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Ostkreis In Mengsberg nach den Sternen greifen
Landkreis Ostkreis In Mengsberg nach den Sternen greifen
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10:58 04.07.2021
Jonathan Stubinitzky ist neuer Pfarrer der Elisabethgemeinde und somit zuständig für Mengsberg.
Jonathan Stubinitzky ist neuer Pfarrer der Elisabethgemeinde und somit zuständig für Mengsberg. Quelle: Florian Lerchbacher
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Mengsberg

„Ich wollte in eine Gegend, die etwas Vertrautes hat“, erinnert sich Jonathan Stubinitzky. Sein Wunsch ging in Erfüllung: Der 33-Jährige, der Vorfahren in der Schwalm hat, wurde jüngst in seine erste Stelle eingeführt. Er ist nun Pfarrer der Evangelischen Elisabeth-Kirchengemeinde und somit zuständig für die Gläubigen in Mengsberg, Wiera und Florshain.

Aufgewachsen bei Hünfeld ging er im Jahr 2006 nach seinem Abitur nach Marburg, um dort evangelische Theologie zu studieren. Nach vier Jahren wechselte er von einer Studentenstadt in die nächste und machte im Jahr 2014 dann seinen Abschluss mit dem kirchlichen Examen.

Stubinitzkys Wunsch: „präsenter“ sein

Von 2014 bis 2017 folgte sein Vikariat in Bad Sooden-Allendorf und Kassel, danach war er in Tann in der Rhön tätig – eine Gegend, die ihm „sowohl landschaftlich als auch menschlich“ zusagte, von der es ihn aber wieder mehr dorthin zog, wo er „präsenter“ sein konnte.

Stubinitzkys Wahl fiel auf die Elisabeth-Gemeinde, die diesem Anspruch trotz der sie durchziehenden Landkreisgrenze gerecht wird. Als „Grenzgänger“ kenne er sich aus, wirft der Pfarrer ein, schließlich sei er zum Beispiel zwischen Hersfelder und Schlitzer Land und dem Landkreis Fulda aufgewachsen und lebte zuletzt an der Grenze zwischen drei Landeskirchen und zwei Konfessionen – mit guten Kontakten in alle Richtungen.

 Neuer Alltag nach corona

Die Mengsberger habe er sogleich als offene, herzliche, nette und dankbare Menschen kennengelernt. Zur Bewerbung gehörten ein Gespräch mit dem Kirchenvorstand und das Halten eines Gottesdienstes, erinnert er sich. Damals sei ihm gleich klar geworden: „Das passt.“

Ein primäres Ziel sei, die Gemeinde in eine „neue Normalität“ nach Corona zu begleiten: „Ich möchte die Herausforderungen der sich verändernden Gesellschaft anpacken“, erklärt er und berichtet, „von Herzen gerne“ Gottesdienste zu halten.

Eine andere Sichtweise

Schon während des Studiums habe er parallel und ehrenamtlich in Kleingruppen Gottesdienste vorbereitet und dann vereinzelt auch Predigten gehalten. „So konnte ich Theorie und Praxis zusammenführen, habe viele Erfahrungen gesammelt und auch das Gemeindeleben bereits erlebt.“

Außerdem genieße er es, zu unterrichten: „Gemeinsam mit jungen Menschen ein Thema zu erschließen – das gefällt mir“, sagt er und fügt hinzu: „Wir lernen voneinander. Ich lerne andere Sichtweisen kennen und biete meine an. Ich bin froh, wenn die Gläubigen ihre Gedanken einbringen.“ Des Weiteren seien ihm die „Kasualien“ sehr wichtig, also das Begleiten der Menschen in Freud und Leid.

Von Chemie zu Theologie

Eigentlich hatte Stubinitzky einst einen naturwissenschaftlichen Weg eingeschlagen und sich aufgrund seiner Interessen für Chemie eingeschrieben. „Ich wollte aber etwas Mehrdimensionales machen. Etwas, wo ich mit Menschen arbeiten kann“, erinnert er sich und betont, diesen Wechsel nie bereut zu haben.

Und doch haben ihn die Natur und deren Phänomene nie losgelassen: Der Pfarrer ist Mitglied der Vereinigung der Sternfreunde und interessiert sich für Astronomie: „Schon als Junge faszinierte mich der Sternenhimmel. Mit neun Jahren fing ich an, Fachbücher zu lesen.“

Vorfahren aus der „neuen Heimat“

Außerdem nennt er „Orts- und Familiengeschichte“ sein Hobby. Da wundert es nicht, dass er im Zuge seiner Recherchen herausfand, dass Vorfahren bereits während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) in der Region lebten, die er nun seine neue Heimat nennt.

Stubinitzky ist Mitglied der Gesellschaft für Familienkunde. In diesem Zusammenhang erklärt er, dass es wichtig sei, nicht nur über die Gegenwart, sondern auch über das Zeitgeschehen Bescheid zu wissen: „Es hilft zu verstehen, warum die Welt beziehungsweise die Gesellschaft so ist, wie sie ist. Die Analyse der Familiengeschichte lässt das dann ganz konkret werden.“

Von Florian Lerchbacher