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Ostkreis Junges Gemüse bekommt einen Nutzgarten
Landkreis Ostkreis Junges Gemüse bekommt einen Nutzgarten
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14:00 15.03.2022
Bald können die Kinder verschiedene Gemüsesorten anpflanzen, doch als erstes helfen sie beim Anlegen der Beete.
Bald können die Kinder verschiedene Gemüsesorten anpflanzen, doch als erstes helfen sie beim Anlegen der Beete. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Schon jetzt begleiten Rudi Radieschen, Pauline Palmkohl und Karlos Kartoffel die Jungen und Mädchen der Kita Weißer Stein Stadtallendorf durch ihren Tag. Noch kommen sie in Geschichten und auf Bildern vor, bald schon werden sie – oder zumindest ihre Artgenossen – „leibhaftig“ im Garten der Einrichtung zu finden sein: Mithilfe der Mitarbeiter des Programms „Ackerracker“ legen Erzieherinnen, Eltern und Kinder derzeit einen großen Gemüsegarten an. Ein kleines Gewächshaus, ein Hochbeet und ein Insektenhaus stehen bereits, und auch die ersten Beete warten schon auf die entsprechende Bepflanzung.

Die Erzieherinnen Nina Watzlawek, Lisa-Marie Leipold, Susann Olbricht und Melin Nuridinova haben die Federführung übernommen. „Angefangen hat es mit der Frage von Kindern, wie Gemüse entsteht. Sie wollten wissen, wie aus einem Samenkorn zum Beispiel eine Gurke wächst“, sagt Olbricht. Entsprechend hätten sie gemeinsam ein paar Pflanzen in Töpfen großgezogen – doch eigentlich habe der Platz nicht ausgereicht und der Wunsch sei aufgekommen, größer zu denken. Dann habe sie von der „Gemüseackerdemie“ gehört und direkt Unterstützung vom Verein Kinderzentrum Weißer Stein Marburg-Wehrda, dem Träger der Kita, zugesagt bekommen. Das sei gar keine Frage gewesen, erinnert sich Astrid Mergel-Diehl, die beim Verein für die Kitas zuständig ist, zurück. Ein Gemüsegarten sei schließlich zum einen ein nachhaltiges Projekt, zum anderen ein Ort, an dem die Kinder wichtige Erfahrungen machen und etwas erleben können – und das vor allem gemeinsam, was insbesondere angesichts der coronabedingten Einschränkungen der vergangenen zwei Jahre toll sei.

Bald können die Kinder verschiedene Gemüsesorten  anpflanzen, doch als erstes halfen sie beim Anlegen der Beete. Quelle: Florian Lerchbacher

Martina Kuhn-Keßler nahm Kontakt zum Eigentümer des Nachbargebäudes auf, der den Kindern einen Teil seines Gartens kostenlos zur Verfügung stellt. Zudem erhalte die Einrichtung aus dem Bundesprogramm Sprachkita eine Förderung, berichtet die Kita-Leiterin. Und einige Pflanzen und Materialien seien auch gespendet worden, ergänzt Leipold: Entsprechend habe es schon im vergangenen Jahr erste Probepflanzungen gegeben – deren Ertrag aber recht gering gewesen sei, was unterstreiche, dass professionelle Unterstützung mehr als sinnvoll sei: „Durch die Ackerracker lernen wir von der Pike auf, wie man einen Gemüsegarten anlegt, pflegt und mit möglichst wenig Wasser gießt.“

Die Mitarbeiter des Programms besuchten die Kita, nahmen eine Bodenprobe und entwickelten einen Pflanzplan für die acht vorgesehenen Beete, auf denen im Laufe des Jahres Tomaten, Kürbisse, Zucchini, Pekingkohl, Mais, Pastinaken, Stoppelrüben und vieles mehr wachsen sollen. Als Pflanztermine wurden Tage im Mai und Juli auserkoren. Bis dahin setzen sich die Kinder unter anderem über „Ackergeschichten“ mit der Thematik auseinander. Derweil bekommen die Erzieherinnen eine Fortbildung und anschließend über zwei Jahre eine fachliche Begleitung, damit sich am Ende „große und kleine Experten“ mit dem Gemüsegarten befassen. Schon jetzt ist die Freude auf die ersten Erträge riesig: Diese sollen in den Ernährungsplan der Kita eingebunden werden. Außerdem gibt es die Überlegung, eine Art Tauschbörse einzurichten: „Wir könnten zum Beispiel Zeit gegen Gemüse tauschen: Vielleicht können Eltern in die Kita kommen und den Kindern Ackergeschichten vorlesen – und dafür bekommen sie dann etwas Gemüse“, plant Olbricht für die Zukunft.

Von Florian Lerchbacher