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Ostkreis Von der Wache ins Zelt – und wieder zurück
Landkreis Ostkreis Von der Wache ins Zelt – und wieder zurück
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21:00 10.01.2022
Die Freiwillige Feuerwehr Stadtallendorf zieht um. Insgesamt 34 Feuerwehrleute stemmten am Samstag den zweiten Teil der Umzugsaktion in das Provisorium am Herrenwaldstadion.
Die Freiwillige Feuerwehr Stadtallendorf zieht um. Insgesamt 34 Feuerwehrleute stemmten am Samstag den zweiten Teil der Umzugsaktion in das Provisorium am Herrenwaldstadion. Quelle: Tobias Hirsch
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Stadtallendorf

39 Jahre lang war die Freiwillige Feuerwehr Stadtallendorf Mitte an der Straße des 17. Juni zu Hause. Nun müssen die Kameraden umziehen. Im August dieses Jahres soll die alte Feuerwache abgerissen werden. Der Einzug in den Neubau an der gleichen Stelle ist für Sommer 2023 geplant. Daher heißt es jetzt Kisten packen, in die Hände spucken und Tonnen von Material in die provisorische Feuerwache am Herrenwaldstadion transportieren. Bis Ende des Monats muss alles über die Bühne sein.

„Wir haben schon gut was weggeschafft“, sagt Stadtbrandinspektor Patrick Schulz beim Gang durch das in die Jahre gekommene Gerätehaus. Die Schlauchwerkstatt, die Atemschutzgerätewerkstatt und die Küche sind abgebaut und in Kisten verpackt. Auch die Werkstatt für die Feuerwehrfahrzeuge ist bereits leer. „Gut 50 Paletten mit Material, Möbeln und Kartons haben wir schon verladen und auf verschiedenen Standorten verteilt“, erklärt Schulz. Alles was unmittelbar für Einsätze benötigt wird, kommt in das große Zelt am Stadion. Der Rest wird auf diverse Lagerräume im Stadtgebiet, wie etwa das ehemalige Postgebäude, das alte Feuerwehrgerätehaus in Erksdorf und das frühere Treibstoffdepot der Bundeswehr, verteilt.

Im Gerätehaus in der Straße des 17. Juni befinden sich nur noch die Fahrzeuge, die Funkzentrale und die Umkleidespinde der Einsatzabteilung. „Bis Ende Januar rücken wir noch von hier aus“, sagt Schulz.

Wehrführer Gunther Hahn zieht einen Rollwagen mit Umzugskisten. Quelle: Tobias Hirsch

Viele der Stadtallendorfer Feuerwehrkameraden blicken dem Umzug mit Freude entgegen. „Unsere Interimslösung ist besser als so manches Gerätehaus anderer Wehren“, sagt Wehrführer Gunther Hahn über das 600 Quadratmeter große Zelt am Stadion. „Wir haben da wirklich alles, was wir brauchen“, lobt Hahn die Übergangslösung. An das 600 Quadratmeter große Zelt, in dem die Fahrzeuge untergebracht werden, sind noch einmal 13 Bürocontainer mit insgesamt 180 Quadratmetern Fläche angeschlossen. „Das werden Büros, Werkstätten und Lagerräume“, ergänzt Schulz. Toiletten und Duschen gehören natürlich auch dazu. Für die Umkleidespinde der Einsatzabteilung ist dort allerdings kein Platz. Dafür wurde eigens in der Fahrzeughalle, sprich dem Zelt, ein zusätzlicher Raum aus Holzfaserplatten geschaffen. „Der entspricht genau den Abmessungen unseres Umkleideraums im alten Gerätehaus, damit wir die Spinde hier eins zu eins aufstellen können“, erklärt Schulz. Die Spinde einfach in die Fahrzeughalle zu stellen war für die Kameraden keine Option. „Die Halle wird auf maximal acht Grad beheizt, damit die Fahrzeuge nicht einfrieren. Zum Umziehen ist das im Winter allerdings zu kalt“, sagt Schulz. Das Zelt hat die Stadt übrigens für 300 000 Euro von der Firma Ferrero übernommen. Der Süßwarenhersteller hatte es seinerzeit im Einsatz, als deren Werkfeuerwehr ein Provisorium brauchte. Alles in allem erhalte die Wehr sowieso viel Unterstützung von ortsansässigen Firmen. „Die helfen uns mit Paletten und Kartons aus. Das ist wirklich eine großartige Sache“, lobt Schulz.

Die Freiwillige Feuerwehr Stadtallendorf zieht um – und alles muss durch diese Tür! Quelle: Tobias Hirsch

Während Wehrführer Hahn dem Umzug mit Freude entgegenblickt, für ihn und vier weitere Kameraden ist es bereits der dritte Umzug der Feuerwache, betrachtet Stadtbrandinspektor Schulz die Sache etwas differenzierter: „Bei manchen Kameraden wird es mit Sicherheit auch etwas Wehmut geben, wenn wir uns Ende des Monats endgültig von dem alten Gebäude verabschieden. Schließlich haben wir hier viele schöne Stunden verbracht, aber auch schlimme Momente erlebt, nach belastenden Einsätzen wie tödlichen Unfällen zum Beispiel.“

Dieses 600 Quadratmeter große Zelt am Herrenwaldstadion wird für zwei Jahre das neue Zuhause der Stadtallendorfer Feuerwehr sein. Quelle: Tobias Hirsch

Nichtsdestotrotz blickt die Stadtallendorfer Feuerwehr gespannt und mit hohen Erwartungen nach vorne. Schließlich ist es nach jedem Umzug der Feuerwache besser geworden: erst vom alten Gerätehaus am Scheidsweg im Alten Dorf mit seinen zwei Fahrzeugstellplätzen in die Wache an der Straße des 17. Juni mit seinen fünf Rolltoren. Und im Sommer des nächsten Jahres steht schließlich schon wieder ein Umzug an – zurück an den jetzigen Standort, dann allerdings in einen Neubau, mit Übungsturm und zehn Fahrzeuggaragen. Dann wird man auch optisch sehen: Stadtallendorf hat die zweitgrößte Wehr im Landkreis.

Von Tobias Hirsch

Die Freiwillige Feuerwehr Stadtallendorf bekommt ein neues Gerätehaus. Dafür muss das alte aber erstmal abgerissen und an gleicher Stelle ein neues gebaut werden. In der Zwischenzeit rücken die Kameraden von einem Zelt am Herrenwaldstadion aus. 
09.01.2022
10.01.2022