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Ostkreis Klopapier und Laptop liegen bereit
Landkreis Ostkreis Klopapier und Laptop liegen bereit
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17:57 05.06.2020
Ein weiterer Container wird im abgesperrten Teil der Herrenwald-Kaserne in Stadtallendorf abgestellt.  Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Nur noch wenige Wochen, dann ist Stadtallendorf international von großer Bedeutung, militärisch gesehen zumindest. Dann nimmt die aktuelle European Battlegroup (EUBG) ihren Dienst auf.

Jene internationale Eingreiftruppe untersteht der Europäischen Union. Die Bundesrepublik ist die Leitnation, die Führung dieses internationalen Verbandes übernimmt die Division Schnelle Kräfte (DSK) mit Sitz in Stadtallendorf. Sie stellt auch die meisten Soldaten (siehe Kasten) innerhalb dieses Verbandes, der seit seiner Aufstellung noch nie eingesetzt wurde.

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Seit Langem laufen die Vorbereitungen für den Starttermin der EUBG, in den vergangenen Wochen ist das im Inneren der Herrenwald-Kaserne auch sichtbar geworden. Es ist ein separater Sicherheitsbereich, eingezäunt und mit Stacheldraht versehen, entstanden. Dort stapeln sich mittlerweile genau 118 Großcontainer in verschiedenen Abschnitten.

Container werden vom Zoll verplombt

Noch sind sie weitgehend leer. In dieser Woche wird dieser sogenannte Luftsicherheitsbereich „scharf gestellt“, wie es Oberstleutnant André Forkert von der Pressestelle der Division formuliert.

Sprich: Dann werden die Container mit der Ausrüstung befüllt, die möglicherweise mehrere hundert Soldaten vom Standort Stadtallendorf brauchen, wenn der Einsatzbefehl aus Brüssel käme. Nur noch Personen, die eine besondere Sicherheitsüberprüfung hinter sich haben, dürfen den „Luftsicherheitsbereich“ dann noch betreten.

Bei dieser Ausrüstung in den Containern ist alles dabei, vom Klopapier bis zum Laptop. Danach wird der Container vom Zoll überprüft und verplombt. Er wird dann erst im Einsatzland wieder geöffnet. Dorthin gelang er auf dem Luft- und Seeweg. Damit das Material im Einsatzland nicht noch einmal durch eine Zollkontrolle muss, wird das in Stadtallendorf bereits erledigt. Samt Ausfüllen der Zollpapiere.

Rund um die Uhr einsatzfähig

Es ist kaum vorstellbar, dass bei einem Einsatz in einer Krisenregion Zollformalia eine Rolle spielen. „Doch wir befinden uns im Frieden, nur im Kriegsfall gelten andere Regel“, erläutert Feldwebel Mike Erdrich. Er ist einer der Spezialisten, die eigens für das aufwendige Packen der Container für den See- und Lufttransport geschult wurden.

Keiner weiß, in welches Einsatzland es für die aktuelle EUBG ginge. Doch das ist eine Situation, an die die Soldaten der Division Schnelle Kräfte absolut gewöhnt sind. Denn sie müssen rund um die Uhr einsatzfähig sein, sollte die Bundesregierung eine militärische Evakuierungsoperation befehlen, beispielsweise, wenn Deutsche im Ausland in Geiselhaft gerieten.

Gefechtsstand auf höchstem Nato-Standard

Bei der European Battlegroup müssen die Soldaten binnen 72 Stunden einsatzbereit sein, bei einer Evakuierungsoperation müsste das binnen 24 Stunden geschehen. Die Battlegroup wird wenn möglich im Einsatzland geführt. Generalmajor Andreas Hannemann, der Kommandeur der DSK, ist auch ihr Befehlshaber.

Wieder kommen die besonderen Fähigkeiten dieser Division zum Tragen. Sie verfügt über einen mobilen Gefechtsstand, der den höchsten Nato-Standards genügt. Und der ist von der Größe her anpassbar für jedes Einsatzszenario und kann durch die Luft transportiert werden.

Normales Dienstgeschäft weiter

Deshalb spielten auch die Stadtallendorfer Stabsfernmeldekompanie und die Fernmeldekompanie eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung dieses auch für die DSK besonderen Auftrags. „Das hat uns alle sehr gefordert“, sagt Major Ralf Jettke, Chef der Stabsfernmeldekompanie.

Denn: Neben der Vorbereitung auf die European Battlegroup lief das normale Dienstgeschäft weiter. Wobei sich das auch für Jettkes Kompanie mit Ausbruch der Corona-Pandemie drastisch verändert hat. Es sind nicht mehr alle Soldaten seiner Kompanie ständig am Standort.

Zugleich hatte er 30 Soldaten abzustellen, die für den Fall von Hilfseinsätzen im Inneren zur Verfügung standen. Sie wurden jedoch nicht benötigt. Dennoch mussten bei der Vorbereitung, auch beim Aufbau des Containerlagers natürlich, die Vorsichtsregeln für den Schutz vor dem Corona-Virus eingehalten werden.

Auftrag läuft bis Ende Januar 2021

Für den Einsatz mussten alle in Frage kommenden Soldaten der Division außerdem durchgeimpft werden, insofern sie das noch nicht waren. Die Impfungen reichen vom Klassiker Tetanus bis zum Gelbfieber.

Wohin sie ein Auftrag der EU führen könnte, wissen die Soldaten natürlich nicht. Doch bei Gesprächen wird deutlich, dass viele von ihnen ein Szenario in einem afrikanischen Staat für möglich hielten. Keiner spricht es beim Besuch der OP aus, doch dabei scheint Mali, wo es bereits eine Bundeswehr- und eine UN-Mission gibt, durchaus im Fokus zu stehen.

„Wir werden am 1. Juli bereitstehen“, ist Oberstleutnant Forkert überzeugt. Der Auftrag läuft bis Ende Januar nächsten Jahres. Zur Vorbereitung sind bereits seit dem Herbst irische Soldaten am Standort Stadtallendorf. Sie bereiten sich, wie die niederländischen Soldaten der 11. Luchtmobielen Brigade, auf die neuerliche internationale Zusammenarbeit vor. Im Einsatzfall muss das Zusammenspiel stimmen.

Von Michael Rinde

European Battlegroup

Die European Battlegroup ist eine Krisenreaktionseinheit der Europäischen Union und immer international organisiert. Bei der aktuellen Battlegroup, die ab 1. Juli einsatzbereit sein wird, ist Deutschland die Führungsnation.

Diese Battlegroup kann aus bis zu 4.100 Soldaten bestehen, je nach Einsatzszenario. Die Bundeswehr stellt dabei bis zu 2.500 Soldaten. Weitere Soldaten kommen aus Österreich, Irland, Tschechien, Lettland, den Niederlanden und aus Schweden.

Das Einsatzgebiet der Battlegroup kann in einem Umkreis von rund 6.000 Kilometern rund um Brüssel liegen. Battle-groups existieren bereits seit dem Jahr 2005. Die EU hält in der Regel zwei davon in Bereitschaft, eine infanteristische und eine, die für amphibische Operationen besonders geeignet ist.

Der Kern einer Battlegroup besteht laut Bundeswehrangaben aus rund 1.500 Soldaten. Sie können bis zu 120 Tage in den kurzfristigen Einsatz geschickt werden.

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