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Ostkreis „St. Martin“ wird wieder zur „Kita Süd“
Landkreis Ostkreis „St. Martin“ wird wieder zur „Kita Süd“
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16:00 21.02.2022
Der Kindergarten St. Martin wechselt den Träger und wohl auch den Namen. Die Stadt übernimmt die Einrichtung.
Der Kindergarten St. Martin wechselt den Träger und wohl auch den Namen. Die Stadt übernimmt die Einrichtung. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Der Beschluss im Stadtallendorfer Stadtparlament fiel einstimmig und ohne Aussprache, die hatte es im Vorfeld schon in den Fachausschüssen gegeben: Voraussichtlich ab 1. August wechselt der Kindergarten St. Martin von der Kirchengemeinde Heilig Geist in die Trägerschaft der Stadt. Die nötigen haushaltstechnischen Voraussetzungen hatte die Stadt schon vorsorglich getroffen, vor allem mit Blick auf den Stellenplan.

Die Details zu diesem doch ungewöhnlichen Wechsel in der Trägerschaft müssen Kirchengemeinde und Stadt in den nächsten Monaten aushandeln und in Verträge kleiden. Einiges ist dabei beim Kindergarten St. Martin vergleichsweise einfach zu regeln. Denn Grundstück und Gebäude gehören bereits der Stadt Stadtallendorf. Sie trägt auch seit Jahren die ungedeckten Kosten des Kindergartenbetriebes. Üblicherweise liegt der kommunale Anteil je nach Vereinbarung zwischen 80 und 90 Prozent. Im Jahr 2021 flossen 309 000 Euro zur Finanzierung der ungedeckten Kosten aus dem städtischen Haushalt an die Kirchengemeinde – allein für den Kindergarten St. Martin.

„Wir müssen jetzt zum Beispiel auch schauen, ob das Personal komplett zur Stadtverwaltung wechseln möchte“, sagt Bürgermeister Christian Somogyi gegenüber der OP. Ansonsten müsse auch über einen Sozialplan gesprochen werden. Es geht laut Bürgermeister um 20 Mitarbeiter.

Warum gibt die katholische Kirchengemeinde Heilig Geist überhaupt die Trägerschaft ab? Es sind vor allem, wenn auch nicht nur finanzielle Gründe, wie Stadtpfarrer Diethelm Vogel gegenüber der OP erläutert. Ein Grund dafür ist die Situation, dass die Stadt Stadtallendorf sowieso eine große energetische Sanierung des Gebäudes samt einem Anbau für eine Gruppe plant. Rund 1,9 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. „Da bietet es sich an, über einen Wechsel nachzudenken“, so Pfarrer Vogel.

Zumal inzwischen kaum mehr katholische Kinder den Kindergarten besuchten, von den aktuell 75 Kindern seien es seines Wissens nur noch vier. Da stelle sich die grundlegende Frage, ob eine kirchliche Trägerschaft noch Sinn mache.

Hauptgrund für den Trägerwechsel ist das Geld

Hauptgrund für den Trägerwechsel ist aber das Geld. Denn: Das Bistum Fulda fahre einen strikten Sparkurs angesichts sinkender Einnahmen. In Stadtallendorf gebe es im Durchschnitt 50 Taufen weniger als Sterbefälle, hinzu käme der Mitgliederschwund aus anderen Gründen. Nicht zuletzt machen sich die Folgen des Missbrauchsskandals der katholischen Kirche insgesamt auch vor Ort bemerkbar – in Form von Kirchenaustritten.

Derzeit hat die Kirchengemeinde Heilig Geist insgesamt sechs Kindergärten in ihrer Trägerschaft: in Emsdorf, Niederklein und vier in der Kernstadt. Er kenne keine Gemeinde in der Diözese, die so viele Kindergärten unter ihrer Trägerschaft habe, so Stadtallendorfs Stadtpfarrer.

Das Stadtparlament hat auch die Bildung einer Arbeitsgruppe unter Beteiligung der Fraktionen beschlossen, die die weitere Situation mit der Kirchengemeinde besprechen und konkrete Vorschläge entwickeln soll. Möglicherweise reicht es nicht, nur die Trägerschaft über den Kindergarten St. Martin abzugeben. „Wir denken darüber nach, einen weiteren Kindergarten an die Stadt Stadtallendorf abzugeben“, sagt Pfarrer Vogel dazu. Entschieden sei dies aber ausdrücklich noch nicht.

Bürgermeister Christian Somogyi ist grundsätzlich offen für Gespräche darüber. Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass der Verwaltungsaufwand für die Kindergärten unter städtischer Trägerschaft natürlich ansteigen wird, möglicherweise sind weitere Stellen in der Verwaltung nötig. Die Stadt Stadtallendorf macht bei der Kinderbetreuung ein Defizit von jährlich rund 4,5 Millionen Euro.

Im übrigen wird es einen erneuten Namenswechsel geben. Der Kindergarten St. Martin heißt nach dem 1. August wohl wieder „Städtische Kindertagesstätte Süd“.

Von Michael Rinde

21.02.2022
21.02.2022