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Ostkreis Peta reagiert auf Jagdunfall in Wohratal und fordert Verbot der Hobbyjagd
Landkreis Ostkreis Peta reagiert auf Jagdunfall in Wohratal und fordert Verbot der Hobbyjagd
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18:00 21.04.2022
Ein Jäger geht bei Sonnenuntergang mit seinem Hund auf die Jagd. (Archivfoto)
Ein Jäger geht bei Sonnenuntergang mit seinem Hund auf die Jagd. (Archivfoto) Quelle: Patrick Pleul
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Wohratal

In der Nacht zum Sonntag (10. April) hat ein Jäger ein Pferd in Wohratal erschossen. Der Mann habe nachts Wildschweine jagen wollen. Dabei habe er vermutlich das zwölf Jahre alte Pferd, welches rund 120 Meter entfernt auf einer Wiese stand, mit einem Wildschwein verwechselt. Das Tier starb an den Verletzungen. Die Ermittlungen zu dem Vorfall dauern noch an.

Die Tierschutzorganisation Peta weist darauf hin, dass jedes Jahr hunderttausenden Tieren erhebliches Leid oder Tod durch Fehlschüsse zugefügt wird und Hobbyjagende mehrere Dutzend Menschen töten und verletzen. Die Tierrechtsorganisation fordert einen sofortigen Jagdschein-Entzug, wie auch ein Verbot der Hobbyjagd.

Jagdunfälle

Im Dezember des vergangenen Jahres verletzte sich ein Jäger selbst lebensbedrohlich: Als er Hunde zurückhalten wollte, löste sich ein Schuss aus seiner Waffe und traf ihn in den Bauch. Ebenfalls im Dezember erschoss ein Jäger eine 13 Monate alte Hündin, als er sie mit einem Wildtier verwechselte. Im September wurde ein 36-jähriger Mann bei einer Treibjagd im Landkreis Augsburg angeschossen. Der Getroffene musste mit einem Hubschrauber ins Uniklinikum Augsburg geflogen werden. Im selben Monat verwechselte ein Jäger in einem Wald in Chapella im Oberengadin (Kanton Graubünden) ein Islandpferd mit einem Rehbock. Der Jäger habe gesehen, wie ein Rehbock vor ihm im Wald verschwand, woraufhin er auf ein Tier abseits des Waldweges schoss. Getroffen wurde das Islandpferd. Im März letzten Jahres hatten zwei Jäger und eine Jägerin im Landkreis Tirschenreuth einen Unfall: Als sie ihr Fahrzeug auf dem Wanderparkplatz abstellten, löste sich ein Schuss aus dem Gewehr einer der Männer. Die Kugel durchschlug dessen linken Oberarm, eine Hundebox sowie das Fahrzeugdach. Die Frau wurde von den Splittern der durchgeschossenen Gegenstände verletzt. 

„Wie viele Lebewesen müssen noch verletzt oder getötet werden, bevor die Hobbyjagd endlich verboten wird?“, so Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei Peta. „Jahr für Jahr ereignen sich zahlreiche Tragödien, weil schießwütige Spaßjäger verantwortungslos in der Gegend herumballern. Das Mindeste wäre ein sofortiger Entzug des Jagdscheins. Ein Verbot der Hobbyjagd ist in Deutschland längst überfällig.“

Anerkannte Studien belegen, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. So müssen dem renommierten Biologen Professor Dr. Josef Reichholf zufolge Wölfe nicht durch menschliche Jägerinnen und Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet. Auch englische Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass sich beispielsweise Fuchspopulationen aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit und sozialen Faktoren von selbst regulieren. Die Jagd hingegen zerstört die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. Verluste in der Population werden somit rasch durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert. Die Jagd ist unnötig, kontraproduktiv und grausam.

Es gibt mehr als 400.000 Jäger in Deutschland

Den über 400 .000 Hobbyjagenden in Deutschland stehen nur etwa 1 000 Berufsjägerinnen und -jäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber. Dabei belegen wissenschaftliche Studien, dass die Jagd nicht geeignet ist, Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wölfe und andere Beutegreifer müssen nicht durch menschliche Jagd ersetzt werden, da sich im Wald wohnende Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten regulieren.

Petas Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.