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Ostkreis Amöneburg will mehr Klimaschutz betreiben
Landkreis Ostkreis Amöneburg will mehr Klimaschutz betreiben
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19:58 11.09.2019
Was können die Amöneburger für den Klimaschutz tun? Die Stadtverordneten wollen darüber nachdenken. Quelle: Florian Lerchbacher
Amöneburg

„Einfach schauen, was für Auswirkungen ein Beschluss auf das Klima hat.“ So umschrieb Fraktionsvorsitzender Jan-Gernot Wichert einen Antrag der CDU.

„Es geht uns ums Bewusstsein – nicht darum, uns Handschellen anzulegen“, ergänzte Jochen Splettstößer. Die Christdemokraten wollen, dass die Stadtverordneten künftige Beschlüsse auch auf ihre Auswirkungen auf das Klima prüfen – und nicht nur auf die Finanzen der Stadt.

„Grundsätzlich sind klimaschonende beziehungsweise klimaneutrale Alternativen zu präferieren“, heißt es in dem Antrag.

FWG-Mann stimmt gegen Vorschlag

Für Stefan Lauer (FWG) war die Formulierung „zu krass“, dass „grundsätzlich bei jeder Antrags-/Beschlussvorlage automatisch die ,Prüfung der Klimaverträglichkeit und Alternativen‘ darzulegen ist“. Bürgermeister Michael Plettenberg betonte, dass der Antrag größtenteils ausschließlich eine „Willenserklärung ohne Rechtskraft“ sei.

Mit fünf Ja- und einer Nein-Stimme (Lauer) sprachen sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses dafür aus, den Stadtverordneten die Zustimmung zum Antrag zu empfehlen.

Im Bauamt fehlen Ressourcen

Einen Antrag des Rathauschefs sollen die Stadtverordneten erst noch einmal in den Fraktionen beraten – die Ansätze darin sind weit konkreter. Zunächst erinnerte Plettenberg daran, dass die Stadtverordneten im Jahr 2010 den Beitritt der Stadt zur „Charta 100 Kommunen für den Klimaschutz“ beschlossen.

Die Verwaltung habe damals auch eine spezielle Software angeschafft, um eine kommunale CO2-Bilanz zu erstellen und einen Aktionsplan zu schreiben. Zur Fertigstellung kam es aber nicht, weil im zuständigen Bauamt die personellen Ressourcen gefehlt hätten. „Das sollten wir wieder aufleben lassen“, so Plettenberg.

Ideen der Bürger abfragen

Im Stadtgebiet sei zwar einiges geschehen in Sachen Klimaschutz – von energetischen Sanierungen über die Bereitstellung von Dachflächen für Photovoltaikanlagen bis hin zur Begleitung der Nahwärmegenossenschaften und ihrer Projekte. Die Stadt sei sogar schon als Klimakommune ausgezeichnet worden, erinnerte der Bürgermeister.

Doch Ideen habe er noch jede Menge: Er regte beispielsweise an, die Vorschläge und Wünsche der Bürger in Sachen Klimaschutz und Energiewende aufzugreifen, ihr Fachwissen und ihr Interesse in einem Klimarat aufzufangen und weitere Initiativen zu ergreifen:

Seine Ideenskizze beinhaltet zum Beispiel, dass die Kommune Umweltpaten an Kindergärten und Schulen installiert, in der Landwirtschaft die Ausbringung von Glyphosat verbietet, ein Einkaufsnetz anbietet, um den ­Gebrauch von Plastiktüten zu reduzieren, Flächen entsiegelt, E-Carsharing einführt, das Radwegenetz ausbaut oder vielleicht sogar wieder einen Umweltberater einstellt.

Amöneburg als Thema einer Uni-Arbeit?

Wichert kommentierte, die Liste umfasse eine „Reihe unterstützenswerter Punkte“. Er befürchtet jedoch, dass deren Umsetzung Strukturen schaffen würde, „die uns überfordern“. Einen Umweltberater einzustellen halte er für übertrieben, dafür müsste es schließlich mehrere Projekte geben. Allerdings sei dies vielleicht ein Ansatz für interkommunale Zusammenarbeit.

Winfried Nau (SPD) schlug vor, Kontakt zur Uni Marburg aufzunehmen – vielleicht habe ja ein Student Interesse, sich für eine Abschlussarbeit oder etwas in der Art mit Klimaschutz in Amöneburg auseinanderzusetzen. Stadtrat Bernhard Schick (CDU) warf ein, dass er nicht glaube, dass sich viele Bürger in einem Klimarat engagieren würden. Er erinnerte an die Bürgerversammlung: „Da war kaum jemand da – und ihr redet hier von ehrenamtlichen Engagement …“

von Florian Lerchbacher