Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Geschlossen – aber irgendwie auch nicht
Landkreis Ostkreis Geschlossen – aber irgendwie auch nicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:59 25.03.2020
Wenn die Geschäfte geschlossen sind und die Menschen nicht in die Innenstadt kommen (wie in Kirchhain), dann kommen die Geschäfte zu den Menschen – so zumindest der Plan.  Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
Anzeige
Kirchhain / Stadtallendorf

Eigentlich müssen viele Geschäfte geschlossen bleiben – ein Resultat der Sicherheitsvorkehrungen der Bundesregierung, um die Entwicklung der Corona-Pandemie etwas einzudämmen. In Kirchhain betreffen die Anweisungen 35 Geschäfte, deren Inhaber aufgrund fehlender Einnahmen massive wirtschaftliche Einbußen zu befürchten haben. Und das in dem Jahr, in dem die Stadt das 40-jährige Bestehen ihrer Innenstadt feiern will. Nicht zu vergessen die Kunden, denen das entsprechende Angebot nicht mehr zur Verfügung steht.

Doch nun lassen sich viele Kommunen etwas einfallen, im Ostkreis sind Stadtallendorf und Kirchhain die Vorreiter: Beide Städte wollen mit ihren Gewerbetreibenden kooperieren und ermöglichen, dass die Geschäfte ohne direkten Kundenkontakt weitergehen können – trotz verschlossener Türen. Und diese müssen bei allen Bemühungen für die Kunden auch zwingend zu bleiben, betont Kerstin Ebert von der Stadtverwaltung in Kirchhain. Sie ist dieser Tage Ansprechpartnerin für alle Gewerbetreibenden, die bereit sind, ihre Waren nach einer Bestellung der Kunden via Telefon oder E-Mail entweder an einem vereinbarten Ort sicher abzulegen oder direkt nach Hause zu liefern. „Das müssen Kunden und Gewerbetreibende individuell klären“, ergänzt sie.

Anzeige

„Wir wollen unsere Innenstadt am Leben halten“, sagt Bürgermeister Olaf Hausmann. Aus diesem Grund wolle die Stadt als Vermittler fungieren und eine Liste der Gewerbetreibenden erstellen, die bereit sind, den angedachten besonderen Service anzubieten. Zwei Drittel ihrer Mitstreiter hätten die Idee direkt gut gefunden, erklärt Hannelore Wachtel, die Vorsitzende des Verkehrsvereins – betont aber auch, dass die meisten Gewerbetreibenden noch ziemlich geplättet seien von der Nachricht, dass sie ihre Geschäfte nicht öffnen dürfen. Und manche seien aufgrund persönlicher Situationen nicht in der Lage, das angedachte Angebot umzusetzen.

Die Stadt erstellt dieser Tage eine Liste der heimischen Geschäfte, bei denen die Bürger Waren bestellen können, ohne auf Onlineanbieter zurückgreifen zu müssen. Diese wird stetig aktualisiert und im Kirchhainer Anzeiger und auf der Homepage der Stadt veröffentlicht.

Außerdem will die Stadt Kirchhain als Vermittler zwischen Helfern und Hilfsbedürftigen fungieren und die über die Facebook-Seite „Mein Kirchhain“ von Frank Wagner initiierte Nachbarschaftshilfe unterstützen. Gerade Menschen, die kein Facebook oder gar das Internet generell nicht nutzen, solle der Service auch angeboten werden. Wer also jemanden braucht, der den Einkauf oder den Gassigang mit dem Hund übernimmt: einfach die Stadt kontaktieren. Ob die Kommune für den Waren-Lieferservice oder die Bürgerhilfe auch Mitarbeiter zur Verfügung stellt, steht noch nicht fest. Hausmann ist aber nicht abgeneigt: Die Jugend- oder Seniorenarbeit sei dieser Tage ja eingestellt: „Wir warten einfach mal den Bedarf ab. Erstmal sehen wir unsere Hauptaufgaben in Vermittlung und Koordination.“

Einzelhändler, die bereit sind, ihre Waren nach einer Telefon- oder E-Mail-Bestellung auszuliefern, wenden sich an Kerstin Ebert, Telefon 0 64 22 / 80 8-1 24, Email: k.ebert@kirchhain.de.

Auch in Stadtallendorf gebe es Gewerbetreibende, die den geschlossenen Türen trotzen und einen Lieferservice anbieten, teilt die städtische Pressesprecherin Anke Koob mit. Die Aktion heißt „Wir sind jetzt für Sie da“ und sei für den im Oktober 2019 gegründeten Stadtmarketingverein ein wichtiges Zeichen, so Geschäftsführerin Corinne Diho. Ziel sei, „trotz dieser weltumspannenden Krise eine Basis zu schaffen, damit die Menschen in der Stadt weiter kleine Dinge des täglichen Lebens erledigen können“.

Gleichzeitig hoffen die Gewerbetreibenden, dass auch die Menschen aus der Stadt ihre Solidarität mit den Händlern und Dienstleistern beweisen. Ein knappes Dutzend der Geschäfte bietet den Service bereits an. Eine erste Liste ist auf der Facebook-Seite „Wir sind Stadtallendorf“ zu finden.

Von Florian Lerchbacher

Anzeige