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Ostkreis Stolz auf Stadt und Dorf
Landkreis Ostkreis Stolz auf Stadt und Dorf
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10:58 21.02.2021
Peter Emmerich hilft noch heute in der Landwirtschaft der Familie aus.
Peter Emmerich hilft noch heute in der Landwirtschaft der Familie aus. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Vor 40 Jahren wählten die Kirchhainer Peter Emmerich zum ersten Mal in die Stadtverordnetenversammlung. „Jetzt ist Zeit für die nächsten Generationen“, sagt der 72-Jährige, der zumindest für den Ortsbeirat Burgholz, dem er von 2006 bis jetzt angehörte, familieninterne Nachfolger gefunden hat: Der Schwiegersohn Dirk Happel sitzt bereits im Ortsbeirat, nun bewerben sich auch Enkel Patrick Happel und dessen Lebensgefährtin um einen Platz.

Seit 45 Jahren ist Peter Emmerich Mitglied der CDU. Eine wirkliche Wahl, welche Partei er unterstützen möchte, hatte er eigentlich nicht: Onkel und Cousin seien ebenfalls in der CDU, noch dazu wuchs er in einem katholischen Dorf auf – und so war schon früh klar, in welche Richtung es geht. Was auch für den Rest der Familie gilt. Sohnemann Michael fungiert in Rauschenberg übrigens als Bürgermeister. Natürlich unter CDU-Flagge.

1990 bis 2001: Emmerich legt Kommunalpolitik auf Eis

Es sei die Gebietsreform mit dem daraus resultierenden „großen Umbruch“ gewesen, die ihn dazu bewegte, sich politisch in Kirchhain engagieren zu wollen, erinnert sich Peter Emmerich. Und so trat er 1981 als junger Mann zur Wahl an – und musste erst mal Lehrgeld zahlen. Damals war die SPD in Kirchhain an der Macht: „Ich habe als junger Kerl kräftig dazugelernt in den ersten Jahren. Es war ein bisschen schwierig. Man konnte nicht einfach alles durchsetzen.“

Ein bisschen ernüchternd sei das schon gewesen, aber nicht der Grund, wieder die Politik aufzugeben. Es gab berufliche Gründe für die kommunalpolitische Pause, die Emmerich zwischen 1990 und 2001 einlegte: Damals war der gelernte Landwirt im Schichtdienst in den Behringwerken tätig, engagierte sich in der Feuerwehr Burgholz und baute außerdem noch einen landwirtschaftlichen Betrieb auf, um den er sich im Nebenerwerb kümmerte. Inzwischen sind sein anderer Sohn, seine Schwiegertochter und die beiden „Enkelchen“ – heute gestandene Männer – in der Verantwortung. Aber Peter Emmerich hilft immer aus, wenn er kann oder benötigt wird. Landwirt sei man irgendwie sein ganzes Leben lang, bekennt er mit einem Schmunzeln.

Doch damit ist’s noch lange nicht genug: Er war in der Dorferneuerung aktiv, gehört dem Förderverein „Unser Dorf Burgholz“ an, ist seit 50 Jahren Mitglied der freiwilligen Feuerwehr (in deren Einsatzabteilung er 25 Jahre aktiv war), fungiert als Vorstand der Jagdgenossen und ist Mitglied des Schützenvereins Hertingshausen.

Zudem war er 40 Jahre lang Wahlhelfer. Als Stadtverordneter gehörte er zudem von 1985 bis 1989 dem Ausschuss für Sport und Kultur sowie von 2001 bis 2021 sowohl dem Bau- als auch dem Wirtschaftsausschuss an. Am spannendsten sei dabei der Bauausschuss gewesen, bekennt Emmerich: „Seit 2001 hat sich in Kirchhain viel getan,“ sagt er und stellt die Errichtung des Ärztezentrums, den Straßenbau und die -sanierung, den Kita-Neubau und die Altstadt-Sanierung heraus.“

Emmerich erlebte in seiner Zeit als Stadtverordneter vier Bürgermeister. Mal gehörte er der Regierungskoalition an, mal der Opposition. Insgesamt blickt er zufrieden auf die 30 Jahre kommunalpolitischen Engagements zurück und lobt vor allem die gute Zusammenarbeit aller Fraktionen in der laufenden Legislaturperiode: „Es gibt zwar heiße Diskussionen, aber insgesamt hat sich vieles zum Positiven geändert. Wir haben Kirchhain zu einer guten Wohnstadt entwickelt – und es sind auch Freundschaften über die Parteizugehörigkeit hinaus entstanden. Das wird mir schon ein bisschen fehlen“, sagt der 72-Jährige, der nach dem Tod seiner Frau und seines Bruders inzwischen bei seiner Schwägerin in Hertingshausen wohnt – aber immer noch stolz auf das Geleistete in Burgholz ist: So war er beispielsweise stellvertretender Vorsitzender, als der Verein „Unser Dorf“ als Erster im Stadtgebiet das (während der Dorferneuerung sanierte) Dorfgemeinschaftshaus von der Kommune übernahm. Ohnehin würden im Ort Eigenleistung und Engagement großgeschrieben. Außerdem freut er sich besonders darüber, dass die Burgholzer die Verantwortung über den Friedhof übernahmen und dieser inzwischen einen Deckungsgrad bei den Kosten in Höhe von fast 100 Prozent hat: „Wir waren damit Beispiel für andere evangelische Dörfer, die es uns gleichtaten.“

Hoffnung: Stadt möge Landverbrauch reduzieren

Während Peter Emmerich sich nun – sobald es möglich ist – auf Reisen und das Genießen des Lebens konzentrieren (manchmal in der Landwirtschaft aushelfen) will, hegt er noch eine Hoffnung: Die Stadt Kirchhain möge den „Landverbrauch“ reduzieren.

Das Ausweisen von Bauland und Industriegebieten oder die Renaturierung der Wohra mit Flutmulden habe Land beziehungsweise landwirtschaftliche Flächen gekostet – und das Gleiche stehe durch den Bau der Autobahn bevor. An dieser Stelle solle die Stadt mehr Vorsicht walten lassen, gibt er künftigen Generationen mit auf den Weg.

Von Florian Lerchbacher