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Ostkreis Sponsoren sollen Carsharing ermöglichen
Landkreis Ostkreis Sponsoren sollen Carsharing ermöglichen
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00:18 14.04.2019
Ein solcher Renault Master läuft derzeit in Bad Windsheim als Carsharing-Fahrzeug. Heimische ­Unternehmen werben auf dem Fahrzeug für sich und sponsern es dadurch.  Quelle: Privatfoto
Stadtallendorf

Hinter dem englischen Wort „Carsharing“ steckt eine einfache Grundidee: sich ein (oder eben mehrere) Autos teilen. In Stadtallendorf fehlt ein solches Angebot bisher gänzlich. Carsharing gibt es beispielsweise in Rauschenberg oder in Marburg.

Möglicherweise kommt mit der zweitgrößten Stadt des Landkreises eine weitere Kommune hinzu. In Stadtallendorf könnte der private Anbieter „Mikar“ zum Zuge kommen, mit dem die Verwaltung bereits Gespräche führt. „Mikar“ hat seinen Unternehmenssitz in Deggendorf, verfügt über 22 Mitarbeiter und verwaltet rund 1.500 Standorte.

Kommunen müssen sich finanziell nicht einbringen

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Grundsatzangelegenheiten, zentrale Steuerung und Finanzen gab es eine erste Präsentation der Ideen von „Mikar“ – und die stieß unter den Mitgliedern auf breite Zustimmung. Das Konzept des Unternehmens beruht im Kern darauf, dass die Fahrzeuge vor Ort über Sponsoren finanziert werden, sich also Kommunen nicht finanziell einbringen müssen.

Die Fahrzeuge bleiben dabei im Eigentum des Unternehmens, das seinerseits dem Partner Kommune eine vierjährige Standortgarantie gibt. In der Ausschusssitzung war Tina Krieger von ­Mikar telefonisch zugeschaltet. Sie gab mithilfe einer Präsentation einen Überblick über das Angebot. „Das ist ein Car­sharing, das jedem etwas bringt“, warb sie selbstbewusst.

So es die Stadt denn wollte,­ könnte sie das Angebot aber auch selbst finanzieren. Doch dafür gab es weder bei den Ausschussmitgliedern noch bei der Verwaltungsspitze Fürsprecher an diesem Abend. Das Prinzip ist einfach: Das gesponserte Fahrzeug wird an einer zentralen Stelle stationiert. Registrierte Nutzer buchen es über das Internet und zahlen dafür einen Fixbetrag. Ein Beispiel: Ein neunsitziger Renault Master kostet pro Stunde 4,90 Euro oder 39,90 Euro für einen Tag. 

Die ersten 300 Kilometer sind frei, jeder weitere kostet 10 Cent. Bei diesem Master handelt es sich um einen Diesel, laut Tina Krieger ein Fahrzeug nach der neuesten Abgasnorm, also Euro 6. Außerdem hat Mikar diverse verschiedene Fahrzeugmodelle­ im Angebot, etwa einen Renault Zoe mit Elektroantrieb. Der Fünfsitzer kostet 3,90 Euro oder 24,90 Euro am Tag. Der Zoe ist ein Elektrofahrzeug, die Kilometerleistung ist frei.

Neunsitzer ist besonders begehrt

Die Leistung der Stadt bestünde zunächst darin, gemeinsam mit Mikar einen geeigneten Standort für das oder die Fahrzeuge zu finden. Im Bürgerbüro im Rathaus könnte auch die Registrierung der Nutzer erfolgen. Jeder Nutzer erhält eine Plastikkarte. Bucht er ein Auto, so kann er es mit der Karte öffnen. Der eigentliche Zündschlüssel befindet sich dabei in einem besonderen Fach im Fahrzeug.

Jedes Fahrzeug wird am Ende der Buchungsdauer auch wieder dort abgestellt. Bei Dieseln oder Benzinern muss das Auto vollgetankt zurückgegeben werden. Passiert das nicht, so wird das elektronisch registriert. Mikar setze sich dann direkt mit demjenigen in Verbindung. Probleme habe es deshalb aber noch nie gegeben, erläuterte Krieger den Ausschussmitgliedern.

Die Verwaltung hatte sich von dieser Präsentation vor allem ein Meinungsbild der Politik erhofft. Das Feedback war durchweg positiv. Jetzt will die Stadtverwaltung weitere Gespräche mit Mikar führen und eine Vereinbarung ausarbeiten. Die Entscheidung fällt dann im Stadtparlament. Einen möglichen Starttermin gibt es noch nicht.

Laut Tina Krieger führt Mikar derzeit auch Gespräche mit der Stadt Homberg (Ohm), die aus Sicht des Unternehmens vielversprechend sind. Wie sie gestern im Gespräch mit der OP berichtete, wäre es denkbar, dass in Stadtallendorf zunächst ein Renault Master stationiert werden könnte. Fahrzeugtyp und Fahrzeuggröße seien sehr beliebt, unterstreicht Krieger. In Bad Windsheim sei ein Master in nur 9,5 Monaten knapp 35.000 Kilometer gelaufen. Laut Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) gäbe es auch bereits einen möglichen Standort am Gesundheitszentrum in der Niederkleiner Straße. Dort gäbe es auch eine Ladesäule für Elektrofahrzeuge.

von Michael Rinde