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Ostkreis Gewerbegebiet Nord-Ost darf wachsen
Landkreis Ostkreis Gewerbegebiet Nord-Ost darf wachsen
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16:00 13.01.2022
Das Gewerbegebiet Nord-Ost darf jenseits der Bundesstraße wachsen, sagt die Regionalplanungsbehörde.
Das Gewerbegebiet Nord-Ost darf jenseits der Bundesstraße wachsen, sagt die Regionalplanungsbehörde. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Das Gewerbegebiet Nord-Ost am Rande Stadtallendorfs ist bereits jetzt ein „Filetstück“ angesichts der Anschlussstelle der A 49 in der direkten Nachbarschaft. Doch klar ist auch, dass dieses „Filetstück“ in nicht allzu ferner Zukunft komplett verteilt sein dürfte. Umso wichtiger und für die Gewerbeentwicklung bedeutender wird in den nächsten Jahren die Erweiterung dieser Flächen. „Noch haben wir aber Optionen im Bestand“, sagt Bürgermeister Christian Somogyi ausdrücklich.

Planungsrechtlich steht aktuell alles auf Anfang. Zunächst ist die Regionalplanung gefordert. Im Entwurf des künftigen Regionalplanes Mittelhessen (siehe Infokasten) sind als Vorranggebiet „Industrie und Gewerbe Planung“ rund 42 Hektar Fläche vorgesehen. Das entspräche in der Theorie der Fläche von 55 Fußballfeldern.

Ein Großteil dieser jetzigen landwirtschaftlichen Flächen – etwa 30 Hektar – läge auf der dem jetzigen Gewerbegebiet gegenüberliegenden Seite der B 454. Doch Somogyi und die Stadtverwaltung schränken gleich ein: Diese Angabe sei eine Bruttogröße, am Ende werde eine neue Gewerbefläche deutlich kleiner ausfallen. Eines ist schon jetzt klar: Bei der Umweltprüfung durch die Regionalplanung hatte es seinerzeit deutlich formulierte Bedenken gegeben. Zentrale Punkte sind dabei Luft und Klima. Denn diese Grünflächen dienten mit einem „bodennahen Strömungssystem“ der Belüftung naher Siedlungsgebiete, sprich wesentlichen Teilen der Stadtallendorfer Kernstadt. Klares Fazit der reinen Umweltprüfung: „Verzicht auf die Eingriffsfläche“.

Auflagen und Einschränkungen

Doch am Ende, nach der Abwägung aller Gesichtspunkte, bleibt diese Fläche in voller Größe im Regionalplan-Entwurf stehen. Denn das Regierungspräsidium (RP) Gießen sieht für Stadtallendorf keine anderen Möglichkeiten zu diesen Arealen für die weitere Gewerbeentwicklung. „Ohne Festlegung dieses Vorranggebiets ‚Industrie und Gewerbe Planung‘ wäre der errechnete Bedarf der Stadt Stadtallendorf an Gewerbeflächen im Umfang von 45 Hektar voraussichtlich nicht zu decken, da es an geeigneten Alternativen fehlt“, heißt es in der Antwort der Gießener Behörde auf Anfrage der OP.

Gewerbegebiete sollten vorrangig an Autobahnen und größeren Bundesstraßen ausgewiesen werden, um Ortslagen und Ortsdurchfahrten zu entlasten, so die weitere Erläuterung von Sprecher Thorsten Haas. Um an diesen Punkt zu gelangen, seien einige Gespräche mit den anderen Behörden geführt worden, auch mit Landrätin Kirsten Fründt und dem Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich, so Somogyi.

Allerdings muss die Stadt mit Auflagen rechnen. Planungsrechtlich sollen die Flächen nämlich auch „Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen“ werden, so steht es im Prüfbogen und der Abwägung. Wenn die Stadt in der Zukunft also dort Bebauungspläne für ein Gewerbegebiet erstellt, dann muss sie zum Beispiel ausreichend Platz zwischen Gebäuden vorschreiben, mit viel Grün planen oder Gebäude so anordnen, dass sie in Fließrichtung der Luft stehen. Diese Punkte nennt das RP.

Nettofläche wird deutlich geringer

Auch der Stadt sei klar, dass ein solcher Eingriff nicht ohne Ausgleich bleiben könne und dürfe, sagt Somogyi dazu. Er verweist dabei auf das Projekt „Grünes Band“, das Stadtallendorfs Kernstadt in Zukunft durchziehen soll (die OP berichtete).

Wie viel Gewerbefläche die Stadt am Ende tatsächlich neu ausweisen wird und wann, ist noch offen. Denn bevor sich diese Flächen entwickeln lassen, muss die A 49 fertiggestellt werden, der Regionalplan muss in Kraft sein und das Flurbereinigungsverfahren für dieses Gebiet muss gelaufen sein. All das dauert Jahre.

„Die Nettofläche wird schließlich deutlich geringer sein als das, was im Plan jetzt steht“, betont Somogyi an dieser Stelle erneut. Neben den genannten 30 Hektar jenseits der B 454 sind etwa auch Erweiterungsflächen für das Kompetenzzentrum der Eisengießerei Fritz Winter oder für den Bau- und Gartenmarkt im Entwurf schon vorgesehen, was die Differenz zur Gesamtsumme von 42,4 Hektar im Regionalplan-Entwurf erklärt.

Regionalplan-Entwurf

Der Regionalplan Mittelhessen enthält die überörtliche Planung für den Regierungsbezirk Gießen, zu dem auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf gehört. Derzeit gilt der Regionalplan Mittelhessen 2010, dessen Fortschreibung für die nächsten zehn Jahre zur Einsicht ausliegt. Die sogenannte Offenlage endet am 11. März. Bis dahin können Bürger, Behörden, Kommunen sowie sonstige öffentliche und private Stellen Einwände abgeben. Mit diesen beschäftigt sich die Regionalversammlung, eventuell kommt es zu einer zweiten Offenlage. Anschließend beschließt die Regionalversammlung den Plan, den die Landesregierung genehmigen muss. Wann der Regionalplan rechtskräftig wird, hängt insbesondere von Umfang und Inhalt der Stellungnahmen ab.

Die Regionalversammlung Mittelhessen bilden 31 Vertreter von Landkreisen und großen Städten. Ziel der Regionalplanung ist, die Entwicklung der Gemeinden aufeinander abzustimmen. Deshalb legt der Plan zum Beispiel überörtliche Straßen, Siedlungs-, Gewerbe-, Naturschutz- und Waldgebiete, landwirtschaftliche Flächen sowie Gebiete für den Klima- und Hochwasserschutz fest. Der Regionalplan bildet somit die Grundlage für das weitere Planen einer Gemeinde.

Der Plan ist im Kreishaus einsehbar oder unter https://rp-giessen.hessen.de/planung/regionalplanung/regionalplan-mittelhessen im Internet aufzurufen. Stellungnahmen können unter https://beteiligungsportal.hessen.de/portal/rpgi/beteiligung/themen/1000180, per E-Mail an regionalplan@rpgi.hessen.de oder beim Regierungspräsidium Gießen, Dezernat 31 - Regionalplanung, Bauleitplanung, Colemanstraße 5, 35394 Gießen, abgegeben werden.

Von Michael Rinde

13.01.2022
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