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Ostkreis Hilfen beim Lernen und im Alltag
Landkreis Ostkreis Hilfen beim Lernen und im Alltag
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12:00 07.12.2021
Das Bild zeigt den Gesamtvorstand des Syrischen Kulturvereins.
Das Bild zeigt den Gesamtvorstand des Syrischen Kulturvereins. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Seit etwa sechs Monaten ist Stadtallendorf, eigentlich die gesamte Region, um einen neuen Verein reicher, den Syrischen Kulturverein. Er ist als gemeinnützig anerkannt und hat inzwischen auch eigene Räume, ein kleines Ladengeschäft in der Stadtmitte von Stadtallendorf. Seit Anfang November nutzt der Verein diese Möglichkeit. „Wichtig war für uns, dass wir schnell einen Treffpunkt bekommen“, sagt Aladin Almakava, der Vorsitzende des Vereins. Er ist einer der Gründer des Vereins.

Wer nach einem zentralen Vereinsziel fragt, der kommt sofort zum Wort „Unterstützung“. Die Nachfrage habe alle, die sich seinerzeit zur Vereinsgründung entschlossen hätten, selbst überrascht, sagt der jetzige Schriftführer Mohammed Alhassoud. Es sei eine Gruppe von etwa zehn Personen gewesen, alle hätten ihre Wurzeln in Arabien, die meisten eben in Syrien.

Im Moment gibt es keine öffentlichen Veranstaltungen, was der Corona-Pandemie geschuldet ist. Doch die sollen im Sommer nächsten Jahres folgen, sobald es wieder möglich ist. Zu tun hat der Vereinsvorstand dennoch genug. Ein großes Thema ist der Sprachunterricht für die Kinder, die in den vergangenen Jahren in Deutschland geboren wurden oder als Flüchtlinge ins Land kamen. Der Verein möchte dazu beitragen, dass sie natürlich die deutsche Sprache und Kultur kennenlernen. Er möchte aber auch, dass sie die Chance bekommen, ihre eigentliche Muttersprache Arabisch zu erlernen. Nach diesen Kursangeboten gibt es eine große Nachfrage, wie Almakava der OP berichtet. Er spricht sehr gut Deutsch und auch Arabisch. Und er ist einer der Arabischlehrer im Verein. Meist wird samstags in Kleingruppen unterrichtet, stets mit Blick auf den Schutz vor dem Coronavirus. Doch schon jetzt gibt es mehr als 60 Kinder, die von ihren Eltern angemeldet wurden. „Wir brauchen zusätzlichen Raum“, sagt der Vereinsvorsitzende und hofft auf Hilfe, vielleicht von der Stadt oder dem Landkreis Marburg-Biedenkopf. Gespräche sind bereits geplant.

Ein Frauentreff ist entstanden

Außerdem gibt es immer dienstags zu festen Zeiten einen Treff für arabische Frauen. Dem Verein ist es wichtig, ihnen einen Anlaufpunkt zu bieten. „Sie kochen zum Beispiel zusammen, trinken Kaffee gemeinsam“, sagt Alhassoud. Es gebe einige arabische Frauen, die sich wegen Sprachbarrieren nicht aus dem Haus trauten. Daran möchte der noch junge Verein auch etwas verändern. Der Vorstand sucht nach möglichen Lehrern für weitere Deutsch-Kurse, auch da sieht der Verein zusätzlichen Bedarf.

Beim Gespräch mit der OP „sprühen“ die verschiedenen Vorstandsmitglieder vor Ideen, was sie alles gerne anstoßen möchten. Aber sie erkennen auch ihre Grenzen. Eine davon ist zunächst natürlich auch das Geld. Der Verein finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. In der Startphase sind die Mittel natürlich begrenzt. Ein weiteres Hemmnis ist die Pandemie. Inzwischen hat der Syrische Kulturverein Stadtallendorf bereits über 100 Mitglieder. Es werden ständig mehr. Inzwischen gibt es auch Zulauf aus Marburg und dem weiteren Ostkreis, etwa aus Kirchhain und Neustadt. Alhassoud schätzt, dass etwa 500 erwachsene Syrer in der Region leben.

Noch ein Punkt ist für den Verein wichtig: Er möchte Mitgliedern Hilfen im Alltag anbieten, etwa beim Umgang mit Formularen und Behördengängen. Da gebe es auch noch einigen Bedarf, berichtet der Vorstand. Die Vorstandsmitglieder sprechen allesamt sehr gut Deutsch, leben und arbeiten zum Teil schon mehrere Jahre in Deutschland.

Die Tür zum kleinen Ladengeschäft öffnet sich während des Gespräches. Eine deutsche Nachbarin schaut herein und wird freudig begrüßt. Sie findet es toll, dass sich ein solcher Verein gegründet hat. „Das muss man unbedingt unterstützen“, ist sie erfreut.

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Der Verein hat auch eine eigene Homepage, die sich aber noch im Aufbau befindet: www.der-syrische-kulturverein.de

Von Michael Rinde

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