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Ostkreis „Wir wollen vorbereitet sein“
Landkreis Ostkreis „Wir wollen vorbereitet sein“
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15:59 24.03.2022
Feuerwehrleute bauten im Erksdorfer Bürgerhaus Feldbetten auf, falls weitere Notquartiere gebraucht werden.
Feuerwehrleute bauten im Erksdorfer Bürgerhaus Feldbetten auf, falls weitere Notquartiere gebraucht werden. Quelle: Michael Rinde
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Erksdorf

Es dauert nur wenige Augenblicke, schon ist das Feldbett aus der Hülle genommen und aufgebaut. Minuten später stehen die ersten in einem der Säle des Bürgerhauses Erksdorf. Bis auf Weiteres ist das Gebäude ein Notquartier – vorsorglich. Die Stadt Stadtallendorf will sich auf den Fall vorbereiten, dass der Kreis respektive das Land weitere Quartiere für ukrainische Kriegsflüchtlinge benötigt. Am Dienstagabend bauten Feuerwehrleute aus Erksdorf und Stadtallendorf die Betten auf. Die Vorbereitungen dafür liefen seit etwa anderthalb Wochen, erläutert Bürgermeister Christian Somogyi gegenüber der OP.

Kreissprecher Stephan Schienbein erklärt auf Nachfrage dieser Zeitung seinerseits, dass es keine „Einsatzbefehle“ für die Bereitstellung von Bürgerhäusern gibt. Allerdings haben Städte und Gemeinden die Empfehlung erhalten, ihre Ausrüstung für solche „Betreuungsplätze 50“ zu prüfen. „Wir hoffen nach wie vor, dass die Errichtung solcher Notunterkünfte in Bürgerhäusern nicht notwendig wird, und betreiben deswegen die Wohnungssuche mit Hochdruck“, sagt Schienbein.

Betreuungsplätze

Das Brand- und Katastrophenschutzgesetz verpflichtet Städte und Gemeinden, Betreuungsplätze für unvorhergesehene Ereignisse, also Brände, Unwetter und ähnliche Szenarien, bereitzuhalten. Dies ist Sache der Kommune, nicht des Katastrophenschutzes. 50 Plätze sind je nach Größe der Kommune mindestens nötig. Meist sind dies Bürgerhäuser, wie für Stadtallendorf das in Erksdorf oder das zentrale Kirchhainer Bürgerhaus zum Beispiel. Nicht nur Material muss vorhanden sein, auch beispielsweise eine Notstromversorgung und Ähnliches.

„Wir wollen vorbereitet sein“, sagt Somogyi ausdrücklich. Jetzt kommt die Ausrüstung zum Einsatz, die die Stadt auf Anordnung des Landes seit Anfang 2020 bereithält – so wie die anderen hessischen Kommunen (siehe Infokasten). Bisher lagerten die 50 Feldbetten, Decken und weiteres Material, was benötigt wird, im Erksdorfer Feuerwehrgerätehaus. Die Stadt Stadtallendorf geht davon aus, dass bei einem Einsatzbefehl vor allem Frauen und Kinder unterzubringen wären. Darauf sind auch die Planungen für den Fall der Fälle ausgelegt. In einem Saal stehen zusätzliche Bettchen für Kleinkinder bereit, es gäbe einen Aufenthaltsraum für tagsüber. Gleich neben dem Bürgerhaus steht ein Sanitärcontainer aus Beständen der Stadt Stadtallendorf. Er wird aktuell einsatzbereit gemacht.

Auch eine Dolmetscherin ist organisiert, sollten ukrainische Flüchtlinge in Erksdorf ankommen. Die Versorgung möchte die Stadt bei Bedarf in engem Zusammenspiel mit Erksdorfer Frauen organisieren, so der Plan der Verwaltung. Dafür verfügt das Erksdorfer Bürgerhaus über eine voll ausgestattete Küche. Ortsvorsteher Udo Krebs ist Ansprechpartner im Dorf. Er stellt jetzt das Küchenpersonal zusammen und freut sich auf Freiwillige, die helfen wollen. „Wir werden das hinbekommen“, verbreitet er Zuversicht. Die Resonanz im Dorf sei groß und gut. Unterstützung werde es vor allem beim Start brauchen, Zug um Zug werde es sicher auch Hilfe der Geflüchteten selbst geben. Wer bei Bedarf helfen will, kann sich direkt an den Ortsvorsteher wenden.

Mehr Decken und Material

Viele Kleinigkeiten seien in den vergangenen Tagen vorbereitet und organisiert worden, berichten Fachdienstleiter Marco Sommer und sein Kollege Uli Weber. Ein Beispiel: So muss Material ergänzt werden, um sich auf eine eventuell wechselnde Belegung der Betten vorzubereiten. Mehr Decken waren nötig. „Wir wollen vorbereitet sein und nicht erst anfangen, wenn der erste Bus schon angekündigt wird“, unterstreicht Fachbereichsleiter Patrick Fischer.

Am Freitagmittag soll das Notquartier in Erksdorf einsatzbereit sein, so das erklärte Ziel. Ob und wann es dann gebraucht wird, ist wie schon erwähnt vollkommen offen.

Vereine und Nutzer des Bürgerhauses Erksdorf sollen in den nächsten Wochen nach Hatzbach und Wolferode ausweichen, das habe der Eigenbetrieb Dienstleistungen und Immobilien organisiert, so Somogyi auf die Nachfrage der OP.

Aktuell hat Stadtallendorf – Stand Dienstagabend – 107 ukrainische Kriegsflüchtlinge in der Stadt registriert, 100 Frauen und Kinder, 7 Männer. Im nächsten Schritt müsse es jetzt darum gehen, die Menschen zu integrieren und gut zu versorgen, so Somogyi. Auch daran werde in der Verwaltung bereits intensiv gearbeitet, ebenso bei vermeintlichen Kleinigkeiten. Im Bürgerbüro steht eine Mitarbeiterin mit Sprachkenntnissen bereit, die unterstützt, wenn ankommende Geflüchtete Fragen haben.

Von Michael Rinde

25.03.2022