ein bisschen Normalität sollte schließlich bleiben.

Von Florian Lerchbacher

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