Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis „Wir wollen uns gegenseitig nicht belasten“
Landkreis Ostkreis „Wir wollen uns gegenseitig nicht belasten“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 02.11.2021
Ein 31-Jähriger soll seine Frau mehrfach körperlich angegriffen haben.
Ein 31-Jähriger soll seine Frau mehrfach körperlich angegriffen haben. Quelle: Symbolfoto: Jan-Philipp Strobel/dpa
Anzeige
Stadtallendorf

Gleich mehrfach soll ein 31-Jähriger seine Frau geschlagen und beleidigt haben – doch weil die Eheleute, die nach einer Phase der Trennung bald wieder zusammenziehen wollen, vor dem Kirchhainer Amtsgericht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machten und schwiegen, stellte Richter Joachim Filmer das Verfahren gemäß Paragraf 153 der Strafprozessordnung ein.

Anno 2020, im Jahr der Hochzeit des Paares, soll es gleich mehrere Vorfälle gegeben haben, die vor Gericht verhandelt werden sollten. Fünf Vorwürfe zählte der Vertreter der Staatsanwaltschaft auf: Im Mai soll der Mann in Dortmund seine Partnerin zunächst rechts und links auf die Wange geschlagen und anschließend mit der Faust in den Bauch geboxt haben. An einem Tag im Juni 2020 soll er in der Küche der gemeinsamen Wohnung mehrere Töpfe ausgeschüttet und dann gesagt haben: „So du Hund, das kannst du wegmachen.“ Am gleichen Tag soll er ihr noch gegen den Oberschenkel getreten und ein Hämatom zugefügt haben.

Nicht zu Vorwürfen geäußert 

Ein weiterer Vorwurf betraf einen Tag im September des Jahres 2020: Da soll der Mann die 30-Jährige in der Wohnung einer Verwandten erneut als Hund bezeichnet und dann mit der Faust gegen den Kopf geschlagen haben. Zurück in der eigenen Wohnung soll er sie bespuckt und als Hund und Hurentochter bezeichnet haben.

Ob er sich zu den Vorwürfen äußern wolle, fragte der Richter. „Ich will das weder bestätigen noch leugnen. Wir wollen uns nicht gegenseitig belasten. Ich will nichts sagen“, entgegnete der Angeklagte, woraufhin seine Ehefrau in den Zeugenstand trat. Auch sie machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. „Es tut mir leid, dass alle herkommen mussten. Wir wollen es noch einmal versuchen – und es klappt auch ganz gut“, sagte der Stadtallendorfer, bevor Filmer das Verfahren einstellte mit den Worten: „Wir könnten uns jetzt die Mühe machen und die Verwandtschaft herholen – aber das wollen wohl alle nicht.“

Von Florian Lerchbacher