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Ostkreis Kasernen bekommen "Baukasten-Unterkünfte"
Landkreis Ostkreis Kasernen bekommen "Baukasten-Unterkünfte"
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08:50 30.10.2019
Die Bundeswehr behält die Hessen-Kaserne. Ihre Wiederinbetriebnahme wird vermutlich deutlich teurer. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Die Bundeswehr setzt bei ihrem künftigen Unterkunftsstandard auf „Ein-Personen-Stuben“. Vorhandene Unterkünfte werden entweder saniert oder gleich durch Neubauten ersetzt. Am Montag, 28. Oktober, unterzeichneten Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer und der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Dr. Peter Tauber (beide CDU) eine Vereinbarung.

Hessische Baubehörden wie der Landesbetrieb Bau und Immobilien in Hessen (LBIH) errichten insgesamt 1.300 Unterkünfte, also „Stuben“. „Die angemessene und zeitgemäße Unterbringung unserer Soldatinnen und Soldaten ist für die Bundeswehr wichtig“, unterstrich Staatssekretär Peter Tauber.

Zum Auftakt entstehen 400 Unterkünfte in Schwarzenborn, Baubeginn ist nächstes Jahr. Das Besondere an dem Vorhaben: Die Unterkünfte entstehen in einem Baukastensystem und werden aus Holz errichtet. Sie lassen sich, so der Plan der Bundeswehr und der Bauverwaltungen, an verschiedenen Standorten verwenden. Aufwendige Neuplanungen sollen dann wegfallen. Die einzelne Unterkunft einschließlich Bad wird vormontiert und vor Ort mit anderen Gebäudeteilen zusammengefügt.

Stadtallendorf behält zwei Kasernen

Am Schluss folgen Fassade und Dach. Zunächst ist das ein Modellprojekt, entwickelt in Hessen. Sollte alles wie erwartet verlaufen, so wäre es bundesweit nutzbar. In Hessen sollen Unterkünfte an den Standorten Frankenberg/Eder, Fritzlar, Kassel, Pfungstadt und eben auch in Stadtallendorf folgen. Insgesamt, so hieß es gestern aus dem Finanzministerium, investiert die Bundeswehr rund 590 Millionen Euro in den nächsten Jahren in hessische Standorte.

Noch etwas kommt hinzu: Seit August ist klar, dass Stadtallendorf zwei Kasernen behält, die Hessen-Kaserne in der Artilleriestraße wird wiederbelebt. Ein Umstand, den auch Finanzminister Schäfer und Staatssekretär Tauber am Montag, 28. Oktober, in einer gemeinsamen Presseerklärung hervorhoben. „Das Bekenntnis zur Hessen-Kaserne ist für Stadtallendorf wie für die gesamte Region eine Entscheidung für die Zukunft gewesen“, so Schäfer.

Allerdings stellte sich auch heraus, dass die von Staatssekretär Dr. Tauber im August genannten 100 Millionen Euro für die Reaktivierung bei weitem nicht reichen werden. Am Montag wurde erstmals eine Summe von 160 Millionen Euro genannt. Die neue Summe bezieht sich dabei auf eine Nutzung der Hessen-Kaserne für ein Bataillon oder Regiment.

Frühe Planungsphase

Die OP hatte zuletzt darüber berichtet, dass die Bauplaner in Bonn inzwischen davon ausgehen, dass alle 37 Gebäude der Hessen-Kaserne abgerissen und dem Bedarf entsprechend neu gebaut werden müssen. Im Laufe des ersten Halbjahres 2020, so die aktuelle Einschätzung, soll klar sein, welche Einheiten in der neuen Hessen-Kaserne ihre künftige Heimat finden.

Wann wie viele Unterkünfte in den beiden Kasernen am Standort Stadtallendorf gebaut werden, stehe in dieser frühen Planungsphase noch nicht fest, erklärte gestern ein Sprecher des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr auf OP-Anfrage.

Frühere Planungen von Bundeswehr und Bauverwaltung sahen vor, dass die Unterkünfte in der weitgehend belegten Herrenwald-Kaserne ab dem Jahr 2025 auf den neuen, zeitgemäßen Bundeswehr-Standard gebracht werden sollen. Den Bedarf dafür hatten unterschiedliche Kommandeure der Division Schnelle Kräfte in den vergangenen Jahren immer wieder angemeldet.

von Michael Rinde