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Ostkreis Stadtallendorf hat jetzt ein Radwegekonzept
Landkreis Ostkreis Stadtallendorf hat jetzt ein Radwegekonzept
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14:00 04.03.2021
Die Ordnungspolizei, zu der Mustafa Türkdönmez (Dritter von rechts) gehört, fährt jetzt Fahrrad. Andrea Fromberg (von rechts), Kirsten Fründt und Thomas Meyer übergaben das Radverkehrskonzept für Stadtallendorf an Christian Somogyi und Uwe Volz von der Stadtverwaltung.
Die Ordnungspolizei, zu der Mustafa Türkdönmez (Dritter von rechts) gehört, fährt jetzt Fahrrad. Andrea Fromberg (von rechts), Kirsten Fründt und Thomas Meyer übergaben das Radverkehrskonzept für Stadtallendorf an Christian Somogyi und Uwe Volz von der Stadtverwaltung. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

„Heute ist ein wichtiger Tag für Stadtallendorf“, sagte Bürgermeister Christian Somogyi, als er am Dienstagmorgen aus den Händen von Landrätin Kirsten Fründt und Verkehrsplanerin Andrea Fromberg das Radwegekonzept für Stadtallendorf entgegennahm. Darin enthalten sind 234 Ansätze, wie sich Stadtallendorf für insgesamt rund 14 Millionen Euro fahrradfahrerfreundlicher gestalten lassen kann – wobei die Stadt, wenn alles wie angedacht mit Fördermitteln und Beiträgen der weiteren Straßenbaulastträger (Bund, Land und Kreis) klappen sollte, in den kommenden etwa 15 Jahren rund 3,5 Millionen Euro investieren müsste. Der Fokus liegt dabei auf der Verbesserung der Möglichkeiten für den Alltagsverkehr – nicht für touristische Zwecke. Für den Ausbau der Nahmobilität gebe es Förderquoten von bis zu 80 Prozent, hob Fründt hervor. Ein Punkt, der auch abends während einer extra einberufenen Stadtverordnetenversammlung noch mehrfach Erwähnung finden sollte. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf fungierte die Stadt Stadtallendorf als Modellprojekt – inzwischen gebe es für die Erstellung eines Radverkehrskonzeptes auch konkrete Anfragen aus Kirchhain, Wetter, Biedenkopf und Gladenbach.

Abends stellte Fromberg das Konzept, in das auch Anregungen und Wünsche von der Verwaltung und den Bürgern eingeflossen sind, den Stadtverordneten während einer Sondersitzung vor. Er wolle keinen Druck ausüben, sondern hoffe nur darauf, dass die Parlamentarier einverstanden sind, wenn sich Rathausmitarbeiter mit ersten Vorschlägen aus dem Konzept auseinandersetzten – sonst werde die Verwaltung, die derzeit viel zu tun habe, sich mit anderen Dingen auseinandersetzen, erläuterte er die Veranstaltung, die kurz vor der Kommunalwahl stattfand.

90 Kilometer Strecke wurden untersucht

Fromberg hatte mit ihrem Planungsbüro insgesamt 90 Kilometer Strecke in der Kernstadt untersucht. Sie betonte, dass ein zentrales Ziel die Reduzierung von CO2-Ausstößen sei. Generell hielt sie fest, dass sich die Standards verändert hätten und viele Radfahranlagen in Sachen Breite heute nicht mehr den Ansprüchen genügen. So strebe sie bei reinen Radwegen beispielsweise eine Breite von zwei Metern an (1,60 Meter sind Mindestmaß), bei Radstreifen von 1,85 Metern, bei Schutzstreifen von 1,50 Meter (Unterschied ist: Schutzstreifen dürfen kurzzeitig von Autos mitgenutzt werden, Radstreifen nicht). Gut sei, dass die Stadt vornehmlich auf Kreisel statt auf Ampeln setze und die Oberflächen der Strecken meist in gutem Zustand seien. Eine Unfallanalyse habe ergeben, dass die Niederkleiner Straße ein „Hotspot“ und zudem die Bahnhofstraße risikobehaftet sei.

Eine klare Trennung von Rad- und Auto- beziehungsweise Lastverkehr forderte sie für die Niederkleiner, die Marburger und die Niederrheinische Straße sowie den Michele-Ferrero-Ring. Aber besonders innerorts hätten sich einige „kniffelige“ Stellen gezeigt. Als Beispiel nannte sie die Waldstraße, wo der gemeinsame Fuß-/Radweg nicht mehr zeitgemäß sei – denn alle Kreuzungen seien beispielsweise Gefahrenpunkte, da Autofahrer nicht daran denken oder es nicht erwarten, dass Radfahrer aus beiden Richtungen kommen können. Fromberg regte an, auf beiden Straßenseiten Radwege einzurichten – auch wenn dafür etwas Grün weichen und zwei oder drei Bäume gefällt werden müssten. Einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn hält sie an dieser Stelle nicht für sinnvoll, da die Fahrbahnbreite pro Seite nur noch 2,25 Meter betragen würde und das angesichts des erhöhten Lastwagenaufkommens zu gefährlich sei.

In der Herrenwaldstraße bemängelte sie, dass der Radstreifen zu schmal und nicht mehr gut sichtbar sei. „Auf der anderen Seite sind Radfahrer irgendwie mit auf dem Gehweg unterwegs.“ Sie schlägt vor, die Stellplätze für Autos zu streichen oder umzuorganisieren und für Radfahrer eine Nebenanlage zu schaffen. Als besonders kniffelig bezeichnete die Planerin die Hauptstraße, wo alles unterschiedlich, aber kaum umzugestalten sei. Dort könne sie nur „Mischverkehr“ empfehlen. Entsprechend empfiehlt sie, eine Tempobeschränkung auf 30 Stundenkilometer prüfen zu lassen.

Auch die Niederkleiner Straße bezeichnete sie als schwierig: Teilweise gebe es keine Radanlagen, im südlichen Teil punktuelle Engstellen. Sie schlug einen Schutzstreifen vor – und regte an, im mittleren Teil ebenfalls das Parken umzuorganisieren, den Autoverkehr von der Nebenanlage zu entfernen und diese für Radfahrer zu nutzen.

In Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung

Doch sie wartete noch mit vielen weiteren Ansätzen auf: Zum Beispiel sollten Radfahrer Einbahnstraßen auch entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung nutzen dürfen – wichtig sei, dass alles übersichtlich ist und es Ausweichflächen gibt. Zudem hält sie es für erstrebenswert, an den Kreiseln Zebrastreifen einzurichten, um den Verkehr zu verlangsamen und Radfahrern so mehr Sicherheit zu geben. Vor allem beim neuen, für die Bahnhofstraße geplanten Kreisel gelte es, die Fehler der Vergangenheit direkt zu vermeiden.

Als Letztes sprach sie über ein „grünes Netz“ für Stadtallendorf, das quasi Hand in Hand gehe mit der „grünen Achse“, die sich durch die Stadt ziehen soll und Teil der Ideen aus der Sozialen Stadt ist. Dieses Netz solle Radfahrern die Möglichkeit geben, nicht auf Hauptachsen durch die Stadt zu kommen. Fromberg schlägt eine Strecke „quasi entlang der Bahnlinie“ vor, wofür allerdings ein neuer Gleisübergang nötig sei. Außerdem könnten Nebenstraßen als Fahrradstraßen ausgewiesen werden, in denen Radfahrer sozusagen Vorfahrt genießen. Ihr Gedanke: Die Stadt sollte in den kommenden zehn Jahren jährlich 200 000 Euro investieren, dann lasse sich das Radwegenetz deutlich verbessern. Konkrete Vorschläge hat sie bereits für den neuen Kreisverkehr erarbeitet, für die K92/Rheinstraße und die Waldstraße.

Lesen Sie hier die Reaktionen einiger Stadtverordneter auf die Pläne: Daumen hoch - trotz einiger Kritikpunkte

Von Florian Lerchbacher

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