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Ostkreis Munitionsexperten schauen genauer hin
Landkreis Ostkreis Munitionsexperten schauen genauer hin
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10:58 04.04.2020
Experten für Kampfmittel wie Munition prüfen derzeit, ob unter der Habichtstraße gefährliche Hinterlassenschaften liegen. Bisher ohne Befund. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Diese Bauarbeiten fielen Anwohnern gleich auf. In der Habichtstraße im Wasag-Gebiet sind seit einigen Tagen Experten eines Unternehmens unterwegs, das gezielt nach Kampfmitteln, sprich Munitionsresten sucht. Das hat Gründe. Denn die Stadtwerke wollen dort neue Wasser- und Kanalleitungen verlegen. Danach wird die Straße grundlegend erneuert. Letzteres ist in Stadtallendorf inzwischen kostenfrei für die Anwohner.

Dass die Kampfmittelexperten bei einer „einfachen“ Straßenbaustelle vorher den Boden sondieren, ist erst einmal nicht ungewöhnlich. Vor Erdarbeiten wird der hessische Kampfmittelräumdienst, angesiedelt beim Regierungspräsidium Darmstadt, routinemäßig gefragt, ob das in der betreffenden Straße problemlos möglich ist.

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Im Falle der Habichtstraße gab es diese Freigabe aber nicht. Eine erste Sondierung ergab, dass sich im Untergrund Metallreste befinden. „Das kann auch mal nur eine einfache Gürtelschnalle sein“, so Giselher Pontow, Betriebsleiter der Stadtwerke Stadtallendorf. Angesichts der ersten Messergebnisse beauftragte die Stadt eine Fachfirma mit genaueren Untersuchungen um sicherzustellen, dass sich keine Munitionsreste oder ähnliches aus Zeiten der Sprengstoffherstellung der Wasag dort im Boden befindet. Das Unternehmen hat unter anderem spezielle Sonden, rund sechs Meter lange Rohre, im Boden versenkt und nach gefährlichem Material geforscht.

Der endgültige Bericht soll zum Wochenende vorliegen. Aber bisher geht auch Bürgermeister Christian Somogyi davon aus, dass sich keine problematischen Gegenstände unter der Fahrbahndecke befinden. „Sicherheit geht vor“, betont der Rathauschef. Schließlich ist die Habichtstraße auch Teil der ehemaligen „Marinesiedlung“.

Kommt grünes Licht von den Kampfmittelexperten, dann sollen die eigentlichen Arbeiten an den Leitungen in der nächsten Woche beginnen. Projektleiterin Laura Bär von den Stadtwerken rechnet damit, dass die Arbeiten etwa drei Monate dauern werden, wenn es nicht bedingt durch die Corona-Krise zu irgendwelchen Verzögerungen käme. Bisher gibt es keine erkennbaren Probleme. Das ganze Projekt einschließlich der grundlegenden Erneuerung der Habichtstraße hat natürlich seinen Preis. Schließlich müssen mehr als 300 Meter Kanal- und Wasserleitungen verlegt werden, der Kanal in 3 Metern Tiefe. Das verursacht Gesamtkosten von 1,246 Millionen Euro, so die Angaben der Stadtwerke. Für die Arbeit der Kampfmittel-Fachfirma fallen rund 36000 Euro Kosten an. Der Verkehr wird örtlich durch Schilder umgeleitet.

Bei anderen Baustellen der Stadtwerke, wie etwa in der Moldaustraße, war sicherheitshalber sogar ein Kampfmittel-Fachmann während der Erdarbeiten dabei und überwachte, was die Baggerschaufel aus dem Boden holte. Das scheine in der Habichtstraße nach dem bisherigen Kenntnisstand aber nicht nötig, sagt Pontow.

Auch im Wasag-Gebiet wollen die Stadtwerke Ordnung in die Leitungen im Untergrund bringen. Im DAG-Gebiet ist das schon länger im Gange. „Beispielsweise teilten sich in der Wasag frühere Bunker einen gemeinsamen Wasseranschluss, Leitungen verlaufen über Privatgelände und müssen nun in die Straßen wie andernorts üblich“, erläutert Pontow.

Im vergangenen Jahr hatten die Stadtwerke mit dem Ordnung-Schaffen bereits begonnen, etwa im Staren- oder Drosselweg.

Von Michael Rinde

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