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Ostkreis Übungsplatz bleibt vorerst dicht
Landkreis Ostkreis Übungsplatz bleibt vorerst dicht
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09:52 20.01.2020
Diese Aufnahme aus 2016 zeigt eine Übungsfahrt auf dem „Kirtorfer Acker“. Quelle: Michael Rinde/Archiv
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Stadtallendorf

Jahrzehntelang diente der Standortübungsplatz der Grundausbildung von Rekruten, Panzer übten auf dem Bundeswehr-Gelände zwischen Stadtallendorf und Kirtorf. Seit Jahren fristet der Platz allerdings im Vergleich zur Vergangenheit ein Schattendasein. Seit Ende November ist er nun auch für die Truppe komplett gesperrt – Zivilisten haben dort eigentlich ohnehin keinen Zutritt.

Mehrfach wurde der Übungsplatz in den vergangenen Jahrzehnten erkundet. Es gibt eine Einteilung des Geländes in verschiedene Zonen: von Grün (Betreten und Nutzung möglich) bis Rot (Nutzung ausgeschlossen, zu stark belastet). Die letzten Erkundungen stammen aus dem Jahr 2008. Neuere Erkenntnisse ließen die Bundeswehr in Stadtallendorf jedoch aufhorchen. Es gab unter anderem einen nochmaligen „historisch-genetischen“ Vergleich. Sprich: Die Lage der früheren Sprengplätze und Bombentrichter wurde erneut mit dem Gelände verglichen.

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„Uns haben Fachleute Ende November erklärt, dass sie nicht mit Sicherheit sagen können, wo die roten Zonen enden“, erklärt der Kasernenkommandant, Oberstleutnant Stephan May. Er empfahl darum die vorsorgliche komplette Sperrung des Platzes, zumal dort auch Truppenteile übten, die mit den Örtlichkeiten überhaupt nicht vertraut waren. Dem folgte die Divisionsführung umgehend. „Das dient dem Schutz und der Vorsorge“, betont May.

Baumpflegearbeiten sind dort weiterhin erlaubt, auch der Kampf gegen den Borkenkäfer kann auf dem ökologisch sensiblen Gelände uneingeschränkt weitergehen. Die Sperrung soll aber nicht bis zum Sanktnimmerleinstag bestehen. Schon lange ist klar, dass der Platz vom Bund mit Millionenaufwand saniert werden wird (diese Zeitung berichtete).

Ingenieure untersuchen

Der Landesbetrieb Bau und Immobilien in Hessen werde sich jetzt schnell um ein geeignetes Fachbüro kümmern, dass den Platz und die Zoneneinteilung erneut überprüft, erläutert Oberstleutnant Bögehold im Gespräch mit der OP. Er rechnet innerhalb des nächsten halben Jahres mit einem Ergebnis. Klar ist auch, dass der Standortübungsplatz auf der Prioritätenliste bei der Sanierung weiter nach vorne rutschen wird, wie Bögehold und May erklären.

Dabei wirkt die geplante Reaktivierung der Hessen-Kaserne als Impulsgeber und die Tatsache, dass die Division Schnelle Kräfte (DSK) eine Ausbildungskompanie erhält. Sie soll unter anderem später in der Hessen-Kaserne stationiert werden.

Auch auf dem Gelände der Hessen-Kaserne liegt ein sogenannter Brandplatz, sprich ein Platz, auf dem Munitionsreste aus den Sprengstoffwerken verbrannt beziehungsweise auch gesprengt wurden. Der soll ebenfalls vorrangig saniert werden, um die künftige Baufläche für neue Kasernengebäude altlastenfrei zu bekommen.

Wie viel Munition auf dem Gelände des mehrfach bombardierten Feldflugplatzes Kirtorf seinerzeit wirklich gesprengt oder verbrannt wurden, ist nicht klar. Quellen sprechen von mindestens 15.000 Tonnen. Die geplante Trasse der A 49 auf Bundeswehrgelände ist bereits frei von Altlasten. Derzeit werden Flächen für Ausgleichsmaßnahmen geräumt.

von Michael Rinde