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Ostkreis Stadt sagt Raupen den Kampf an
Landkreis Ostkreis Stadt sagt Raupen den Kampf an
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17:58 09.07.2019
Baumkontrolleur Oliver Feußner zeigt im Stadtallendorfer Feld auf ein Nest des Eichenprozessionsspinners, das geschlossen ist.  Quelle: Marcello Di Cicco
Stadtallendorf

Seit der Feststellung des ersten Baum­befalls durch den Eichenprozessionsspinner bei uns im Stadtgebiet mache ich nichts anderes mehr außer Baumkontrolle. Der Eichenprozessionsspinner hat uns sehr eingespannt“, sagt Oliver Feußner.

Der 46-Jährige ist als Forstwirt und Baumkontrolleur bei der Stadt Stadtallendorf beschäftigt und hat mit einem weiteren Kollegen seit einigen Wochen viel zu tun. Beim Eichenprozessionsspinner handelt es sich um einen „unscheinbaren grauen Falter“, erklärt Feußner.

Vom Nachtfalter selbst geht keine Gefahr aus, wohl aber von seinen Raupen. Denn jene verfügen über Brennhaare, die das Eiweiß Thaumetopoein enthalten und allergische Reaktionen bis hin zu einem allergischen Schock auslösen.

Zahlreiche Fälle im Kreis

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist der Eichenprozessionsspinner schon in verschiedenen Orten entdeckt worden: etwa in Marburg, Mardorf, Neustadt und auch in Stadtallendorf, wo er in den Stadtteilen Niederklein und Schweinsberg „stärker verbreitet“ sei, berichtet Feußner.

Markant ist, dass Befälle lediglich an Stieleichen zu verzeichnen sind – „entweder an einzelnen Bäumen oder an Bäumen, die in leicht aufgeteilten Gruppen stehen“, ist Feußner aufgefallen.

Wurden Mitte Juni in Stadtallendorf und seinen Ortsteilen noch an neun Stellen Nester gefunden (die OP berichtete), beziffert der Stadtallendorfer Forstwirt die Zahl der Befälle bezogen auf dasselbe Verbreitungsgebiet inzwischen auf 40 bis 50 – Grund genug, der Raupe den Kampf anzusagen.

„Nach dem ersten Befall haben wir gleich reagiert. Die Bekämpfung der Nester an Bäumen auf Spielplätzen oder Kindergärten steht für uns an erster Stelle“, erklärt Feußner.

Je nach Lage der Nester sorgen Absperrbänder dafür, dass Personen den befallenen Bäumen nicht zu nahe kommen; in jedem Fall hat die Stadt Warnschilder aufgestellt, auf denen steht: „Vorsicht! Eichenprozessionsspinner. Berühren Sie auf keinen Fall Raupen oder Nester. Allergie­gefahr.“

So sehr in den vergangenen Wochen und Monaten vor dem Eichenprozessionsspinner zu Recht gewarnt wird, auch weil die Härchen der Raupen bis 200 Meter fliegen können und noch fünf Jahre später für Gefahr sorgen, warnt Feußner vor allgemeiner Hysterie. „Man sollte einen gesunden Abstand zu den Nestern halten“, sagt Feußner.

Fachfirma beseitigt Nester

Wie groß dieser sein sollte, lasse sich nicht pauschal sagen, sondern hänge auch von der Beschaffenheit des Nestes ab oder ob man selbst Asthmatiker sei. „Diesen Personen würde ich generell raten, mehr Abstand zu halten“, sagt der Experte.

Erst im März besuchte der 46-Jährige mit seinem Kollegen in der Gartenbauakademie Grünberg ein Tagesseminar, in dem es 
unter anderem darum ging, wie man den Baumbefall erkennen kann. Wenn es um die Beseitigung der Raupen geht, greift die Stadt allerdings auf die Fachfirma von Schädlingsbekämpfer Jens Jarkow zurück.

Diese verfüge über notwendige Hebebühnen, um an die teils hoch in den Bäumen gelegenen Nester zu gelangen sowie über einen Spezialstaubsauger und „sehr gut geschultes Personal“, sagt Feußner, der von bis zu ein Meter langen Nestern zu berichten weiß – allerdings nicht im Stadtgebiet.

Wie hoch sich die Kosten für die Entfernung der Raupen bislang belaufen, konnte die Stadt nicht beziffern. Auch sei die langfristige Entwicklung der ­Verbreitung im Mischwald der hiesigen Region, der laut Feußners Schätzungen zu etwa 20 Prozent aus Eichen besteht, nur „schwer einzuschätzen“. Eines macht Feußner jedoch deutlich: Nachlässigkeit lässt die Stadt im Umgang mit den Schädlingen nicht walten. „Im Falle eines Zweitbefalls wird sofort nachgearbeitet“, betont Feußner.

Befall auch in Kirchhain

Wie die Stadt Kirchhain am Freitag mitteilte, wurde bereits im vergangenen Jahr der Befall von Bäumen durch den Eichenprozessionsspinner in der Kirchhainer Gemarkung festgestellt und behandelt. Im vergangenen Frühjahr seien die an verschiedenen Standorten stehenden Bäume behandelt worden, um die Raupen zu schädigen. Derzeit finden Nachkontrollen statt. Wie in Stadtallendorf werden auch in Kirchhain die Nester abgesaugt und schadfrei entsorgt.     

von Marcello Di Cicco