Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis „Die Situation ist dramatisch“
Landkreis Ostkreis „Die Situation ist dramatisch“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:34 21.08.2020
Ein Blick in den Buchenwald: Die Bäume haben es aufgrund der Trockenheit schwer.
Ein Blick in den Buchenwald: Die Bäume haben es aufgrund der Trockenheit schwer. Quelle: Tobias Hirsch
Anzeige
Kirchhain

„Die Situation ist dramatisch“, sagt Reiner Nau über den Kirchhainer Wald. Nau ist stellvertretender Vorsitzender der Kirchhainer Grünen und des Ausschusses für Umwelt, Wirtschaft und Verkehr in Personalunion.

Zunächst hatte er mit seiner Fraktion eine Anfrage zum Zustand des Waldes gestellt und dann im Ausschuss Mitarbeiter des Forstamtes (Peter Becker und Martin Gilbert) willkommen geheißen, die den Mitgliedern Rede und Antwort standen – und bei Nau ein eindeutiges Bild hinterließen.

Während der Beantwortung der Großen Anfrage der Grünen hatte Bürgermeister Olaf Hausmann die Kommunalpolitiker wissen lassen, dass auch der Kirchhainer Wald unter der Mischung aus Borkenkäfer, Dürre und Windwurf leide. Vier Hektar seien bisher wieder aufgeforstet worden – was etwa der Hälfte der betroffenen Fläche entspricht. Lage und Entwicklung auf dem Holzmarkt hätten gemeinsam mit den höheren Aufwendungen zum Beispiel bei der Wiederbewaldung dazu geführt, dass die Stadt weniger Forsteinnahmen als geplant verzeichnet.

Fichten sind hinüber, Buchen haben es schwer

„Die Fichten sind alle hinüber, und die Buchen haben es auch schwer“, berichtet Nau über die Sitzung und ergänzt, dass die Trockenheit beziehungsweise die Grundwasserabsenkung (in Burgholz von derzeit mehr als vier Metern) ein großes Problem sei – und auch die zwischenzeitlichen heftigen Niederschläge nicht helfen würden, weil das Wasser langsam und kontinuierlich in den Boden einziehen müsse, damit es gut von Pflanzen aufgenommen wird.

Aufgabe für die Stadt Kirchhain beziehungsweise das Forstamt sei es, den Wald für die Zukunft durch eine Umstrukturierung fit zu machen. „Buchen schaffen es bei uns nicht mehr – dafür stehen sie eigentlich für die Region“, betont Nau. Und auch Eichen seien angesichts des Klimawandels für Neuanpflanzungen nicht mehr geeignet. Es gelte also, Alternativen zu finden. „Das wird spannend“, resümiert Nau und kündigt an, dass eine Ortsbesichtigung geplant sei, damit sich die Ausschussmitglieder gemeinsam mit den Experten ein Bild von der Situation machen und über die Umstrukturierung nachdenken können.

Der Ausschussvorsitzende ging in diesem Zusammenhang auch auf die forstwirtschaftlichen Erträge ein: Im Jahr 2019 habe es viel Windwurf gegeben. Insbesondere Fichten seien umgefallen und dann aus dem Wald herausgeholt worden. In diesem Jahr habe das Forstamt vornehmlich Buchen geschlagen, um einigermaßen wirtschaftlich handeln zu können. In Zukunft sei dies aber nicht mehr möglich, und die Stadt müsse davon ausgehen, weniger Einnahmen beim Forst einplanen zu können.

Von Florian Lerchbacher

21.08.2020
19.08.2020