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Ostkreis Freizeiten sind sinnvoller denn je
Landkreis Ostkreis Freizeiten sind sinnvoller denn je
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13:00 06.03.2022
Viele Kinder müssen das Miteinander wieder lernen, sagen Stadtallendorfs Stadtjugendpfleger. Für die Fahrt nach Bad Kissingen sind noch Plätze frei.
Viele Kinder müssen das Miteinander wieder lernen, sagen Stadtallendorfs Stadtjugendpfleger. Für die Fahrt nach Bad Kissingen sind noch Plätze frei. Quelle: Privatfoto
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Stadtallendorf

Viele Jahre lang musste die Stadtjugendpflege eigentlich nur den Termin für die Ferienfreizeit in Bad Kissingen festlegen und im Nullkommanix waren die Plätze ausgebucht. Ohne Wenn und Aber. Doch die Zeiten haben sich durch die Pandemie geändert.

Nachdem die Fahrt vor zwei Jahren coronabedingt komplett ausfallen und im vergangenen in zwei einwöchige Freizeiten aufgeteilt werden musste, stellen Stadtjugendpfleger Sebastian Habura und Stellvertreter Sebastian Richter nun eine gewisse Verunsicherung bei den Eltern fest. Tatsächlich seien noch nicht alle der 70 Plätze für die vom 24. Juli bis 7. August geplante Kinderfreizeit vergeben – und vor allem komme immer wieder die Frage auf, ob zwei Wochen nicht vielleicht zu lang seien. Sind sie nicht, betonen Habura und Richter.

Viel eher sei eine Woche eigentlich zu kurz – und im vergangenen Jahr auch nur ein Notfallplan gewesen, da die Jugendpflege möglichst vielen Kindern den Trip nach Bad Kissingen ermöglichen wollte, sich aber eben auch an Corona-Regeln halten musste. „Bei einer Woche ist das Thema Heimweh viel präsenter als bei zwei Wochen: Eigentlich kommen die Kinder erst nach drei oder vier Tagen wirklich an. Sie müssen sich schließlich erst auf den neuen Ort einlassen und in der Gruppe zurechtfinden“, sagt Richter: „Nach ein paar Tagen fällt die Unsicherheit weg und es macht nur noch Spaß. Außerdem stehen die Kinder zwei Wochen lang nicht unter der Beobachtung der Eltern und können Selbstständigkeit lernen.“

Und vor allem nun, da Licht am Ende des Corona-Tunnels zu sehen ist, sei eine Ferienfreizeit umso besser für Kinder, betonen die Stadtjugendpfleger. Während Klassenfindungstagen an der Georg-Büchner-Schule hatten die beiden festgestellt, dass die Konzentrationsfähigkeit der Jungen und Mädchen nachgelassen habe.

Kinder wissen nicht, wie sie mit Konflikten umgehen sollen

Vor allem aber gebe es Defizite im Miteinander – die wahrscheinlich markanteste Auswirkung der coronabedingten Isolation. „Das Verhalten uns gegenüber und untereinander ist sehr auffällig“, berichtet Habura über die ersten Eindrücke von den Zusammentreffen mit Kindern und Jugendlichen: „Irgendwie wollen sie alles auf einmal, wissen aber gleichzeitig auch nicht, was sie genau wollen. Es ist, als würde man eine Herde loslassen, die das erste Mal in Freiheit sein darf.“

Entsprechend sei die Teilnahme an einer Freizeit mit Strukturen und Regeln zum einen gut für die Entwicklung der Persönlichkeit, aber auch, um wieder andere Eindrücke zu bekommen: „Ein Großteil ist während der Pandemie an Handy oder Playstation hängen geblieben – also Medien, in denen sie ebenfalls isoliert agieren.“ Und so seien die Verhaltensweisen in Gruppen verloren gegangen und viele Kindern wüssten nicht, wie sie mit Konflikten umgehen.

„Kritik wird oft persönlich genommen und ein wohlgemeinter Rat gleich als Angriff gewertet. Daher ist es notwendig, Werte und Normen wiederzuentdecken. Dafür ist es gut, in Peer Groups Erfahrungen zu machen“, betont Habura – entsprechend sei auch eine Teilnahme an der von der Stadt subventionierten Kinderfreizeit oder an den für 15. bis 26. August geplanten Ferienspielen (für Kinder von 5 bis 12 Jahren, wochentäglich von 7.30 bis 16.30 Uhr) sinnvoll: „Gemeinsame Unternehmungen sind elementar fürs Aufwachsen – und die sind während der Pandemie leider viel zu kurz gekommen.“

Handys nur bei Ausflügen

Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren können mit nach Bad Kissingen fahren. Dort sollen sie bei unterschiedlichen Angeboten wie Kanu- und Fahrradtouren, Kletterausflügen und vielem mehr Erfahrungen mit allen Sinnen machen.

Handys sind verboten – sie werden nur einmal pro Woche während „Stadtgängen“ herausgegeben: „Das fördert die Gemeinschaft – und bedeutet auch eine riesige Entschleunigung“, stellt Habura heraus.

Weitere Informationen zur Kinderfreizeit gibt es bei Sebastian Richter unter Telefon 01 70 / 2 26 34 43, über die Ferienspiele informiert Daniel Witt unter 01 51 / 62 51 08 87. Anmeldungen sind per E-Mail möglich an Stadtjugendpflege@stadtallendorf.de

Betreuer gesucht

Die Stadtjugendpflege sucht noch Betreuer für die Ferienspiele und die Kinderfreizeit in den Sommerferien.

Interessierte müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit sind gerne gesehen, aber nicht zwingende Voraussetzung. Angehende Betreuerinnen und Betreuer werden an acht Abenden sowie zwei Tages- und einem Wochenendseminar auf ihre Tätigkeit vorbereitet. Sie erhalten eine Aufwandsentschädigung, ein qualifiziertes Arbeitszeugnis und die Qualifikation zum Erwerb der Jugendleiter/in-Card.

Weitere Infos gibt es bei der Stadtjugendpflege, Bahnhofstraße 2, Telefon 0 64 28 / 707-260 oder 01 72 / 6 36 85 31.

Von Florian Lerchbacher

06.03.2022
04.03.2022