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Ostkreis Der Mann ohne Jacke geht
Landkreis Ostkreis Der Mann ohne Jacke geht
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17:58 01.11.2019
Bürgermeister Christian Somogyi übergab die Entlassungsurkunde an Friedrich Greib (Mitte). Mit dabei sind die Personalvertreter (von links) Rolf Weber, Bernd Zink, Petra Preis und die Gleichstellungsbeauftragte Renate Weitzel. Rechts: der neue Hauptamtsleiter Patrick Fischer. Quelle: Mayer
Marburg

Der Hauptamtsleiter der Stadt Stadtallendorf mag es nicht mollig in seinem Amtszimmer, und bei Besprechungen mit seinen Kolleginnen und Kollegen kommt er meist hemdsärmelig daher. Zu seiner offiziellen Verabschiedung nach 47 Jahren Öffentlicher Dienst blieb das Jacket nicht im Schrank. Der Magistratsdirektor weiß, was sich bei offiziellen Anlässen gehört. Und diesen Anlass gab es am Mittwoch im Rathaus.

Bürgermeister Christian Somogyi überreichte seinem wichtigen Mitarbeiter die Entlassungsurkunde der Stadt. Von den Mitarbeitern der Stadtverwaltung hatte sich Friedrich Greib bereits im Sommer mit einem großen Fest verabschiedet.
Während der Zeremonie würdigte der Bürgermeister das große Fachwissen und die unbedingte Loyalität des verheirateten Familienvaters von zwei Söhnen, der zudem Großvater eines Enkels ist.

Seit 17 Jahren in Stadtallendorf

Der Amöneburger habe die Volksschule Amöneburg, die Stiftsschule Sankt Johann Amöneburg und die Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung besucht. Jeweils dreijährige Ausbildungen zum Verwaltungsangestellten und zum Beamtenanwärter im gehobenen Dienst folgten. In verschiedenen Funktionen habe er bis 2002 der Stadt Marburg gedient, sagte der Bürgermeister.

In Stadtallendorf habe Friedrich Greib ab 2002 die Stelle des Leiters der zentralen Steuerung, dem Fachbereich 1 beim Magistrat innegehabt, erklärte Christian Somogyi. In dieser Zeit habe Friedrich Greib mit seiner Menschlichkeit und mit seiner Fähigkeit, Lösungswege in schwierigen Situationen zu finden, große Wertschätzung gewonnen – auch die seine, sagte der Bürgermeister. Dankbar sei er für die professionelle Einarbeitung seines Nachfolgers, ergänzte der Bürgermeister.
Personalrat Rolf Weber würdigte Greibs menschliche Seite. „Wir schätzen sehr, was Sie für das Personal getan haben. Als Hauptamtsleiter waren Sie immer auf der Seite der Beschäftigten“, sagte Rolf Weber.

„Es stimmt alles, was bisher gesagt wurde. Ich kann das alles unterstützen. Das Gebot der Menschlichkeit kam mit Ihnen in dieses Haus“, sagte Bernd Zink, Personalrat für die Verwaltung. Dem schloss sich auch die Personalvertreterin Petra Preis an.

Patrick Fischer, der Friedrich Greib im Amt folgt, prophezeite: „Die Kolleginnen und Kollegen werden Sie vermissen.“ Er seit bereits ein Jahr im Hause, ohne dass er eine Leiche im Keller gefunden habe. Das spreche für Greib, sagte Patrick Fischer scherzhaft und betonte, dass ihm sein Nachfolger den Einstieg leicht gemacht habe.

„Ich wusste gar nicht, dass ich so gut war“, antwortete Fridrich Greib. Er habe in seiner Laufbahn Höhen und Tiefen erlebt. Am Ende zähle das Positive. Am Anfang seiner Laufbahn im Öffentlichen Dienst bei der Stadt Marburg habe er im Sozialamt gearbeitet und eine schwierige Seite des Lebens kennengelernt – später als Referent des Bürgermeisters die andere Seite.

Als er vor 17 Jahren nach Stadtallendorf wechselte, sei er ins kalte Wasser geworfen worden. „Eine Einarbeitung gab es nicht, und das war für mich gut“, sagte der scheidende Hauptamtsleiter. Er habe so die wichtigen Dinge für sich erschließen können und sehr viel gelernt.

„Ich hatte ein interessantes Arbeitsleben, und ich denke, wir haben es zusammen ganz gut hinbekommen“, sagte der Amöneburger, der seiner Heimatstadt über viele Jahre als aktiver Feuerwehrmann diente. Noch bis in sein 62. Lebensjahr sei er Atemschutzgeräteträger gewesen – möglicherweise durch ein Versehen der für die Untersuchung zuständigen Ärztin.

Wie beim Atemschutz: Man baut langsam ab

Friedrich Greib räumte ein, dass eine Altersgrenze für Atemschutzgeräteträger wegen der enormen Belastungen notwendig ist. Diese Erkenntnis lasse sich auch auf das Berufsleben übertragen: „Es ist wie beim Atemschutz – man baut langsam ab“, sagt der Beamte, der eine gute Gesundheit und starke Nerven mit in seinen Beruf brachte.

Zum Schluss würdigte er den Arbeitsplatz Stadtverwaltung Stadtallendorf in höchsten Tönen. Das Gebäude sei großartig und die vorhandene Technik ebenso. Auch die Einrichtung der Arbeitsplätze entspräche gehobenen Standards, sagte Greib, der zum Schluss eine gute Nachricht an das Kollegium hatte: „Ab jetzt darf wieder geheizt werden. Denn jetzt bin ich weg.“

von Matthias Mayer