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Ostkreis Igor Levit gibt ein Waldkonzert
Landkreis Ostkreis Igor Levit gibt ein Waldkonzert
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18:21 04.12.2020
Quelle: Hendrik Schmidt
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Ein Konzert im Wald

Pianist Igor Levit kommt gegen 9.30 Uhr im Dannenröder Forst an. Dort wartet schon ein Klavier auf ihn, zwischen Bäumen, unter einer schwarzen Plane. Levit setzt aus dem Wald einen Tweet ab. "Dieser Wald ist Symbolbild für so vieles, das sich ändern muss. Eine traurige Freude heute hier zu spielen", schreibt Levit.  Und dann spielt er den Song "Danny Boy", ein altes irisches Volkslied. Einen Stream davon findet Ihr auf dem Twitterkanal von Greenpeace.

Foto: Michael Rinde

Levit sagte, dass er mit dem Song auch den Aktivisten danken wolle. «Ihr habt eine Situation nicht nur wach gehalten, Ihr habt sie mit neuem Leben gefüllt.» Levits Spiel wurde per Lautsprecher zu den letzten verbliebenen Baumhäusern übertragen. 

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Foto: Boris Roessler

Das Aktionsbündnis «Keine A49» hatte im Vorfeld bekannt gegeben, dass Levit mit einem Konzert im Wald ein musikalisches Statement gegen die Abholzung der Bäume im Dannenröder Forst setzen wolle. Zusammen mit Klimaaktivistin Luisa Neubauer sowie Greenpeace-Waldexpertin Gesche Jürgens wolle er sich für den Schutz des Waldes aussprechen. 

Luisa Neubauer. Foto: Boris Roessler

Der Stand der Rodung

Die Rodungen im Dannenröder Forst für den Weiterbau der Autobahn 49 stehen unterdessen kurz vor dem Abschluss. Sie laufen seit dem 10. November, begleitet von Protesten von Umwelt- und Klimaschützern. Diese hatten das Waldgebiet vor über einem Jahr besetzt und zahlreiche Baumhäuser und Barrikaden errichtet, die in den vergangenen Wochen von der Polizei schrittweise geräumt wurden. Seit den frühen Morgenstunden sind auch heute wieder zahlreiche Polizisten im Dannenröder Wald im Einsatz, um das letzte, noch zu rodende Waldstück zu räumen.

Foto: Michael Rinde

Waldbesetzer versuchen, das zu verhindern. 

Foto: Boris Roessler

 "Die verbliebenen Strukturen und Gebilde befinden sich teilweise in großer Höhe. Unsere Einsatzkräfte gehen konzentriert und besonnen vor, um alle Menschen sicher zurück zum Boden zu bringen", teilt die Polizei mit.

Foto: Boris Roessler

Viel ist am Freitagmittag nicht mehr vom Baumhausdorf "Oben" übrig. Wie die Polizei mitteilt, werden an diesem Wochenende die Fällarbeiten ruhen. 

Foto: Michael Rinde

von Michael Rinde, Friederike Heitz und unserer Agentur dpa

Unseren ausführlichen Bericht über das Konzert und das Fortschreiten der Räumung und Rodung des Waldstücks lest Ihr am Samstag (5. Dezember) in der gedruckten OP. 

Rückblick auf Tag 24

Am Donnerstag (3. Dezember) trennen nur noch 100 Meter die nördliche von der südlichen Rodungskante auf der A-49-Trasse. Das Baumhausdorf namens „Oben“ ist das letzte, was von der Polizei geräumt werden muss. Die Verzweiflung bei den verbleibenden Ausbaugegnern ist  dementsprechend hoch. „Hier wird unsere Lebensgrundlage zerstört, der Ort, an dem wir gelebt und so viel gelernt haben, wo wir so viel Gemeinschaft auch mit den Bürger:innen aus der Umgebung erlebt haben“, sagte Aktivisten-Sprecherin Maja. Unseren Rückblick auf Tag 24 findet ihr hier (erst einloggen, dann weiterlesen). Ihr könnt Euch natürlich auch unsere Video-Zusammenfassung anschauen: