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Ostkreis Ein Startschuss mit Verspätung
Landkreis Ostkreis Ein Startschuss mit Verspätung
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09:00 16.01.2022
Das Oberstufengebäude der AWS in Kirchhain wird jetzt saniert.
Das Oberstufengebäude der AWS in Kirchhain wird jetzt saniert. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

Die Handwerker sind in das Oberstufengebäude der Kirchhainer Alfred-Wegener-Schule (AWS) eingezogen. Zurzeit läuft die Entkernung des Gebäudes, die noch den ganzen Januar über andauern wird. Auf den Baustart hatte die Schulgemeinde erheblich länger gewartet als mal geplant.

Eigentlich hätten die Arbeiten im Sommer 2020 nach den Ferien starten sollen, doch daraus wurde nichts. Denn es stellte sich heraus, dass der vorhandene Regenwasserkanal an dieser Stelle für ein größeres Gebäude nicht ausgereicht hätte. Zwei Regenüberlaufbecken sind nötig, die künftig als Puffer für den Kanal wirken.

Jetzt geht der Landkreis als Schulträger davon aus, dass die Arbeiten aber zügig vorangehen werden. Auf die Entkernung folgt voraussichtlich ab Februar der Abbau von Fertigbetonteilen bei dem in die Jahre gekommenen Gebäude. Schließlich beginnen die Rohbauarbeiten für die Erweiterung, ab August soll der Innenausbau laufen, so erläutert es die Pressestelle des Kreises. Das Haus wird nicht nur saniert, es wird auch größer. Denn die AWS hat Platzbedarf für ihre Oberstufe, vor allem, um in Zukunft auch andere Unterrichtskonzepte in geeigneten Räumen umzusetzen oder mehr Angebote zu schaffen (die OP berichtete).

Fertiggestellt werden sollen Sanierung und Erweiterung im März nächsten Jahres, so der Plan der Kreisverwaltung. Klar ist, dass das Großprojekt deutlich teurer ausfallen wird, als ganz ursprünglich mal kalkuliert wurde. Bei Beginn der Planungen lag die Kostenschätzung noch bei 8,5 Millionen Euro.

Das ändert sich 2023

Diese Zahl stammt ursprünglich von 2018 und war eine Grobkostenschätzung, wie Kreissprecher Stephan Schienbein erläutert. Bei der genaueren Planung habe sich jedoch herausgestellt, dass das Haus um etwa ein Drittel seiner ursprünglichen Fläche erweitert werden muss. Nur so lässt sich die nötige Lernwerkstatt für die Oberstufe unterbringen. So kommt es, dass bei der endgültigen Planung am Ende Baukosten von 11,5 Millionen Euro herauskamen. Letztlich kalkuliert der Kreis sogar mit 12,25 Millionen Euro Projektkosten. Der Aufschlag ist der allgemeinen Entwicklung der Baukosten geschuldet, die auch am Landkreis nicht vorübergeht. Deshalb stehen aktuell auch 725 000 Euro mehr im Kreishaushalt als noch im vergangenen Jahr.

Währenddessen hat die AWS ihrerseits auch weitergearbeitet, wie Schulleiter Matthias Bosse der OP erläutert. So ist ein neues Konzept und Angebot für Schüler entwickelt worden, die die Jahrgangsstufe 11 künftig besuchen, die also ihre Oberstufen-Laufbahn an der AWS starten. Seit Jahrzehnten gebe es sogenannte Kompensationsstunden für die Jahrgangsstufe 11, erläutert der Schulleiter. Das sind zusätzliche Unterrichtsstunden, um die Schüler zu Beginn ihrer Oberstufen-Laufbahn noch mehr zu unterstützen, und zwar in einzelnen Kernfächern. So gibt es etwa eine zusätzliche Stunde Deutschunterricht für alle „Elfer“, egal, ob dort bei allen Förderbedarf besteht oder nicht.

Das ändert sich 2023. Dann will die AWS ihre Zusatz- oder Kompensationsstunden, die sie zur Verfügung hat, anders verteilen. Gedacht ist an ein sehr viel individuelleres, ein modulares Angebot, bei dem die Schüler selbst mitbestimmen. Bosse nennt Kurse in Rechtschreibung oder Mathematik als Beispiele, aber auch Einführungen in das Debattieren etwa oder Sprachangebote. Aus dem Angebot können und müssen sich die Schüler das Passende heraussuchen und vor Schulbeginn angeben, so der Plan.

Das ist auch der Grund, warum die Umstellung erst im nächsten Jahr geplant ist. „Wir müssen unser Konzept erst einmal an den übrigen Schulen in unserer Region vorstellen und bekanntmachen, von denen Schüler zu uns kommen“, sagt Bosse. Denn die Lehrer dort sollen die Schüler darüber informieren und ihnen Hinweise geben, welches Angebot gut für sie wäre. „Idealerweise wissen die Schüler selbst, wo sie Defizite haben, viele brauchen aber auch einen Rat“, erklärt der Kirchhainer Schulleiter. Im neuen Oberstufengebäude lässt sich das Konzept räumlich gut umsetzen. Die Umstellung soll aber unabhängig von der Fertigstellung erfolgen.

Von Michael Rinde

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