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Ostkreis Hilfe für die „Familienmitglieder mit Fell“
Landkreis Ostkreis Hilfe für die „Familienmitglieder mit Fell“
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08:56 13.03.2021
Hans-Jürgen Schneider mit seinem Hund „Palino“, der auch das „Werbegesicht“ der Tiertafel Stadtallendorf ist.
Hans-Jürgen Schneider mit seinem Hund „Palino“, der auch das „Werbegesicht“ der Tiertafel Stadtallendorf ist. Quelle: Andreas Schmidt
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Stadtallendorf

Es hörte sich zunächst wie eine verrückte Idee an, die der Stadtallendorfer Unternehmer und Tierfreund Hans-Jürgen Schneider hat. „Ich saß Anfang des Jahres mit meiner Frau zusammen, die eine Frauenzeitschrift las“, erinnert er sich.

Dort habe er gelesen, dass in der Corona-Zeit gerade ältere Menschen vereinsamen und somit Tiere ein guter Begleiter wären. „Doch was ist, wenn die sich das Futter letztlich nicht leisten können?“, fragt Schneider. „Also war klar: Wir brauchen eine Tiertafel“, sagt der Unternehmer – und nun, kein Vierteljahr später, wird die „Tiertafel Stadtallendorf“ Realität.

„Die Unterlagen zum Eintragen des Vereins liegen beim Amtsgericht“, sagt Schneider im Gespräch mit der OP – im April soll es die erste Ausgabe von Futter für die Tiere von Bedürftigen geben. Und sein Unternehmen Elektroplan Schneider hat die Schirmherrschaft für die Tiertafel übernommen.

Doch warum braucht es eine Tiertafel? „Haustiere sind auch und gerade für ältere Menschen, die alleine leben, der Mittelpunkt. Sie gehören doch zur Familie“, sagt Hans-Jürgen Schneider. Ob Rentner, Hartz-IV- oder Sozialhilfe-Empfänger, Obdachlose oder Bedürftige: „Wenn das Geld knapp ist, können die Menschen zur Tafel gehen. Aber die Tiere dürfen dabei nicht auf der Strecke bleiben“, sagt Schneider – auch sie müssten gut versorgt werden.

Unternehmen und Tierheim als Paten

Also lag es für ihn auf der Hand, die Tiertafel zu gründen. Um zu helfen, „wenn das Geld nicht ausreicht. Gerade jetzt, wenn ohnehin alle wegen der Kontaktverbote einsam sind, sind Haustiere extrem wichtig.“ Die Tiere seien eine wichtige emotionale Stütze, „ein Tier ist ein Herz auf vier Pfoten“, steht für ihn fest.

Der umtriebige Unternehmer rührte in den vergangenen Wochen bei Bekannten die Werbetrommel für seine Idee – und fand in Windeseile Mitstreiter. Unter anderem Jan Hendrik Balzer als zweiten Vorsitzenden des Vereins – er ist Vorstandsmitglied der Alphazoo AG in Dortmund. Und die hat sich unter anderem dem Vertrieb von hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln für Tiere verschrieben. Das Unternehmen wurde gleichzeitig Pate, so, wie auch das Tierheim Marburg.

Eine Ausgabestelle hat Hans-Jürgen Schneider bereits vorbereitet: In der Donaustraße hat Schneider mit seinem Unternehmen Elektroplan Schneider ohnehin sein Kompetenzcenter. Dort hat er einen Teil abgetrennt und freigeräumt, wo ab April immer donnerstags von 15 bis 17 Uhr die Ausgabe von Tierfutter stattfinden soll.

Anregung: kostenloser Bus für Bedürftige

Doch wie sollen die Kunden in die – doch relativ weit außerhalb der Stadtmitte liegende – Donaustraße kommen? Denn häufig hätten sie ja kein Auto. Auch darüber hat sich Hans-Jürgen Schneider Gedanken gemacht und einen Brief an Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) geschrieben – mit dem Wunsch, dass die Bedürftigen kostenlos mit dem Bus fahren können. „Im vorderen Bereich der Donaustraße gibt es nämlich eine Bushaltestelle und von dort ist es nicht mehr weit zur Ausgabe."

Und die Stadt könnte, so Schneiders Wunsch, ja bei den Bedürftigen vielleicht auch auf die Hundesteuer verzichten sowie eine Patenschaft übernehmen. Zudem wirbt Schneider auch bei Geschäftsleuten, die Tierfutter im Programm haben, ebenso um Unterstützung wie bei den heimischen Banken.

Schneider verdeutlicht, dass die Kunden der Tiertafel einige Bedingungen erfüllen müssen: Für die Aufnahme in die Kundenkartei „müssen sie einen Nachweis der Bedürftigkeit erbringen, um Missbrauch zu vermeiden“, sagt Schneider. Dies könne etwa in Form eines Hartz-IV-Bescheids, eines Rentenbescheids oder über den Nachweis etwa von Grundsicherung und Aufstockung oder Ähnlichem geschehen.

Unterstützung hat klare Regeln

Ausgenommen von der Regelung seien wohnsitzlose Tierbesitzer – bei ihnen genüge der Personalausweis. Außerdem müssen die Kunden nachweisen, dass sie ein Tier besitzen. Entsprechend müsse ein Hund zum ersten Ausgabetermin mitgebracht werden, bei anderen Tierarten reiche ein Foto als Nachweis. Und: Die Tiertafel unterstütze grundsätzlich keine Welpen, Kitten oder neu angeschaffte Tiere – und keine Kunden, die sich noch zusätzliche weitere Tiere anschaffen. Zudem sei die Unterstützung auf maximal drei Tiere je Haushalt beschränkt.

Nun sucht Hans-Jürgen Schneider noch nach weiteren Mitstreitern. „Weitere Mitglieder, Sponsoren und Paten sind herzlich willkommen“, sagt er. Denn der Verein finanziere sich durch Spenden. Und die nicht nur in Form von Futter, sondern vor allem auch monetär, „damit wir das jeweils benötigte Futter kaufen können“.

Und: Schneider will auch noch die Tierärzte anschreiben, um beispielsweise kostenlose Behandlungen oder Untersuchungen für die Tiere zu ermöglichen. Es sei noch einiges zu tun, „aber die Mühe ist es wert – um den Tieren zu helfen“.

Die Ausgabestelle der Tiertafel Stadtallendorf findet sich künftig in der Donaustraße 15-22. Infos gibt es per E-Mail an info@tiertafelstadtallendorf.de , im Internet unter www.tiertafel-stadtallendorf.de , oder telefonisch unter der Telefonnummer 06428/930140.

Von Andreas Schmidt