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Ostkreis Pfarrer sperrt die Vögel aus
Landkreis Ostkreis Pfarrer sperrt die Vögel aus
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12:00 13.05.2019
Im Turm der Stiftskirche gibt es Nistkästen, die mit Steinen verschlossen wurden. Quelle: Robert Cimiotti
Amöneburg

„Kirche übernimmt Verantwortung für die Schöpfung“, heißt es in einem vom Umweltministerium herausgegebenen Buch aus dem Jahr 2010. Ein Beispiel, das darin aufgeführt wird, ist die Stiftskirche Amöneburg. Dort hatte Robert Cimiotti, der Vogelschutzbeauftragte und ehemalige Verwaltungsratsvorsitzende, im Turm Brutkästen eingerichtet, in denen viele Jahre lang Turmfalken und Dohlen nisteten.

„Im vergangenen Jahr merkte ich, dass sich da oben nichts mehr tut“, berichtet er. Einst hatte er sich verpflichtet, nach der Brut aufzuräumen und alles zu säubern. Doch nun sei es ihm erheblich erschwert worden, überhaupt in den Turm zu gelangen. Erst nach einer Unterschrift sei es ihm genehmigt worden – und dann habe er entdeckt, dass die Brutkästen mit Backsteinen verschlossen worden waren.

„Als Vogelschutzbeauftragter­ habe ich einen Auftrag und kann mir das daher nicht bieten lassen“, ergänzt Cimiotti. Also habe er mehrfach versucht, gemeinsam mit Vertretern der staatlichen Vogelschutzwarte Hessens einen Termin mit Pfarrer Marcus Vogler zu bekommen, unter anderem im Oktober 2018 – aber vergeblich: „Er kann als Hausherr natürlich machen, was er will. Aber dann sollte er nicht in die Welt setzen, dass er Umweltschützer sei“, moniert der Amöneburger.

Pfarrer Vogler indes ist überrascht, über diese Zeitung auf die Thematik ­angesprochen zu werden. „Wir sind im Gespräch mit dem Umweltbeauftragten­ des Bistums und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und suchen nach einer Lösung“, erklärt er und berichtet, ­Vögel hätten die Dachrinnen verstopft, weil sie auch dort Nester bauten. Entsprechend seien die Dachrinnen übergelaufen und das Wasser habe an der Fassade große Schäden angerichtet.

Diese hohen Folgekosten könne sich die Kirche – die ohnehin zahlreiche Sanierungsarbeiten in den vergangenen Jahren zu erledigen hatte – nicht mehr leisten, daher suche sie nach einer Alternative: „Wir wollen den Vögeln schließlich nichts wegnehmen und daher einen Ersatz schaffen.“ Eine Möglichkeit dafür sehe er in der Schlossruine. Diese gehöre natürlich nicht zu den kirchlichen Gebäuden, liege aber direkt nebenan: „Und wir sind durchaus bereit, für das Schaffen von Nistplätzen einen finanziellen Beitrag zu leisten.“ Außerdem wolle er Kontakt zu Cimiotti aufnehmen: „Über die Feiertage ist das Thema etwas aus dem Blickfeld geraten.“

von Florian Lerchbacher