Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Ein Baum im Gleis stoppt letzten ICE
Landkreis Ostkreis Ein Baum im Gleis stoppt letzten ICE
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:51 16.12.2019
Diese Reisende wartete vergeblich auf ihren ICE, auf dem Bahnsteig gab es Hinweise. Quelle: Mchael Rinde
Stadtallendorf

Etwas hilflos schaute eine Reisende am Samstagabend auf ihr Mobiltelefon. Über ihr teilt die Bahn mit, dass der ICE 1572 Richtung Kassel-Wilhelmshöhe ausfällt. „Ich muss jetzt meine Reise komplett neu planen“, sagte die junge Frau nur – und verließ erst einmal den Stadtallendorfer Bahnhof.

ICE 1572 nach Kassel hätte eigentlich der letzte Fernzug sein sollen, der Stadtallendorf vor dem Fahrplanwechsel anfährt. Wie diese Zeitung mehrfach berichtete, hat Stadtallendorf seinen ICE-Halt verloren. Die Bahn begründet das mit fehlendem Kundeninteresse, Berufspendler beklagten in den vergangenen Tagen allerdings auch massive Zugausfälle während der Probezeit des ICE-Haltes – allein schon durch Baustellen auf der Main-Weser-Bahn in der jüngeren Vergangenheit.

Am Samstagabend war ein durch eine Sturmböe umgelegter Baum, der ins Gleisbett fiel, Schuld an einigen Zugausfällen auf der Strecke. Der Baum fiel gegen 19 Uhr zwischen Marburg und Marburg-Süd auf die Gleise und beschädigte dabei auch noch leicht die Oberleitung. Dies erläuterte ein Bahnsprecher auf Nachfrage der OP.

Umleitung über Hanau

Das alles hatte weitreichende Folgen. Bis etwa 21 Uhr war die Main-Weser-Bahn in Mittelhessen komplett gesperrt. Es gab stellenweise einen Schienenersatzverkehr. „Bis der anlaufen konnte, hat es natürlich auch ein wenig gedauert“, so der Bahnsprecher. Ein Spezialfahrzeug der Bahn musste den Schaden an der Oberleitung flicken.

Die beiden ICE 1572 und 1675 von Karlsruhe nach Kassel wurden über Hanau umgeleitet und hatten zwischen 30 und 50 Minuten Verspätung, einige Nahverkehrszüge fielen ganz aus. Ab zirka 21 Uhr stand der Bahn zumindest wieder ein Gleis zur Verfügung. Bis alle Schäden behoben und auch das zweite Gleis wieder freigegeben waren dauerte es dann bis 1.40 Uhr.

Zehn steigen in Stadtallendorf zu

Drei Jahre hatte Stadtallendorf nun einen ICE-Halt, die Bahn hatte die ursprüngliche Probezeit von zwei Jahren noch einmal um ein Jahr verlängert. Nach Bahnangaben stiegen durchschnittlich unter zehn Zugreisende in die in Stadtallendorf haltenden ICE.

Pendler beklagen allerdings wie erwähnt die häufigen Ausfälle, die zu einer mangelnden Akzeptanz beigetragen hätten. Auch die Stadt hatte auf das Problem Zugausfälle immer wieder hingewiesen. Für die Einrichtung des ICE-Haltes hatte es im Vorfeld ein starkes Bündnis aus Kommunen, Politik, Wirtschaft und Bundeswehr gegeben.

von Michael Rinde