Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Feuerwehrleute müssen schneller werden
Landkreis Ostkreis Feuerwehrleute müssen schneller werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:58 08.05.2022
Dorthin kommen die Stadtallendorfer Feuerwehren innerhalb von zehn Minuten.
Dorthin kommen die Stadtallendorfer Feuerwehren innerhalb von zehn Minuten. Quelle: mr//media, Dr. Günter Körtner
Anzeige
Stadtallendorf

Jede Minute zählt – bei jedem Einsatz, bei dem Feuerwehren mit Blaulicht ausrücken. Für sie gilt eine sogenannte Hilfsfrist von zehn Minuten nach Alarmierung. In Stadtallendorfs Kernstadt gibt es seit dem Umzug der Feuerwehr Mitte an ihren Übergangsstandort aber nachweislich Probleme mit dem Einhalten dieser zentralen Frist. Bei vier Einsätzen im März und April wurde die Frist um ein oder zwei Minuten überschritten. Das Übergangsquartier befindet sich seit Anfang März in einer Halle auf dem Gelände des Herrenwaldstadions. Luftlinie ist die Interimslösung eigentlich nur wenige Meter vom alten und künftigen Standort der Feuerwache entfernt.

Das Problem fiel nicht nur der Feuerwehr selbst auf, sondern auch der Brandschutzaufsicht des Landkreises, die Hilfsfristen ebenfalls ständig überwacht. In der Verantwortung für die Einhaltung steht die Stadt, namentlich Bürgermeister und Magistrat. Schnell war die Ursache für die entscheidenden Verzögerungen klar, so erläutert Stadtbrandinspektor Patrick Schulz. Hauptursache ist, dass viele aktive Feuerwehrleute im „alten Dorf“ und in der Haartsiedlung wohnen. Auf der Anfahrt zur Übergangs-Feuerwache müssen sie jetzt einen weiteren Kreisverkehr durchfahren. Und das kostet je nach Verkehr die entscheidende Zeit.

Transporter mit Blaulicht am Festplatz

Außerdem arbeiten viele Feuerwehrleute tagsüber bei der Eisengießerei Winter. Auch sie haben mit Privatwagen Probleme bei der Anfahrt, insbesondere am Kreisverkehr „Blumenkreisel“ (Herrenwaldstraße/Waldstraße/Niederkleiner Straße und Schillerstraße). Es gibt ein Lösungskonzept. Im Ausschuss für öffentliche Sicherheit, Generationen und Soziales stellte es die Verwaltung zur Abstimmung. Die Zeit drängt; jetzt, wo das Problem auf dem Tisch liegt, muss es sofort angegangen werden.

Auf dem Festplatz Kirchhainer Weg im „alten Dorf“ wird ein Mannschaftstransportwagen fest stationiert. Außerdem wird Einsatzkleidung im Gebäude des früheren Vogelzuchtvereins deponiert. So bald wie möglich entsteht dort auch ein Carport für das Fahrzeug. Dieser Transporter wird aktuell bereits beschafft, es wird wohl ein gutes Gebrauchtfahrzeug sein. Damit kommen die Feuerwehrleute künftig mit Martinshorn und Blaulicht an ihre Einsatzstellen, wo sie dann auf ihr eigentliches Löschfahrzeug treffen (Rendezvousverfahren genannt).

Die Hilfsfristen

Das Hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz (HBKG abgekürzt) regelt Hilfsfristen eindeutig. Wörtlich heißt es dort: „Die Gemeindefeuerwehr ist so aufzustellen, dass sie in der Regel zu jeder Zeit und an jedem Ort ihres Zuständigkeitsbereiches innerhalb von zehn Minuten nach der Alarmierung wirksame Hilfe leisten kann.“ Dies steht in Paragraph 3, Absatz 2 HBKG.

Konkret bedeutet das in der Auslegung, dass zehn Minuten nach Alarm das erste Löschfahrzeug, besetzt mit sechs Feuerwehrleuten, an einem Brandort eingetroffen sein muss und die Besatzung beginnt zu helfen („Ausrüstungsstufe 1“). In der Ausrüstungsstufe 2 muss nach weiteren fünf Minuten eine weitere taktische Einheit mit neun Feuerwehrangehörigen vor Ort sein.

Für Rettungsdienste gelten andere Fristen. Sie liegen bei 10 bis 15 Minuten bis zum Eintreffen. Überörtliche Hilfe, also wenn Wehren aus Nachbarstädten sich gegenseitig unterstützen müssen, muss nach 30 Minuten vor Ort sein.

Wie Stadtbrandinspektor Schulz der OP erläutert, soll dabei auch berücksichtigt werden, dass der nächste Bauabschnitt der B 454 näher rückt. Dann kommt es zu Vollsperrungen, das alte Dorf wäre nur über eine Umleitung erreichbar. „Darum denken wir schon jetzt daran, dort dann ein Löschfahrzeug zu stationieren“, sagt Schulz. Um das Problem der aktuell fünf Feuerwehrleute bei der Gießerei zu lösen, wird dort ein Kommandofahrzeug, ein Opel Zafira, auf einem eigenen Parkplatz stationiert. Zurzeit fährt es noch der Stadtbrandinspektor. Das Fahrzeug sollte nächstes Jahr ohnehin ersetzt werden, der Neukauf wird jetzt vorgezogen.

Die genauen Kosten dieser Veränderungen werden noch gerechnet. Im Ausschuss gab es zunächst Diskussionen, unter anderem über die Frage, ob diese Probleme nicht voraussehbar gewesen wären. Stefan Rhein (CDU) stellte sogar die Frage, ob sich die Aufsichtsbehörde nicht in Regress nehmen ließe. Dazu kommen sowohl vom Bürgermeister und vom Stadtbrandinspektor als auch vom Landkreis als Aufsichtsbehörde klare Aussagen.

Aufsicht für gefundene Lösungen

„Dass wir unter Umständen nachbessern müssen, stand immer im Raum, diese Probleme ließen sich so nicht vorausberechnen“, so Somogyi. Die Brandschutzaufsicht, vertreten durch Kreisbrandinspektor Lars Schäfer, sieht das genauso. Sie verweist darauf, dass sie bei der Genehmigung des Interimsstandorts am Stadion darauf hingewiesen hat, dass Nachsteuerungen möglich sein könnten, wenn es zu Problemen bei der Hilfsfrist kommt. Diese Mitteilung datiert vom 24. Mai 2019. Die jetzt geplanten Änderungen unterstützt der Kreis ausdrücklich. „Wir begrüßen den vom Stadtbrandinspektor erarbeiteten Lösungsansatz“, erklärt die Aufsichtsbehörde auf Nachfrage der OP.

„Alles war gut geplant und vorbereitet“, sagt Stadtbrandinspektor Schulz. Doch manches lasse sich eben nicht exakt vorausberechnen, nimmt er auch alle Verantwortlichen aus der Vergangenheit in Schutz.

Ein Appell an die Kollegen

Im Ausschuss machte Bürgermeister Somogyi deutlich, dass er nach dem Votum des Magistrats (was ausgereicht hätte) eine schnelle politische Entscheidung brauche. Ansonsten werde er alleine entscheiden und handeln. Werner Hesse (SPD) formulierte einen deutlichen Appell an seine Kollegen, jetzt zuzustimmen. Das geschah am Ende auch einstimmig bei einer Enthaltung.

In etwa sechs Wochen sollen die Veränderungen greifen. Bis dahin setzt Stadtbrandinspektor Schulz auf eine Straffung der Ausrückephase, um entscheidende Zeit einzusparen. „Die Sicherheit der Bürger war immer gewährleistet und ist es auch jetzt“, betont er.

Von Michael Rinde

Ostkreis Stadtjubiläum Neustadt - Festlich, fröhlich, freundlich
06.05.2022
06.05.2022