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Ostkreis Tessa Schönfeld schneidet einfach spitze
Landkreis Ostkreis Tessa Schönfeld schneidet einfach spitze
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08:57 12.10.2019
Tessa Schönfeld im Salon ihrer Mutter Iris Greiner-Schönfeld bei der Arbeit: Die 21-Jährige schneidet Tábata Kellotat Vera die Haare. Quelle: Andreas Schmidt
Kirchhain

Schon während der Freisprechungsfeier im Februar, als Tessa Schönfeld ihren Gesellenbrief erhielt, verbreitete sich die Nachricht rasend schnell: Die junge Frau hatte ihre Ausbildung um die Hälfte auf eineinhalb Jahre verkürzt – und wurde noch dazu als Innungsbeste ausgezeichnet. Damit nicht genug: „Direkt nach der Ausbildung war ich gerade im Flow und die Meisterkurse gingen los. Also habe ich die Ausbildung direkt angehängt“, erzählt die 21-Jährige. Mit dem Resultat, dass sie Ende August auch ihren Meisterbrief in Händen hielt.

Zwischendurch kam dann die Einladung zur Leistungsprüfung im hessischen Friseurhandwerk. „Ich war im Urlaub, kam am Sonntag vor dem Wettbewerb zurück und hatte nur eine Woche Zeit, mich vorzubereiten“, sagt die Jung-Meisterin. Doch sie bezeichnet sich selbst als „ehrgeizig und perfektionistisch, halbe Sachen gibt’s nicht“ – sie übte eine Woche lang neben dem Job, trat in Frankfurt an.

„Ich bin da ganz locker rangegangen“, sagt sie – und als nach und nach die Plätze aufgerufen wurden und ihr Name nicht dabei war, „habe ich meine Mama gefragt, ob die mich vergessen haben“. Doch ihr ­Name wurde als letzter aufgerufen – so ist das, wenn man den ersten Platz belegt. „Da war ich baff“, sagt Tessa Schönfeld.

Woher kommt die Leidenschaft für den Job – ist es genetische Veranlagung? Denn nicht nur Mutter Iris Greiner-Schönfeld ist Friseurin – auch zwei ­Onkel und eine Tante von Hessens bester Friseurin arbeiten im Kirchhainer Salon.

„Das weiß ich nicht“, sagt sie lachend. Doch habe sie sich nach ihrem Abitur 2017 dazu entschieden, „bei meiner Mama im Betrieb die Ausbildung zu machen. Denn die Arbeit an und mit Menschen macht einfach wahnsinnig Spaß – jeder Tag geht schnell rum, es wird viel gelacht.“ Zuvor ­hatte die junge Frau verschiedene Praktika absolviert – auch in der Kieferorthopädie. „Interessant – aber da haben mir Mode und Kreativität gefehlt.“ Ihr sei es wichtig, sich auszudrücken – „nicht nur mit Worten, sondern auch meinen Händen“.

Tessa Schönfeld hält ein leidenschaftliches Plädoyer für den Friseurberuf. Auch das erklärt, warum ihr Ausbildung und Meisterkurs mit jeder Menge Arbeit dennoch recht leicht gefallen sind. Ist ihr das und der Hessentitel zu Kopf gestiegen? „Überhaupt nicht. Denn auch, wenn ich jetzt Meisterin bin, weiß ich doch, dass mir viele Kollegen jede Menge Erfahrung voraus haben. Von ihnen will ich gerne lernen“, sagt Schönfeld.

„Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet“, sagt sie in einem kleinen Image-Video, bedient sich dabei eines Zitats des Informatikers Alan Kay. „Das ist schon ein sehr gutes Motto“, findet Tessa – die ihre Zukunft zunächst im Ausland sieht, „um dort neue Schnitte und Stile zu lernen“. Danach könnte sie sich nicht nur die Arbeit im Salon ihrer Familie, sondern auch für die Industrie vorstellen. Fest steht: „Ich will mein Wissen auf jeden Fall weitergeben. Denn wir haben den schönsten Beruf der Welt.“

Was erhofft sich die Kirchhainerin vom Bundesentscheid am 10. November in Erfurt? „Das wird schwer – ich werde auch da alles geben“, verspricht sie. Und ihre Mutter? „Ich bin extrem stolz – und ich bedauere es, dass ich beim Bundesentscheid nicht dabei sein kann“, sagt Iris Greiner-Schönfeld. Denn schon vor langer Zeit hat ihr Mann eine Fernreise gebucht – „aber ich fiebere aus der Ferne mit“, verspricht sie. Auch, wenn sich die Tochter irgendwann gegen den Salon entscheiden sollte: „Ich stehe auf jeden Fall hinter jeder Entscheidung.“

von Andreas Schmidt