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Ostkreis Jetzt ist seine Ehefrau die Chefin
Landkreis Ostkreis Jetzt ist seine Ehefrau die Chefin
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09:00 19.07.2022
Manfred Vollmer beim Hessentag 2010 – heute wird er 80 Jahre alt.
Manfred Vollmer beim Hessentag 2010 – heute wird er 80 Jahre alt. Quelle: Nadine Weigel
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Stadtallendorf

„Ich bin sehr froh, überhaupt 80 Jahre alt geworden zu sein“, sagt Stadtallendorfs langjähriger Bürgermeister Manfred Vollmer mit Blick auf seinen heutigen Geburtstag. Er sei schließlich Kriegskind, habe in seinen ersten drei Lebensjahren viel durchgemacht, sei krank gewesen und von einem Arzt gefragt worden: „Du lebst noch? Das ist ja ein Wunder!“

Und das ihm geschenkte Leben hat Stadtallendorfs Ehrenbürger nach allen Regeln der Kunst genutzt: Im Jahr 1959 trat er im Alter von 17 Jahren in Nordrhein-Westfalen der Jungen Union bei und schlug beruflich eine Verwaltungslaufbahn ein: Er machte eine Ausbildung beim Land NRW und war für zwei Regierungspräsidien, einen Landkreis, bei einer kreisangehörigen Stadt und dann beim Ministerium für Wissenschaft und Forschung tätig. Dann folgte eine Zeit in Schwalmtal als sogenannter Beigeordneter – wo er parteienübergreifend großes Lob für seine gute und vom Parteibuch unabhängige Arbeit erhielt. Dann jedoch fand Vollmer Gefallen an der Idee, Wahlbeamter zu werden – und fand als Bürgermeister von Stadtallendorf letztendlich auch eine geeignete Stelle (damals gab es noch keine Direktwahl, stattdessen war die CDU-Mehrheit im Parlament ausreichend). 30 Jahre – bis 2012 – blieb er im Amt (und gewann dabei auch noch Direktwahlen).

In der Kommunalpolitik ausschließlich Beobachter

Dann „wechselte er den Arbeitgeber“ und wurde vom Bestimmer zum Arbeitnehmer nach Weisung, wie er damals lachend im Gespräch mit dieser Zeitung sagte. Will heißen: Fortan wollte er seine Frau Margot im Haushalt und im Garten unterstützen und mehr Zeit der Familie widmen. Nebenbei machte er im Kreistag noch ein wenig Politik – hörte dort aber im vergangenen Jahr dann auch auf. In der Kommunalpolitik ist er also jetzt ausschließlich interessierter Beobachter. Und so sitzt er nun „nur“ noch im Verwaltungsausschuss der Arbeitsagentur und genießt ansonsten das Leben als Privatmensch. „Ich befinde mich noch immer in der Einarbeitungszeit im Haushalt. Die Zufriedenheit der Chefin hält sich in Grenzen: Ich muss oft nacharbeiten“, erklärt er schmunzelnd, während Ehefrau Margot mit einem schelmischen Grinsen kommentiert, dass er sich gar nicht so schlecht anstelle.

Corona-Erkrankung macht ihm noch zu schaffen

Gerne würde er noch mehr Zeit mit seinen Enkeln Christian (15) und Tobias (16) verbringen. „Aber die beiden werden auch so langsam flügge. Zum Älteren muss ich inzwischen hochschauen“, erklärt Vollmer mit typisch trockenem Humor und freut sich, dass die beiden sich „so gut machen“.

Und zufrieden ist er auch mit seinem Leben insgesamt: „Ich habe bei der Ausbildungswahl richtig gelegen. Die Zeit in der Verwaltung hat mir viel Spaß gemacht – und in meinen 30 Jahren als Bürgermeister fühlte ich mich, mit allen Höhen und Tiefen, pudelwohl.“ Als Glücksfall bezeichnet er das Treffen seiner Frau, mit der er seit 54 Jahren verheiratet ist und zwei Kinder und zwei Enkel hat. Nur die gerade überwundene Corona-Erkrankung macht Vollmer noch zu schaffen. Entsprechend warnt er vor der Pandemie und hat keinerlei Verständnis für Corona-Leugner: „Ich bin vierfach geimpft und habe mich an alle Vorsichtsmaßnahmen gehalten. Aber die Krankheit hat mich erwischt und sehr gebeutelt.“ Doch mit dem Überwinden von Erkrankungen kennt sich der Bürgermeister a.D. ja zum Glück seit seiner Kindheit aus.

Von Florian Lerchbacher